Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Krankenhäuser: Banken analysieren die medizinische Qualität

Freitag, 5. September 2014

Essen – Die Qualität von Krankenhausleistungen rückt nicht nur immer stärker in den Blick von Krankenkassen, Politik und Öffentlichkeit, auch Banken und Versicherungen analysieren mehr und mehr die Qualitätsdaten von Kliniken. „Diese Daten werden vergütungs- und finanzierungsrelevant“, stellte Martin Heumann, Geschäftsführer des Krankenhauszweckverbands Rheinland, auf einer Fachtagung des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) in Essen heraus.

Vor dem Hintergrund unzureichender Investitionszuschüsse der Länder werde der Kreditbedarf der Krankenhäuser steigen, sagte Heumann. Er verwies darauf, dass Banken die Bonität ihrer Kreditnehmer mit Hilfe komplexer Ratingverfahren bewerteten. Dabei spielten neben harten ökonomischen Daten auch „soft facts“ wie die medizinische Qualität eine Rolle.

Schlechte Qualität heißt weniger Patienten und damit weniger Erlöse
Die Argumentationskette der Banken skizzierte Heumann so: „Schlechte Qualität schreckt Patienten ab. Weniger Patienten bedeuten weniger Erlöse, aber nicht in gleichem Umfang und genauso schnell weniger Kosten. Damit könnte das wirtschaftliche Gleichgewicht des Krankenhauses und somit der gewährte Kredit in Gefahr geraten.“

Ähnliches gelte für die Versicherer. Heumann erwartet, dass sie in Zukunft Quali­tätsindikatoren in die Prämienkalkulation der Haftpflichttarife einbeziehen. Er appellierte an die anwesenden Klinikmanager, den Ursachen auffälliger Daten nachzugehen: „Kein Krankenhaus-Geschäftsführer kann sich mehr erlauben, sich nicht um die Qualitäts­ergebnisse des eigenen Hauses zu kümmern.“ 

Die Vielzahl der unterschiedlichen Klinikführer sollten die Krankenhausleitungen ebenfalls nicht unbeachtet lassen, auch wenn dort oft allenfalls halbrichtige oder gar falsche Zahlen zu finden seien. Heumann kritisierte, dass die Mehrzahl der Kranken­häuser zu den veröffentlichten Qualitätsdaten nicht Stellung nehme, und richtete an die Klinikverantwortlichen die Frage: „Wo auf Ihrer Homepage gibt es Aussagekräftiges zur Qualität in Ihrem Hause?“

Die meisten Krankenhäuser hätten heute eine eigene Abteilung Qualitätsmanagement, sagte Horst Imdahl, Geschäftsführer der Städtischen Kliniken Mönchengladbach. Aber nicht alle Kliniken mit einem veröffentlichten Leitbild wiesen darin auf ihr Qualitäts­management hin. Die Ergebnisse der Qualitätsberichte belegen nach Ansicht Imdahls, dass die Kranken­häuser auf einem guten Weg sind.

Mit Blick auf das neue Qualitäts­institut auf Bundes­ebene, das eine Vergleichsliste mit Qualitätsindikatoren im Internet veröffentlichen wird, und die Absicht der Regierung, die Qualität bei der Klinikvergütung zu berücksichtigen, hatten das DKI, der Verband der Krankenhausdirektoren Deutschlands (VKD), die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen und mehrere Krankenhaus-Zweckverbände an Rhein und Ruhr zu dem Erfahrungsaustausch eingeladen.

Es sei nicht richtig, Politik und Krankenkassen beim Thema Qualität die Meinungsführerschaft zu überlassen, war die einhellige Meinung.

© Stü/aerzteblatt.de

Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Widerstand
am Sonntag, 7. September 2014, 13:13

Gier bekommt Kontrolle

Banken, Versicherungen analysieren medizinische Qualität. Bullshit!
Was die Geldgeier wirklich im Sinn haben, hat uns die letzte Finanzkrise gezeigt, nicht nur in Griecheland hungern noch heute unschuldige Menschen.
Was glauben diese Leute, die das zulassen eigentlich? Sind sie solche Menschenverächter, dass es ihnen egal ist ob die Menschen aus Gewinnsucht der Kontrollinstanzen 20 Jahre früher sterben, weil Mangelversorgung den Gewinn erhöht?
Aufforderung an alle: Jeden Finanzheini zum Teufel jagen, der seine Nase wie ein Trüffelschwein einsetzt.

Nachrichten zum Thema

24.05.17
Freiburg – Der 120. Deutsche Ärztetag in Freiburg hat die Einführung von Personaluntergrenzen für Ärztinnen und Ärzte und alle anderen am Patienten tätigen Berufsgruppen gefordert. Die von der......
18.05.17
Experten diskutieren über Personaluntergrenzen im Krankenhaus
Berlin – In einer Anhörung vor dem Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestags haben die Krankenkassen gestern über die konkrete Ausgestaltung von Pflegepersonaluntergrenzen im Krankenhaus......
15.05.17
Krankenhausreform: „Die Qualitätsdiskussion ist vergiftet“
Berlin – Experten haben die Auswirkungen des Krankenhausstrukturgesetzes (KHSG) auf die deutsche Krankenhauslandschaft diskutiert. Bemängelt wurden vor allem diverse Aspekte des fallpauschalisierten......
11.05.17
Tag der Pflege: Forderungen nach mehr Personal
Berlin – Zum morgigen Internationalen Tag der Pflege gibt es Rufe nach mehr Personal und einer höheren Wertschätzung für die Arbeit der Pflegekräfte. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi)......
11.05.17
„Wir müssen mit dem hohen Dokumentations­aufwand leben“
Trier – Ärzte sind in Krankenhäusern alltäglich einem vermehrten wirtschaftlichen Druck ausgesetzt. Der nimmt immer weiter zu. Grund ist nicht zuletzt das DRG-System, das entsprechende Anreize setzt.......
11.05.17
„Wir kommen um die Bürokratie nicht herum“
Essen – Der ökonomische Druck, den viele Krankenhausärzte in ihrem Alltag spüren, ist groß. Die Ursache dieses Drucks sind die Anreize des DRG-Systems, das Leistungsausweitungen sowie Einsparungen bei......
11.05.17
Hamburg – Qualitätsberichte von Krankenhäusern werden als Informationsquelle von Patienten selten genutzt. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Asklepios-Kliniken. Demnach......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige