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Medizin

Weniger zu sitzen verlängert Telomere und damit möglicherweise das Leben

Donnerstag, 4. September 2014

dpa

Stockholm – Weniger sitzen verlängert die Telomere, schützt damit die DNA vor dem Altern und hat möglicherweise lebensverlängernde Wirkung. Durch vermehrte körperliche Aktivität hingegen – ohne Verminderung der sitzend verbrachten Zeit - konnte dieser Effekt nicht erzielt werden. Das berichtet eine Arbeitsgruppe um Mai-Lis Hellenius vom Department of Medicine, Karolinska Institutet, Karolinska University Hospital in Stockholm, in ihrer aktuellen Studie im British Journal of Sports Medicine (Online First, doi:10.1136/bjsports-2013-093342).

„In vielen Ländern mag zunehmend Ausgleichssport getrieben werden, aber gleichzeitig verbringen die Menschen mehr Zeit sitzend“, so die Forscher, „Wir haben zunehmend die Sorge, dass nicht nur mangelnde körperliche Aktivität, sondern wahrscheinlich auch Sitzen und sitzende Verhaltensweisen eine wichtige und neue Gesundheitsgefahr unserer Zeit sind.“

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Die Wissenschaftler untersuchten den Zusammenhang zwischen vermehrter körperlicher Aktivität und verminderter sitzender Tätigkeit auf die Länge von Telomeren. Die Telomer­länge gilt als assoziiert mit Langlebigkeit und gesundem Lebensstil, dabei gelten längere Telomere als günstig. Telomere sitzen auf den Enden der Chromosomen. Sie sind wichtig für die Stabilität von Chromosomen. Vergleichbar mit Plastikenden an Schnürsenkeln halten sie die Chromosomen davon ab, auszufransen oder zu verklumpen und so den genetischen Code zu schädigen. Zellteilung verkürzt die Telomere.

An der bereits veröffentlichten randomisierten kontrollierten Pilotstudie zu körperlicher Bewegung bei älteren Menschen, deren sekundäres Outcome die Forscher hier auswerten, nahmen 49 übergewichtige Patienten im Alter von 68 Jahren teil, die überwiegend sitzenden Tätigkeiten nachgingen. Es erfolgten zwei Untersuchungen im Abstand von sechs Monaten. Die Interventionsgruppe erhielt in der Zwischenzeit ein individuelles körperliches Übungsprogramm. Das Bewegungsverhalten untersuchten die Forscher mittels Schrittzähler, Tagebuch und Fragebögen, die Telomerlänge bestimmten sie in Blutzellen.

Die Anzahl der täglichen Schritte war nicht assoziiert mit Veränderungen der Telomerlänge. Moderate sportliche Betätigung war mit einer Verkürzung der Telomere verbunden, dieser Effekt war aber nicht signifikant. Eine Abnahme der sitzend verbrachten Zeit in der Interventionsgruppe war signifikant verknüpft mit einer Zunahme der Telomerlänge in Blutzellen.

Übergewicht und verschiedene vaskuläre Risikofaktoren verbesserten sich in beiden Gruppen im Verlauf der sechs Monate, besonders deutlich in der Interventionsgruppe. Dabei hatte aber die Zunahme an körperlicher Aktivität weniger Einfluss als eine Reduktion der sitzend verbrachten Zeit.

Die Wissenschaftler kommen zu dem Schluss: „Wir vermuten, dass eine Reduktion sitzend verbrachter Stunden für ältere Risiko-Personen wichtiger ist als vermehrtes körperliches Training.“ Auch wenn ihre Ergebnisse die Resultate anderer Forschungs­gruppen bestätigten, sei ihre Studie aber doch klein. Sie mahnen, dass weitere Untersuchungen an anderen Zelltypen wie Skelettmuskel- oder Fettzellen und mit größerer Studienpopulation nötig seien. © hil/aerzteblatt.de

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