NewsVermischtesMuhammet Eren Dönmez: Ein schwelender Konflikt
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Muhammet Eren Dönmez: Ein schwelender Konflikt

Montag, 8. September 2014

Gießen – Heute haben die Eltern von Muhammet Eren Dönmez für ihren Sohn einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen das Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) beim Landgericht Gießen eingereicht. Das haben die Anwälte der Familie, Ramazan Akbas und Oliver Tolmein, mitgeteilt. Die Eltern wollten damit erwirken, dass ihr schwerkranker Sohn einen Platz auf der Warteliste für eine Herztransplantation erhält. Einen Wartelistenplatz hätte ihm das Universitätsklinikum unter Berufung auf die „Richtlinie für die Wartelistenführung und Organvermittlung zur Herz- und Herz-Lungen-Transplantation“ verweigert.

Am 4. September hatte die Klinik mitgeteilt, dass die Prüfungs- und die Überwachungs­kommission das Vorgehen und die Entscheidung der Gießener Ärzte bestätigt hätten. „Die Prüfungs- und die Überwachungskommission, in gemeinsamer Trägerschaft von Bundes­ärzte­kammer, Deutscher Krankenhausgesellschaft und GKV-Spitzenverband, haben am 22.08.2014 im Universitätsklinikum Gießen und Marburg den Fall Muhammet Eren Dönmez geprüft. Dabei wurden keine Verstöße gegen die Richtlinien gemäß § 16 TPG festgestellt. Danach besteht eine Kontraindikation zur Organtransplantation, wenn wie hier schwerwiegende Erkrankungen anderer Organe vorliegen. Die Entscheidungen des Klinikums waren tatsachenbegründet und nachvollziehbar. Es gab insgesamt keinen Anlass zu Beanstandungen“, teilte die Geschäftsstelle Transplantationsmedizin der Bundes­ärzte­kammer dem Deutschen Ärzteblatt mit.

Anzeige

Diese Interpretation der Richtlinie ist nach Auffassung der Anwälte der Familie nicht mit dem Benachteiligungsverbot für Menschen mit Behinderungen aus Artikel 3 Absatz 3 Satz Grundgesetz zu vereinbaren. Sie verstoße auch gegen Artikel 25 der UN-Behin­derten­rechtkonvention, die eine diskriminierungsfreie Gesundheitsversorgung für Menschen mit Behinderungen in Deutschland verlangt. Deswegen müsse die Richtlinie, die keinen Gesetzescharakter habe, so ausgelegt werden, dass sie mit höherrangigem Recht vereinbar sei.

Das UGKM erneuert inzwischen seine Empfehlung an die Eltern, ihren Sohn nach Istanbul zurückzuverlegen. Die Frage der Verlegungsfähigkeit von Muhammet Eren sei geprüft und ein Klinikum in Istanbul gefunden, das in der Lage wäre, die in Gießen begonnene Kunstherztherapie fortzuführen. Ein Spezialflugzeug mit einem geschulten Ärzteteam für den Transport stehe bereit. © Kli/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

28. Oktober 2020
Braunschweig – Im Verfahren um eine Entschädigung für den im Göttinger Organspendeskandal freigesprochenen Arzt ist das Land Niedersachsen dazu verurteilt worden, dem Mediziner rund 1,2 Millionen Euro
Organspendeskandal: Millionenentschädigung für freigesprochenen Arzt
6. Oktober 2020
Braunschweig – Der im Göttinger Organspendeskandal freigesprochene Arzt darf weiter auf eine Entschädigung in Millionenhöhe hoffen. Das Oberlandesgericht Braunschweig halte die Berufung Niedersachsens
Arzt darf auf Entschädigung nach Organspendeskandal hoffen
29. September 2020
Frankfurt am Main – Ärzte aus 46 Transplantationszentren in Deutschland haben im vergangenen Jahr insgesamt 3.767 Organe übertragen. Mehr als 9.000 Patienten warteten auf eine Transplantation. Das
Tätigkeitsberichte der Transplantationszentren erschienen: 3.767 Organe übertragen
16. Juli 2020
Berlin – Postmortale Entnahmen von Spenderlebern können künftig nicht mehr auf die Mindestmenge angerechnet werden. Diese Änderung der Mindestmengenregelung für Lebertransplantationen hat der
Lebertransplantationen: Regeln für Mindestmengen geändert
26. Juni 2020
Regensburg – Eine Behandlung mit regulatorischen Zellen, die aus dem Blut der Patienten gefiltert und im Labor vermehrt werden, soll die Abstoßungsreaktionen nach Organtransplantationen abschwächen.
Organtransplantation: Regulatorische Zelltherapie vermindert Bedarf an Immunsuppressiva
23. Juni 2020
Nanjing – Chinesischen Forschern ist es bei Mäusen gelungen, Leberzellen in der Milz anzusiedeln. Ihrem Bericht in Science Advances (2020: DOI: 10.1126/sciadv.aaz9974) zufolge hat die transformierte
Forscher wollen Leber durch Milz ersetzen
18. Juni 2020
Pittsburgh – US-Forscher haben die Zellen einer Rattenleber durch menschliche Zellen ersetzt, die sie im Labor aus reprogrammierten Stammzellen einer Hautprobe hergestellt hatten. Nach der
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER