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Politik

Ehemaliger Verfassungsrichter gegen Liberalisierung des Sterbehilfe-Verbots

Mittwoch, 3. September 2014

Köln – Der frühere Verfassungsrichter Udo Di Fabio warnt vor einer Lockerung des Sterbehilfe-Verbots. „In einer Gesellschaft, die – gar nicht abwertend, sondern beobachtend gemeint – zur Öko­nomi­sierung aller Lebensbereiche neigt, rate ich zu größter Vorsicht“, sagte Di Fabio dem Kölner Stadt-Anzeiger vom Mittwoch.

Schnell könne ein von der Verfassung nicht gewollter Druck entstehen, „das eigene Leben zu beenden, um anderen nicht zur Last zu fallen“, so der Bonner Staatsrechtler. Eine Gesellschaft, „die ihre Hand zur Selbsttötung reicht, verändert den Umgang mit dem menschlichen Leben“.

Bei Thema Sterbehilfe gehe es nicht nur um das Recht auf Selbstbestimmung, so Di Fabio weiter: „Gerecht ist nicht immer nur das, was der Einzelne will, sondern auch, was eine Gesellschaft moralisch prägt.“ Der Jurist plädierte für Vertrauen zu nächsten Angehörigen, behandelnden Ärzten, Pflegern oder Geistlichen: „Es gibt immer noch eine Alltagskultur, die in der engen Zuwendung Maßstäbe des richtigen Handelns wachsen lässt.“ Di Fabio gehörte von 1999 bis 2011 dem Zweiten Senat des Bundesverfassungs­gerichts in Karlsruhe an. © kna/aerzteblatt.de

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advokatus diaboli
am Sonntag, 7. September 2014, 18:50

Auch ein Verfassungsrichter a.D. darf seine Gewissensentscheidung verkünden!

Nun – ohne hier despektierlich zu sein, darf die Äußerung eines ehemaligen Verfassungsrichters nicht überbewertet werden. Kristallisationspunkt ist und bleibt das Recht der individuellen Selbstbestimmung und zwar ungeachtet der „gesellschaftlichen Moral“, mögen auch beiden von der Verfassung her Grenzen gesetzt sein!

In diesem hier gemeinten Sinne hat die Verfassung allerdings eine Präferenz gesetzt! Das Recht der Selbstbestimmung ist neben der Würde des Menschen das ranghöchste (Rechts-)Gut und insofern hier „gesellschaftliche Sollensmaßstäbe“ als „Grundrechtsschranken“ diskutiert werden, müssen diese nicht nur von gewichtiger Natur, sondern auch halbwegs „realistisch“ sein, auch wenn im Übrigen die Tendenz zur Ökonomisierung nahezu aller Lebensbereiche ungebrochen zu sein scheint.

Für mich besteht kein Zweifel: Schwerstkranke Menschen dürfen frei verantwortlich sterben und sofern sie hierzu der Hilfe Dritter bedürfen, darf sich eine humane Gesellschaft diesem Anliegen nicht länger verschließen! Des Volkes Wille ist eindeutig und das „Sterben“ sollte weder in die eine noch in die eine (oder andere) Richtung instrumentalisiert werden.
EEBO
am Donnerstag, 4. September 2014, 19:07

Und vor allem argumentiert Di Fabio nicht im luftleeren Raum!

Denn wie wir an den Beispielen Niederland und Belgien sehen, sind seine Bedenken vor einem Dammbruch durchaus berechtigt. Dort werden ja sogar Menschen, die sich nicht klar äußern können (Kleinkinder, Demente), der Tötung zugeführt.
Senbuddy
am Donnerstag, 4. September 2014, 12:34

Bingo !!

Der Mann bringt es auf den Punkt ! Seine Äußerungen drücken all das Unbehagen aus, was ich als Gegner der Sterbehilfe so empfinde. Dass er zusätzlich die gesellschaftlichen Auswirkungen anführt, bestärkt meine Ansicht noch erheblich.

Und das alles von einem so hochrangigen Juristen ! Hervorragend ! Das ist gut, um dem häufigen Gerede von der ach so wichtigen "Selbstbestimmung" mal einen kleinen Dämpfer zu geben.

Viele Grüße
S.

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