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Medizin

Antidepressiva: EMA fordert Altersgrenze für Agomelatin

Freitag, 12. September 2014

London – Das Antidepressivum Agomelatin soll künftig nicht mehr an Patienten über 75 Jahre verschrieben werden. Dies fordert das Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) nach Abschluss einer Nutzen-Risiko-Bewertung, die durch Fallberichte mit Leberschäden veranlasst wurde.

Im Oktober letzten Jahres hatte der Hersteller mitgeteilt, dass ihm seit der Markt­einführung von Valdoxan im Jahr 2009 mehrere schwerwiegende Fälle von Hepato­toxizität nach Behandlungen mit Agomelatin mitgeteilt wurden, darunter sechs Fälle einer „Leberinsuffizienz“.

Die verschreibenden Ärzte wurden damals aufgefordert, zu Beginn der Behandlung Leberfunktionstests durchzuführen. Diese Untersuchungen sollten nach etwa drei und sechs Wochen (Ende der Akutphase) sowie nach zwölf und 24 Wochen (Ende der Erhaltungsphase) und danach weiterhin regelmäßig wiederholt werden. Nach einer Dosissteigerung sind erneut Leberfunktionstests erforderlich.

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Bei einem Anstieg der Transaminasen auf das Dreifache der Norm oder bei Auftreten anderer typischer Anzeichen einer Leberschädigung muss Agomelatin abgesetzt werden, um die Ursache zu klären. Besondere Vorsicht ist auch geboten bei Patienten mit bereits vorbestehenden Risikofaktoren für eine Leberschädigung oder bereits vor Behandlungs­beginn erhöhten Transaminasewerten.

Das PRAC hat diese Empfehlungen jetzt im Wesentlichen übernommen. Darüber hinaus fordert das Gremium, auf die Verordnung von Valdoxan bei Patienten im Alter von 75 Jahren oder darüber zu verzichten, da für diese Altersgruppe keine ausreichenden Wirkungsbelege vorliegen. Die Hersteller haben jetzt einen Monat Zeit, auf die Empfehlungen zu reagieren. Danach müssen sie in die Fachinformationen aufgenommen werden. Außerdem soll es eine schriftliche Information an die Verordner geben.

Agomelatin unterschiedet sich vom Wirkungsmechanismus anderer Antidepressiva, die auf der Ebene der Neurotransmitter (Serotonin) angreifen. Agomelatin ahmt die Wirkung des Epiphysenhormons Melatonin nach, das im Gehirn den Tag-Nacht-Rhythmus steuert. Agomelatin ist eine synthetische Variante des Hormons, bei dem lediglich der Indolring durch ein Naphthalen-Grundgerüst ersetzt wurde, um die Halbwertzeit zu verlängern. © rme/aerzteblatt.de

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