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Gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rung zweites Quartal in Folge im Minus

Dienstag, 2. September 2014

dpa

Berlin – Die 131 gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland (gesetzliche Kranken­versicherung GKV) haben im ersten Halbjahr 2014 ein Minus von rund 630 Millionen Euro erwirtschaftet. Einnahmen von rund 101,7 Milliarden Euro standen Ausgaben von rund 102,3 Milliarden Euro gegenüber. Diese Zahlen hat das Bundesgesundheits­ministerium (BMG) heute mitgeteilt.

„Mit mehr als 16 Milliarden Reserven ist die Finanzsituation der gesetzlichen Kranken­kassen weiterhin stabil“, beeilte sich Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) zu beschwichtigen. Außerdem gehe das Minus zu einem Großteil darauf zurück, dass die Kassen ihre Versicherten über Prämien und freiwillige Leistungen an ihren hohen Finanz­reserven beteiligt hätten.

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So haben die Kassen dem Ministerium zufolge von Januar bis Juni Prämienzahlungen an Mitglieder in Höhe von 393 Millionen Euro und Aufwendungen für freiwillige Satzungs­leistungen wie professionelle Zahnreinigung in Höhe von 124 Millionen Euro geleistet. „Die Zahlen des ersten Halbjahres sprechen dafür, dass die Zuweisungen, die die Krankenkassen aus dem Gesundheitsfonds erhalten, auch im Jahr 2014 ausreichen werden, um die voraussichtlichen Ausgaben zu decken“, so das Fazit des BMG.

AOKen im Plus, Ersatzkassen im Minus
Die unterschiedlichen Kassenarten erwirtschafteten 2014 unterschiedliche Ergebnisse. So erzielten die AOKen und die Knappschaft-Bahn-See Überschüsse von rund 167 beziehungsweise 121 Millionen Euro. Bei den Ersatzkassen überstiegen hingegen die Ausgaben die Einnahmen um rund 681 Millionen Euro, bei den Betriebskrankenkassen um 166 Millionen Euro und bei den Innungskrankenkassen um 62 Millionen Euro.

Neben Prämienzahlungen hätten vor allem Veränderungen beim Finanzausgleich zwischen den Kassen die Einnahmen einzelner Ersatzkassen bis zu 120 Millionen Euro sinken lassen. Die Techniker Krankenkasse erklärte gegenüber der Frankfurter Allge­meinen Zeitung, dass sie ohne diese beiden Faktoren kein Defizit von 372 Millionen Euro sondern sogar einen Überschuss ausgewiesen hätte.

Plus 5,2 Prozent Mehrausgaben pro Versicherten
Je Versicherten gaben die Kassen im ersten Halbjahr insgesamt 5,2 Prozent mehr aus. Die Ausgaben für Krankenhausbehandlung stiegen je Versicherten um 4,3 Prozent. Insgesamt erhielten die Krankenhäuser laut dem BMG von den gesetzlichen Kranken­kassen in den Monaten Januar bis Juni 2014 rund 1,6 bis 1,7 Milliarden Euro mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Im Bereich der vertragsärztlichen Vergütung stiegen die Ausgaben je Versicherten um 4,1 Prozent, bei den Ausgaben für zahnärztliche Behandlung und Zahnersatz um 4,4 beziehungsweise 2,8 Prozent. Da für das erste Halbjahr in diesen Leistungsbereichen aber noch kaum Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen bei den Krankenkassen vorliegen, sind diese Zahlen überwiegend Schätzungen.

Arzneimittelausgaben gestiegen
In den Monaten Januar bis Juni 2014 sind die Arzneimittelausgaben der Krankenkassen um 8,9 Prozent gestiegen. „Dieser Ausgabenzuwachs dürfte zu einem Teil auf das Auslaufen des bis 31. Dezember 2013 befristeten erhöhten Herstellerrabatts für patentgeschützte Arzneimittel von 16 Prozent zurückzuführen sein“, hieß es aus dem Ministerium. Zudem habe die Versorgung mit neuen innovativen Arzneimitteln zu Mehrausgaben geführt.

Beim Krankengeld hat sich nach mehreren Jahren mit oftmals zweistelligen Zuwächsen der Anstieg mit einem Plus von 6,7 Prozent etwas verlangsamt. „Als maßgebliche Ursachen für diesen Anstieg beim Krankengeld sind weiterhin eine Zunahme der Krankengeldbezieher in höheren Altersgruppen bei steigendem Renteneintrittsalter sowie der Anstieg von lang andauernden psychischen Erkrankungen zu nennen“, so die Analyse des BMG. Das Ministerium fordert Unternehmen und Krankenkassen auf, diesem Trend im Rahmen einer verstärkten betrieblichen Gesund­heits­förder­ung entgegen zu wirken.

Zu den steigenden Ausgaben tragen schließlich noch die Verwaltungskosten der Kassen bei – sie sind im ersten Halbjahr 2014 um 2,2 Prozent je Versicherten gestiegen. © hil/aerzteblatt.de

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