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Medizin

Psychotherapie hilft Krebspatienten mit Depressionen kosteneffektiv

Donnerstag, 28. August 2014

Oxford – Britische Psychiater haben eine spezielle Psychotherapie für Krebspatienten entwickelt. Die von einer Fachpflegekraft beim Onkologen durchgeführte Therapie hat sich in zwei Studien bei Krebskranken mit guter und ungünstiger Prognose als wirksam erwiesen.

Depressionen sind bei Krebspatienten häufig. In einer aktuellen Untersuchung aus Schottland litten nicht weniger als 13,1 Prozent aller Patienten mit Lungenkrebs an einer Major-Depression. Bei gynäkologischen Krebserkrankungen betrug die Prävalenz 10,9 Prozent, bei Brustkrebs 9,3 Prozent, bei Darmkrebs 7,0 Prozent und bei Malignomen des Harn- und Geschlechtsapparats waren es noch 5,6 Prozent.

Nach der Studie, die Jane Walker von der Universität Oxford jetzt in Lancet Psychiatry (2014; doi: 10.1016/S2215-0366(14)70313-X) publiziert hat, erhielten drei Viertel aller Patienten keine psychiatrische Behandlung. Um diese Versorgungslücke zu schließen, hat die Psychiaterin eine für Krebspatienten entwickelte Psychotherapie „behavioral activation and problem-solving therapy“ auf die Verhältnisse des britischen Gesundheits­systems angepasst.

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An den einzelnen Zentren wurde eine Onkologie-Pflegekraft in einem dreimonatigen Kurs geschult, um eine Kurztherapie der Major-Depression bei Krebspatienten durchzuführen, deren Vertrauen sie erworben hat. Sie wird dabei konsularisch von einem ausgebildeten Psychiater begleitet. Die Pflegekraft besucht den Patienten zunächst zuhause und hält später telefonisch Kontakt zu ihm. Sie kann neben der Psychotherapie auch eine medikamentöse Therapie einleiten, wobei sie (oder er) gelernt hat, die Symptome des Patienten mit einem Patient Health Questionnaire zu erfassen und entsprechend zu reagieren.

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Pilotstudie „SMaRT Oncology-1“ (publiziert im Lancet 2008; 372: 40-48) wurde die „Depression Care for People with Cancer“ (DCPC) jetzt in zwei größeren randomisierten klinischen Studien evaluiert. An „SMaRT Oncology-2“ nahmen 500 Patienten teil, die an einer Krebserkrankung mit guter Prognose litten und eine Major-Depression entwickelt hatten. Zu drei Viertel waren dies frauenheilkundliche Krebserkrankungen und 90 Prozent der Teilnehmer waren weiblich.

Nach den von Michael Sharpe, Universität Oxford, und Mitarbeitern im Lancet (2014: doi: 10.1016/S0140-6736(14)61231-9) vorgestellten Ergebnisse, sprachen 62 Prozent der Patienten gut auf die Therapie an. Bei ihnen war es nach 6 Monaten zu einer Reduktion der Symptome um mindestens 50 Prozent gekommen. Dieses Ergebnis erzielten nur 17 Prozent der Teilnehmer in der Vergleichsgruppe.

Auch in einer kleineren Studie an Lungenkrebspatienten, die in der Regel eine schlech­tere Prognose haben, war die DCPC erfolgreich. Die Patienten litten dank der Psycho­therapie und der Medikamente weniger unter ihren Existenzängsten und erzielten in den letzten Wochen ihres Lebens noch einen Gewinn an Lebensqualität, wie Walker in Lancet Oncology (2014; 15: 1168-76) versichert. An „SMaRT Oncology-3“ hatten insgesamt 142 Patienten teilgenommen, die auf die DCPC oder eine konventionelle Therapie randomisiert wurden, in der es dem Onkologen überlassen blieb, seinen Patienten Antidepressiva zu verschreiben oder nicht.

Die DCPC kostet laut Walker nur 162 britische Pfund pro Patient und ist damit deutlich günstiger als die (eigentlich notwendige, aber häufig unterlassene) Überweisung an einen Psychiater. © rme/aerzteblatt.de

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