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Ärzteschaft

Termintreue in Arztpraxen lässt zu wünschen übrig

Mittwoch, 3. September 2014

dpa

Berlin – Mehr Patienten als früher sagen kurzfristig ihren Termin in der Arztpraxis ab oder erscheinen nicht, obwohl sie einen Termin vereinbart haben. Vor allem Fachärzte neh­men eine derartige Entwicklung in den letzten beiden Jahren wahr. Ein sehr großes oder eher großes Problem in der Praxisorganisation entsteht dadurch 16 Prozent der Haus­arztpraxen und 37 Prozent der Facharztpraxen.

Das hat eine telefonische Befragung von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten zur Termintreue ihrer Patienten ergeben. Das Meinungsforschungsinstitut Infas hatte dafür im Juli und August im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) rund 1.000 Ärztinnen und Ärzte befragt. Die Stichprobe gilt als repräsentativ.

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Für die Umfrage wurden die Ärzte unter anderem gebeten sich zu erinnern, wie viele Patienten am zurückliegenden Sprechtag kurzfristig einen Termin abgesagt hatten oder ohne Absage nicht erschienen waren und wie viele dies durchschnittlich tun. 81 Prozent gaben an, kurzfristig würden aufgrund von Absagen bis zu zehn Prozent der Termine nicht zustande kommen. 74 Prozent berichteten, eine ebenso große Zahl an vergebenen Terminen würde gar nicht wahrgenommen, weil die Patienten nicht erschienen.

Rund die Hälfte der Arzttermine wird demnach ein bis zwei Tage vorher abgesagt, ein Viertel drei Tage bis eine Woche vorher, ein Sechstel am Tag selbst. Infas wollte auch wissen, ob die Terminuntreue in den letzten zwei Jahren zugenommen hat. Dies bejahten mehr Fach- als Hausärzte: 45 Prozent der Fachärzte fanden, dass mehr Patienten als früher einfach nicht zum Termin erscheinen, 37 Prozent, dass sie Termine eher kurzfristig absagen. Bei den Hausärzten bestätigten dies 26 beziehungsweise 17 Prozent.

Mit den Terminausfällen gehen die Praxen unterschiedlich um. Fast alle vergeben frei gewordene Termine kurzfristig an andere Patienten (92 Prozent) oder ziehen Kranke im Wartezimmer vor (77 Prozent). Die große Mehrheit der Haus- und Fachärzte vermerkt in der Akte, dass der Patient den Termin nicht wahrgenommen hat (79 Prozent). Nur ein Teil der Praxen plant von vornherein mit einer höheren Termindichte, um Patientenabsagen zu kompensieren (22 Prozent), oder unternimmt gar nichts (14 Prozent).

Andreas Gassen, KBV-Vorstandsvorsitzender, erklärte in einer ersten Bewertung des Ergebnisses: „Wenn es um schnelle Termine in den Praxen geht, tragen sowohl die niedergelassenen Ärzte als auch die Patienten gleichermaßen Verantwortung. Es kann immer mal vorkommen, dass ein Patient einen Termin absagen muss. Dafür kann es gute Gründe geben. Aber wenn der Arzt dies nicht rechtzeitig erfährt, so ist die beste Terminplanung obsolet. Zudem geschieht es mit zunehmender Tendenz, dass Termine gar nicht oder sehr kurzfristig abgesagt werden. Eine Gesetzesvorlage, die nur Ärzte weiter in die Pflicht nehmen will, ist nicht nur aus diesem Grund unangemessen.“

Gassen bezog sich damit auf die Absicht der schwarz-roten Bundesregierung, Warte­zeiten auf Arzttermine im Fall einer Überweisung auf vier Wochen zu begrenzen. Bundes­gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat mehrfach bestätigt, diese Frist mit Hilfe von Terminservicestellen bei den Kassenärztlichen Vereinigungen durchsetzen zu wollen. © Rie/aerzteblatt.de

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