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Forschungs­infrastrukturen müssen dringend erneuert und gefördert werden

Donnerstag, 11. September 2014

Göttingen – „Deutschland hat nicht nur marode Brücken und Autobahnen, sondern auch eine marode Forschungsinfrastruktur“, kritisierte Otto Rienhoff, Direktor des Instituts für Medizinische Informatik der Universitätsmedizin Göttingen, bei der  59. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS), die gestern in Göttingen zu Ende ging. Im Zentrum des Kongresses stand das Thema „Big Data“ im Hinblick auf die Frage, welche Chancen und Risiken mit einer zunehmend digitalisierten Medizin  verbunden sind.

Dass in der Medizin Dokumente, Daten, Bilder zusammengeführt, verarbeitet und dargestellt werden müssten, sei nicht neu, erklärte Paul Schmücker, GMDS-Präsident und Leiter des Instituts für Medizinische Informatik, Hochschule Mannheim. „Aber jetzt kommen die gewaltigen Massen an Daten. Das ist eine Riesenherausforderung. Dafür brauche ich die entsprechenden Infrastrukturen an den jeweiligen Forschungs­schwerpunkten.“

„Die Grundlagenforschung produziert Daten in großer Menge und in unterschiedlicher Art. Das sind nicht nur die Genomics-Daten, sondern auch Bilddaten etc. Alles, was ich messe, werde ich nicht in der Klinik verarbeiten können. Es muss eine Auswahl geben, und in diesem Prozess befinden wir uns. Wir müssen lernen, wie wir in der klinischen Forschung, in den statistischen Untersuchungen, in der Versorgungsforschung mit immer mehr Daten umgehen, ohne uns in diesen zu verlieren“, ergänzte Rienhoff.

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Ein leistungsfähiges Wissenschaftssystem setzt geeignete Forschungsinfrastrukturen voraus
Einig waren sich die Experten, dass für ein leistungsfähiges Wissenschaftssystem geeignete Forschungsinfrastrukturen eine zentrale Voraussetzung sind, denn „ohne Forschungsinfrastrukturen wird man eben auch nicht kompetitiv forschen können“, erklärte  Wilhelm Krull, Generalsekretär der VolkswagenStiftung, Hannover. Forschungsinfrastrukturen umfassen Krull zufolge insbesondere Instrumente und Großgeräte, die Informations- und Kommunikationsinfrastrukturen, Soft- und Hardware, aber auch die entsprechenden Gebäude, Labore und die Organisationsstrukturen.

Die Situation in Deutschland ist jedoch alarmierend, wie Krull an einem Beispiel demonstrierte: Die Humboldt-Universität in Berlin, eine Exzellenz-Universität, verfügt über eine Nutzfläche von rund 295.000 qm2, von denen zwölf Prozent der gesamten Fläche wegen notwendiger Sanierungsarbeiten nicht zur Verfügung stehen – der Instandsetzungsrückstand werde auf circa 440 Millionen Euro geschätzt, so Krull.

Schwindende Kernbudgets lassen keine strategischen Entscheidungen
mehr zu

An den deutschen Universitäten seien seit den 90er Jahren die Kernhaushaltsmittel deutlich zurückgegangen. „Überall wurde eine Politik verfolgt, mehr Geld wettbewerblich zu vergeben. Das hat aber dazu geführt, dass in den Hochschulen selbst für strategische Entscheidungen in den Kernbudgets so gut wie keine Dispositionsmöglichkeiten mehr gegeben sind, vor allem wenn man die gestiegenen Energiekosten und Ähnliches noch hinzunimmt“, erläuterte Krull.

Mit der Exzellenzinitiative sollte die Wissenschaft in Deutschland vor allem mit Blick auf die internationale Sichtbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit in den forschungsintensiven Universitäten gestärkt werden. Die Landkarte für die Initiative zeige aber eine große Konzentration im Süden. Wie nachhaltig das gewirkt habe, sei derzeit aber noch unklar. Auch stehe in den Sternen, wie eine dritte Runde der Exzellenzinitiative tatsächlich aussehen soll.

Internationale Wettbewerbsfähigkeit in Gefahr
„Wenn wir an den infrastrukturellen Voraussetzungen nicht wirklich etwas tun in den kommenden zwei, drei Jahren, werden sich die internationalen Gutachter schwer tun, die deutschen Universitäten in ihren Voraussetzungen als international wettbewerbsfähig zu sehen“, mahnte der Experte.

Sein Fazit: Intakte Infrastrukturen müssten auf die Agenda sowohl in jeder Landespolitik als auch in der Bundespolitik, aber letztlich auch in jeder Hochschule. „Denn wenn nicht aus den Hochschulen hinaus klare Forderungen und Prioritäten artikuliert werden, wird es schwierig, hier voranzukommen.“ Auch gelte es, die Zivilgesellschaft stärker mit einzubinden und zum Verbündeten zu machen. Ein Beispiel hierfür seien Plattformen zum Crowdfunding. © KBr/aerzteblatt.de

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