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Medizin

AMD: Weltweit erste Studie mit iPS-Zellen in Japan vor dem Start

Donnerstag, 11. September 2014

Ansicht von undifferenzierten embryonalen Stammzellen (ES-Zellen) einer Maus /dpa

Kobe – Sieben Jahre nach der Entwicklung induzierter pluripotenter Stammzellen (iPS), für die Shinya Yamanaka vor zwei Jahren den Medizinnobelpreis erhielt, wurde in Japan die erste iPS-basierte klinische Studie genehmigt. Patienten, die an der exsudativen „feuchten“ Form der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) leiden, sollen Trans­­plantate aus retinalen Pigmentepithelien erhalten, die im Labor aus iPS hergestellt wurden.

Die Ophthalmologin Masayo Takahashi vom Forschungszentrum RIKEN in Kobe hatte ihr Projekt bereits im letzten Jahr auf einer Homepage des Forschungszentrums RIKEN in Kobe vorgestellt. Nach der Aufklärung und Registrierung wurde den Patienten eine Hautbiopsie entnommen, um daraus Fibroblasten zu isolieren. Die Fibroblasten wurden dann zunächst in iPS-Zellen verwandelt, in Kultur vermehrt und später in retinale Pigmentepithelien (RPE) differenziert.

Die RPE haben in der Netzhaut eine Stütz- und Ernährungsfunktion für die eigentlichen Sinneszellen. Takahashi erhofft sich von den Transplantaten eine Erholung der Seh­funktion, die bei der AMD allmählich verloren geht. Die Erkrankung ist in den Industrie­ländern die häufigste Ursache für Erblindungen nach dem 50. Lebensjahr.

Für die Bildung der iPS und die Differenzierung in RPE hatte die Forscherin einen Zeitraum von zehn Monaten veranschlagt. Wenn man den Presseberichten Glauben schenken darf, wurde diese Phase erfolgreich abgeschlossen. Takahashi bewarb sich jetzt vor einem Gremium des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums, dem einem Bericht in Nature zufolge auch Yamanaka angehörte, um die Genehmigung, die Zellen bei Patienten mit feuchter AMD anzuwenden. Offenbar mit Erfolg, denn die ersten Patienten sollen dem Vernehmen nach bereits in den nächsten Wochen behandelt werden.

Die klinische Anwendung von iPS ist umstritten. Befürchtet wird insbesondere, dass die Stammzellen zum Ausgangspunkt von Tumoren werden könnten. Diese Bedenken konnte Takahashi durch eine im Januar in PLoS ONE (2014; 9: e85336) publizierte Studie zerstreuen. Die Zellen zeigten weder in vitro noch nach der Implantation bei Mäusen eine vermehrte Neigung zu Tumorbildung.

Im Februar versicherte die Forscherin in Stem Cell Reports (2014; 2: 205-218), dass sie in der Lage sei, genügend RPE für die Transplantationen herzustellen. Die aus den iPS gebildeten Zellen unterschieden sich nicht von den natürlichen Zellen und zeigten in vitro keine Zeichen einer erhöhten Immunogenität. Die Augenärztin gab sich zuversichtlich, dass die Transplantation keine Immunreaktion auslösen wird, die im schlimmsten Fall zu einer rascheren Erblindung der Patienten führen könnte, als dies beim natürlichen Verlauf der AMD zu erwarten ist.

Die geplante Pilot-Studie soll jetzt zunächst prüfen, ob die Transplantate in den Augen der AMD-Patienten überleben und in die Netzhaut integriert werden. Bei den regel­mäßigen Nachuntersuchungen werden die Augenärzte jedoch auch auf eine Verän­derung der Sehstärke achten. Es ist vorgesehen, die Patienten insgesamt über drei Jahre nachzubeoachten, um ein etwaiges Tumorwachstum frühzeitig zu erkennen.

Für RIKEN ist die Studie ein Prestige-Objekt. Das Ansehen des Instituts und der japa­nischen Stammzellforschung hatte zuletzt unter der STAP-Zellen-Affäre gelitten. Die Stammzellforscherin Haruko Obokata hatte im Januar 2014 in Nature behauptet, Stammzellen in größerer Zahl durch unspezifische physikalisch-chemische Reize herstellen zu können.

Andere Forschern gelang es jedoch niemals, die STAP-Zellen („stimulus-triggered acquisition of pluripotency“) zu produzieren. Die Publikationen von Obokata wurden als Fälschung eingestuft und die Publikationen im Juli 2014 zurückgezogen. Der damit verbundene Gesichtsverlust verleitete im August einen Mitautor und Vorgesetzten von Obokata zum Suizid. © rme/aerzteblatt.de

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