NewsMedizinEbola: Doppelter Impfstoff schützt Makaken langfristig
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Ebola: Doppelter Impfstoff schützt Makaken langfristig

Montag, 8. September 2014

dpa

Bethesda – In den USA hat die erste klinische Studie zu Ebola-Impfstoffen begonnen. Zum Einsatz kommt eine Vakzine auf der Basis eines Adenovirus, das normalerweise nur Schimpansen befällt. Die Kombination mit einem zweiten Impfstoff auf der Basis einer Vaccinia-Vakzine hat in einer experimentellen Studie laut Nature Medicine (2014; doi: 10.1038/nm.3702) bei Makaken eine langfristige Immunität erzielt.

Nach Angaben der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) sollen in den nächsten Wochen zwei Vakzinen gegen Ebola zunächst an Gesunden erprobt werden. Eine Vakzine basiert auf einem attenuierten Stamm des Vesicular stomatitis virus (VSV). Es handelt sich um einen Verwandten des Tollwutvirus, der bei Huftieren eine milde verlaufende Stomatitis vesicularis erzeugt, für den Menschen jedoch als ungefährlich eingestuft wird.

Anzeige

Der Impfstoff wurde ursprünglich von der Public Health Agency of Canada entwickelt. Lizenznehmer ist die NewLink Genetics Corporation aus Ames/Iowa, die in der letzten Woche von der FDA eine Erlaubnis für ein Phase 1-Studie erhalten hat, in welcher der Impfstoff an gesunden Probanden getestet werden soll.

Eine entsprechende Studie mit dem zweiten von der WHO erwähnten Impfstoff hat bereits in der letzten Woche begonnen. Am Vaccine Research Center der US-National Institutes of Health erhielt als erste eine 39-jährige Frau einen Impfstoff, den die Firma GlaxoSmithKline vermarkten möchte. Weitere Teilnehmer sollen folgen. Geimpft wird nicht nur in den USA, sondern auch in England (am Jenner Institute in Oxford) und später in Gambia und Mali. Falls sich der Impfstoff als sicher erweisen sollte, könnte er bereits im November eingesetzt werden, wobei die WHO als erstes das medizinische Personal schützen lassen möchte.

Dieser zweite Impfstoff basiert auf einem Adenovirus, das normalerweise Schimpansen befällt. Auf die Verwendung eines menschlichen Adenovirus wurde verzichtet, da die häufig vorhandene Immunität das Impfvirus zerstören würde, bevor es die Ebola-Antigene exprimieren und dem Immunantwort anbieten  könnte. Das deshalb als Gerüst verwendete ChAd-Virus (chimpanzee-derived replication-defective adenovirus) ist dem Immunsystem des Menschen unbekannt.

Da es nicht zur Replikation fähig ist, sollte es für den Menschen ungefährlich sein (was die jetzt begonnene Phase 1-Studie beweisen soll). Da sich allerdings unweigerlich Antikörper gegen das ChAd-Virus bilden werden, kann es für eine Auffrischung nicht mehr verwendet werden. Das Team um Nancy Sullivan vom Vaccine Research Center in Bethesda will deshalb als Booster einen anderen Impfstoff verwenden. Geplant ist der Einsatz eines modifizierten Vaccinia Ankara-Virus, einer Variante des früheren Impfvirus gegen Pocken.

Diese Strategie erscheint vor dem Hintergrund der jetzt veröffentlichten Ergebnisse sehr viel versprechend. Alle vier Makaken, die zuerst mit dem ChAd-Virus und fünf Wochen später mit dem MVA geimpft wurden, überlebten eine spätere Exposition mit dem Zaire-Stamm des Ebola-Virus (EBOV), während nach einer Auffrischung mit demselben ChAd-Virus zwei von drei Tieren eine Ebola-Infektion nicht überlebten. Bei der Boos­terung mit einem anderen ChAd-Virus überlebte nur eines von vier Tieren.

Die beiden Impfstoffe präsentieren neben dem Antigen des EBOV auch ein Antigen der Sudan-Variante des Ebolavirus, so dass die Impfung auch hier wirksam sein sollte. Das derzeit in Westafrika isolierte Virus gehört zum Stamm EBOV. Die WHO zählte bis zum 4. September 1.841 Todesfälle auf 3.685 dokumentierte Erkrankungen, was eine Case-Fatality-Rate von 50 Prozent ergibt. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

18. Oktober 2019
Genf – Gesundheitsexperten prüfen Fortschritte beim Kampf gegen die lebensgefährliche Infektionskrankheit Ebola im Kongo in Afrika. Weil der Ausbruch nach mehr als einem Jahr noch nicht unter
WHO-Experten prüfen Fortschritte im Kampf gegen Ebola
7. Oktober 2019
Abuja – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) sieht Migration und Gesundheit eng miteinander verbunden. „Ohne Perspektiven auf Arbeit, Gesundheit und Sicherheit werden sich viele, zu viele auf
Gesundheit und Migration hängen für Spahn zusammen
7. Oktober 2019
Goma – Im Kongo haben der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) zufolge fast zwei Drittel aller Ebolapatienten, die behandelt wurden, die gefährliche Krankheit überlebt. Von den 1.555 Menschen, die
Zwei Drittel aller Ebolapatienten in Kliniken im Kongo überleben
4. Oktober 2019
Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat der Afrikanischen Union (AU) eine Million Euro für die Unterstützung des Ebola-Frühwarnsystems zugesagt. Das Geld soll in den Ausbau der
Spahn sagt eine Million Euro für Ebola-Frühwarnsystem zu
27. September 2019
Heidelberg – Die Infektion mit Epstein-Barr-Viren (EBV) bleibt meist folgenlos. Bei einigen Menschen löst sie aber eine infektiöse Mononukleose aus, das Pfeiffersche Drüsenfieber, oder sogar
Nichtkodierende RNA triggert variable Infektionsverläufe mit Epstein-Barr-Viren
23. September 2019
Berlin – Säuglinge, die gegen Gelbfieber geimpft sind, benötigen möglicherweise noch eine Auffrischungsimpfung. Das zeigt eine Studie des Robert-Koch-Instituts (RKI) und Forschern aus Frankreich, USA,
Gelbfieberimpfung im Säuglingsalter muss wahrscheinlich aufgefrischt werden
23. September 2019
Genf – Die Demokratische Republik Kongo will nächsten Monat einen zweiten Impfstoff gegen Ebola einführen. Ab Mitte Oktober komme ein experimenteller Impfstoff des US-Konzerns Johnson & Johnson
VG WortLNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER