NewsMedizinBindegewebszellen für Infektionsabwehr wichtiger als gedacht
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Bindegewebszellen für Infektionsabwehr wichtiger als gedacht

Donnerstag, 4. September 2014

Hannover – Bindegewebszellen sind für die Ausschüttung von Interferonen und damit für die Infektionsabwehr offenbar wichtiger als bislang angenommen. Das berichtet eine Arbeitsgruppe um Julia Spanier, Wissenschaftlerin am Institut für Experimentelle Infek­tions­forschung des Twincore – Zentrum für Experimentelle und Klinische Infektions­forschung in Hannover im Journal of Immunology (doi:10.4049/jimmunol.1400959).

Eine schnelle und starke Interferonausschüttung ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Virusabwehr. Besonders dramatisch sind die Folgen einer zu schwachen Reaktion beispielweise bei Infektionen mit dem Tollwut-Virus, die häufig tödlich verlaufen. Aller­dings wissen wir laut den Wissenschaftlern bislang nur sehr wenig darüber, wie die Interferonausschüttung angeregt und gesteuert wird.

Die Twincore-Forscher meinen, jetzt zwei Hauptwege dazu identifiziert zu haben. „Wir wollten herausfinden, welche Wege tatsächlich eine Rolle spielen, um die überlebens­wichtige Induktion der Interferon-Ausschüttung zu garantieren“, so Spanier. Der Wissenschaftlerin ist es gelungen, die Kombination zweier Reaktionsketten, die zur Ausschüttung von Interferonen führen, zu unterbrechen. In diesen Reaktionsketten geben sogenannte Mustererkennungsmoleküle die Information weiter, dass eine RNA fremd ist und bekämpft werden muss.

Anzeige

Wird die Information über die betreffenden Moleküle nicht weitergegeben, weil der Adapter defekt ist, bildet die Zelle kein Interferon. Zwar können sich die beiden Reaktionswege gegenseitig weitgehend ersetzen, aber wenn beide ausgeschaltet sind, bildet der Organismus kein Interferon und überlebt eine Infektion mit einem Modelvirus für Tollwut nicht.

„Diese beiden Hauptwege werden von unterschiedlichen Zelltypen genutzt“, erklärt die Biologin. „Fresszellen, konventionelle Dendritische Zellen und bestimmte Sorten von Stromazellen schlagen den einen Weg ein. Der zweite Weg ist besonders für plasmazytoide Dendritische Zellen und besondere Sorten von Stromazellen relevant.“

Aber was haben Stromazellen mit der Ausschüttung von Interferonen zu tun? „Wir haben festgestellt, dass gesundes Gewebe maßgeblich zur Ausschüttung von schützendem Interferon während einer Virusinfektion beiträgt“, so Spanier. Dies sei ein „besonders spannender Aspekt, den wir weiter untersuchen werden“.

Es ergäben sich daraus ganz neue Perspektiven für die Abwehr schwerer Infektionskrankheiten wie Tollwut. „Denn offenbar sind die Wege, auf denen Körperzellen erfahren, dass Gefahr droht und dementsprechend miteinander kommunizieren, noch viel komplexer, als die Wissenschaftler bisher angenommen hatten“, hieß es aus dem Twincore. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

15. Oktober 2019
Berlin – Gründliches Händewaschen schützt vor Krankheiten – aus diesem Grund hat Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) eine bundesweite Kampagne zum richtigen Waschen der Hände gestartet.
Spahn startet Kampagne für gründliches Händewaschen
15. Oktober 2019
München – Die Zecken in Bayern haben in diesem Jahr bislang weniger Fälle von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen als noch im Vorjahr. Wie das bayerische Ge­sund­heits­mi­nis­terium mitteilte,
Weniger Fälle von Frühsommer-Meningoenzephalitis in Bayern
10. Oktober 2019
Berlin – Forschende der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben einen körpereigenen Abwehrmechanismus entdeckt, mit dem die Haut Bakterien aktiv abtötet. Dabei spielen Mastzellen und der Botenstoff
Mastzellen an der Abwehr von Krankheitserregern beteiligt
17. September 2019
Moskau – Bei einer Explosion und einem anschließenden Brand ist ein russisches Labor für Biowaffen beschädigt worden. Es bestehe jedoch keine Gefahr durch das Unglück in der Anlage in Sibirien, in der
Explosion in Biowaffenlabor in Russland
12. September 2019
London – Die Einführung von Maßnahmen zur Infektionskontrolle hat auf Intensivstationen in England, Wales und Nordirland innerhalb weniger Jahre zu einem Rückgang von positiven Blutkulturen um fast 80
England: Deutlicher Rückgang von Blutstrominfektionen auf Intensivstationen
4. September 2019
Bukavu/ Goma – Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) will weitere Hilfe für den Kampf gegen die Ebolaepidemie im Kongo prüfen. „Wir können der Ausbreitung des Virus nicht weiter tatenlos zusehen“,
Maas prüft weitere Hilfe für den Kongo im Kampf gegen Ebola
3. September 2019
Atlanta – Verliert die Mumpsimpfung allmählich ihre Wirkung? In den USA ist es in den vergangenen Jahren an Hochschulen immer wieder zu Ausbrüchen gekommen, in denen auch geimpfte Studierende
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER