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Ausland

WHO fordert mehr Einsatz zur Vorbeugung von Suiziden

Donnerstag, 4. September 2014

Genf – Selbsttötungen sind vermeidbar, und doch nimmt sich alle 40 Sekunden irgendwo auf der Welt jemand das Leben. Mehr als 800.000 Menschen sind es in jedem Jahr, wie die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) in ihrem ersten umfassenden Bericht zum Thema feststellt. „Jeder Suizid ist eine Tragödie”, sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan zur Veröffent­lichung des Berichtes im Vorfeld des Welttages der Suizidprävention am 10. September.

Leider gebe es aber bisher in nur 28 Staaten nationale Programme zur Suizidprävention. Dabei hätten alle 194 WHO-Mitgliedstaaten einem Aktionsplan zugestimmt, der die Reduzierung von Selbsttötungen um zehn Prozent bis zum Jahr 2020 zum Ziel hat.

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In dem 100 Seiten starken Bericht stecken zehn Jahre Forschungsarbeit aus Ländern der ganzen Welt. Auf jeden Suizid kommen demnach 20 Versuche.  Selbsttötungen hätten „verheerende“ Folgen für die Familien und Freunde, die lange Zeit darunter litten, schreiben die Autoren.  Besonders betroffen sind demnach die verletzlichsten Bevölkerungsgruppen, vor allem Menschen, die unter Diskriminierung oder Armut leiden.

Suizide sind „tabuisiert und stigmatisiert“
Selbsttötungen seien ein „großes Problem für die öffentliche Gesundheit, das ohne Verzögerung angegangenen werden muss“, betonte die WHO. Bislang werde dies verhindert, weil das Thema „tabuisiert und stigmatisiert“ werde. Dabei gebe es Möglichkeiten, einzugreifen und gefährdete Menschen zu behandeln.

Die Suizidrate lag 2012 bei 11,4 von 100.000 Menschen. Die WHO-Mitgliedstaaten haben sich zu dem Ziel bekannt, die Rate bis 2020 um zehn Prozent zu senken. Die Länder mit den höchsten Quoten sind Guyana (44,2 auf 100.000), Nordkorea (38,5), Südkorea (28,9). Auch in Sri Lanka und Litauen lag sie bei mehr als 28. Bei jungen Menschen von 15 bis 29 Jahren ist Suizid die zweithäufigste Todesursache. Am höchsten ist die Quote bei Menschen über 70 Jahre. Bei Männern ist jeder zweite gewaltsame Tod eine Selbsttötung, bei den Frauen sind es 71 Prozent.

Medien tragen große Verantwortung
Um Selbsttötungen zu verhindern, sieht die WHO neben den Regierungen auch die Medien in der Verantwortung. Diese müssten auf unnötige Einzelheiten insbesondere bei der Berichterstattung über prominente Fälle verzichten. Sensationslüsterne und glorifizierende Berichte könnten Nachahmer dazu bringen, sich das Leben zu nehmen.

Das Internet und die sozialen Medien bieten aus Sicht der WHO-Experten dagegen die Möglichkeit zu einer „universellen Strategie zur Suizidprävention". In dem Bericht wird auf Diskussionsforen mit Ärzten verwiesen, auf Online-Therapien und virtuelle Selbsthilfeprogramme.

In Deutschland setzen sich dafür Ärzte, Psychologen und weitere Fachleute, aber auch hilfsbereite Laien der Gesellschaft DGS sowie des Nationalen Suizidpräventions­programms für Deutschland (NaSPro) ein - eine Initiative, in der sich mehr als 90 Institutionen, Organisationen und Verbände zusammengeschlossen haben.

Rund 10.000 Menschen nehmen jährlich sich in Deutschland das Leben
Die Herausforderung, der sie sich stellen, ist gewaltig, wie das WHO-Zahlenwerk auf Seite 82 unter „Germany“ ausweist: Rund 10.000 Menschen nehmen sich jedes Jahr in Deutschland das Leben. 2012 waren es 8.124 Männer und 2.621 Frauen. „Es sterben in Deutschland mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle, Gewalttaten, illegale Drogen und Aids zusammen“, so die DGS. © afp/dpa/aerzteblatt.de

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