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Ärzte ohne Grenzen: Militärisches Schutzpersonal in Ebola-Gebieten kontraproduktiv

Dienstag, 9. September 2014

Um die Bevölkerung zu sensibilisieren, malen Männer in Liberia Erklärungen über die Krankeheit auf Wände /dpa

Freetown/Genf – Bei der Bekämpfung der Ebola-Epidemie in Westafrika wäre nach Auffassung des Infektionsforschers Maximilian Gertler von Ärzte ohne Grenzen militärisches Schutzpersonal kontraproduktiv. Zwar begrüßte der Experte die von US-Präsident Barack Obama angekündigte Errichtung weiterer Isolierstationen am Dienstag im ARD-Morgenmagazin.

Doch: „Gesundheitseinrichtungen militärisch zu schützen, da sehen wir überhaupt keinen Bedarf.“ Es sei zu befürchten, dass dies Ängste in der Bevölkerung schüren könnte. „Das muss man dringend verhindern“, sagte Gertler weiter. Nach den Worten von Barack Obama sind militärische Ausstattung und Personal notwendig, um etwa Isolierstationen und Geräte für Helfer einrichten zu können.

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Fast 2.300 Ebola-Tote
Die Zahl der registrierten Ebola-Toten in Westafrika ist inzwischen auf fast 2.300 gestiegen, teilte die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) heute in Genf mit. In Liberia, Guinea und Sierra Leone breite sich die Seuche weiter aus. Aus diesen drei Ländern seien seit dem 31. August rund 200 Tote gemeldet worden. Hinzu kommen 8 Todesfälle in Nigeria, das weniger stark betroffen ist. Insgesamt hätten sich in Westafrika mindes­tens 4.293 Menschen mit Ebola infiziert, rund die Hälfte davon in den vergangenen drei Wochen. Die WHO rechnet allerdings mit weit mehr Infektionen und Todesfällen, da es vor allem in abgelegenen Gebieten der betroffenen Länder eine hohe Dunkelziffer gebe.

Am stärksten betroffen ist Liberia, das mit 1.224 mehr als die Hälfte der registrierten Todesfälle verzeichnet. Die Zahl der gemeldeten Infizierten beträgt dort 2.046. „Tausende neue Fälle werden in den nächsten drei Wochen erwartet“, warnte die WHO am Montagabend in einem Bericht zur Lage in dem westafrikanischen Land. „Sobald eine neue Einrichtung zur Ebola-Behandlung eröffnet wurde, ist sie überfüllt mit Patienten.“

Weitere WHO-Mitarbeiter infiziert
Inzwischen wurde bekannt, dass ein weiterer westlicher Arzt im Dienst der WHO sich mit dem Ebola-Virus infiziert hat. Der neue Ansteckungsfall habe sich in einer Behand­lungsstation für Ebola-Patienten in der Ortschaft Kenema in Sierra Leone ereignet, teilte die WHO mit. Die Person werde zur Behandlung ins Ausland gebracht, hieß es am Dienstag. Einzelheiten nannte die WHO nicht - unklar blieb unter anderem, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt.

Im Emory University Hospital in Atlanta (US-Staat Georgia) wurden Vorbereitungen für die Behandlung eines weiteren an Ebola erkrankten Menschen getroffen, berichtete der Sender CNN. Nach Angaben des US-Außenministeriums handelt es sich um eine Person mit US-Staatsbürgerschaft, die sich in Sierra Leone infiziert hat. Sie solle auf einem Militärflughafen bei Atlanta landen, weil sie dort gut von der Bevölkerung isoliert werden könne, berichtete der Sender NBC. Zunächst blieb unklar, ob es sich um den WHO-Mitar­beiter handelte.

EU: Fünf Millionen Euro für den Kampf gegen Ebola
Die EU unterstützt die Afrikanische Union (AU) in ihrem Kampf gegen Ebola mit fünf Millionen Euro, teilte die EU in Brüssel mit. Das Geld soll einer neuen AU-Mission zur Eindämmung der Epidemie zugute kommen. Die Mission mit der Abkürzung ASEOWA soll mindestens hundert Mitarbeiter stark sein, ihr Hauptquartier in Liberia aufschlagen und sechs Monate dauern, teilte die Kommission mit. ASEOWA setze neben medizi­nischer Hilfe unter anderem auf die Beratung lokaler Behörden beim Kampf gegen die Seuche. © dpa/afp/aerzteblatt.de

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