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Medizin

USA: Seltenes Enterovirus verursacht schwere Atemwegserkrankungen

Dienstag, 9. September 2014

Atlanta – Im Mittleren Westen und Westen der USA ist es in den letzten Wochen zu Häufungen von ungewöhnlich heftigen Atemwegsinfektionen durch das Enterovirus D68 gekommen. Die Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR) berichten über zwei Cluster in Missouri und Illinois, die offenbar nur die Spitze eines Eisbergs sind.

Das Enterovirus D68 wurde 1962 in Kalifornien erstmals isoliert. Seither wurde es nur selten beobachtet. Das US-National Enterovirus Surveillance System verzeichnete zwischen 2009 und 2013 gerade einmal 79 Fälle, was aber auch damit zusammen hängen könnte, dass nur wenige Labore regelmäßig auf Enterovirus D68 testen.

Für das Picornavirus Laboratory der US-Centers for Disease Control and Prevention (CDC) war es deshalb bemerkenswert, dass 19 von 22 Proben, die das Children's Mercy Hospital in Kansas City/Missouri eingesandt hatte, Gene des Erregers enthielten. Der Gennachweis mit der Polymerasekettenreaktion fiel auch bei 11 von 14 Proben positiv aus, die das Comer Children's Hospital in Chicago/Illinois dem Zentrallabor zugeschickt hatte.

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Grund für die Einsendungen waren ungewöhnlich heftig verlaufende Krankheitsverläufe bei Kindern, die mit Atemnot, Hypoxämie und  teilweise mit asthmaartigen Beschwerden von den Kliniken aufgenommen wurden. Die meisten Kinder hatten eine Asthma­erkrankung in der Vorgeschichte. Viele mussten auf Intensivstation behandelt und einige mussten auch beatmet werden. Trotz der schweren Erkrankung litten nur wenige Patienten unter Fieber, eine sonst bei Kindern häufige Begleiterkrankung von schweren Infektionen.

Die beiden Cluster in Kansas City und Chicago sind laut den CDC, die sich am Montag an die Presse wendeten, keine Einzelfälle. In gut einem Dutzend Staaten seien seit Ende August Häufungen von heftigen Atemwegserkrankungen bei Kindern gemeldet worden, verlautete Anne Schuchat, die Leiterin des National Center for Immunization and Respiratory Diseases der CDC. Erwachsene erkranken offenbar nicht (was ein Zeichen dafür ist, dass die Viren häufiger als angenommen in der Bevölkerung zirkulieren).

In Kansas City sollen 300 Kinder erkrankt sein, von denen 15 Prozent auf Intensivstation behandelt werden mussten. Vom Children’s Hospital in Aurora/Colorado wurden dem Vernehmen nach seit Ende August sogar 1400 Fälle gemeldet. Am Nationwide Children's Hospital in Columbus/Ohio sei es zu einem Anstieg der schweren respiratorischen Erkrankungen bei Kindern um 25 Prozent gekommen, heißt es.

Die CDC gehen davon aus, dass die Viren durch Husten, Niesen oder durch Berühren kontaminierter Oberflächen übertragen werden. Eine spezifische Therapie gibt es nicht. Ein Impfstoff steht nicht zur Verfügung. Die Behandlung erfolgt rein symptomatisch. In Deutschland ist das Enterovirus D68 offenbar unbekannt. Auf den Seiten des Nationalen Referenzzentrum für Poliomyelitis und Enteroviren findet sich kein Hinweis. Eine Publika­tion des Epidemiologischen Bulletin (2001; 2: 7-9) führt es nicht unter den 15 häufigsten Enterovirus-Serotypen der zurückliegenden Jahre. © rme/aerzteblatt.de

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