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Medizin

Typ 2-Diabetes: Meta-Analyse sieht Vorteile von GLP-1-Agonist plus Basalinsulin

Freitag, 12. September 2014

dpa

Toronto – Die Kombination eines GLP-1-Agonisten mit einem Basalinsulin kann bei Patienten mit fortgeschrittenem Typ 2-Diabetes den Blutzucker deutlich senken, ohne das Hypoglykämie-Risiko zu erhöhen. Eine gewisse Gewichtsabnahme ist laut einer Meta-Analyse im Lancet (2014; doi: 10.1016/S0140-6736(14)61335-0) ein weiterer erwünschter Nebeneffekt.

Da die Insulinresistenz bei den meisten Typ 2-Diabetikern mit der Zeit zunimmt, benö­tigen die Patienten immer höhere Insulindosen. Damit steigt das Risiko von Hypo­glykämien. Ein weiterer Begleiteffekt ist eine Gewichtszunahme, die vor dem Hintergrund einer Adipositas bei vielen Patienten unerwünscht ist und wahrscheinlich die kardiovas­kulären Risiken erhöht.

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Eine Insulin-sparende Lösung könnte die Kombination von Basalinsulin mit einem GLP-1-Agonisten sein. Exenatid und Liraglutid unterstützen die Wirkung von Insulin. Da sie die körpereigene Insulinsekretion nur bei erhöhtem Blutzucker stimulieren und ein Glukagon­anstieg ausbleibt, ist das Hypoglykämie-Risiko geringer als bei einer Basis-Bolus-Therapie mit Insulin, auf die heute viele Typ 2-Diabetiker im fortgeschrittenen Stadium wechseln. Da die GLP-1-Agonisten die Magenentleerung hemmen, nehmen die Patienten ab.

Obwohl Exenatid seit 2007 und Liraglutid seit 2009 zugelassen sind, gibt es relativ wenige Daten zum kombinierten Einsatz von Basis-Insulin plus GLP-1-Agonisten. Ravi Retnakaran vom Mount Sinai Hospital in Toronto konnte immerhin 15 randomisierte Studien mit mehr als 4.300 Teilnehmern in seine Meta-Analysen einfließen lassen.

Seine Ergebnisse stellen der Kombination ein gutes Zeugnis aus. Im Vergleich zu anderen antidiabetischen Medikamenten erreichten die Patienten unter der Kombination aus Basis-Insulin plus GLP-1-Agonisten zu 92 Prozent häufiger einen HbA1c-Wert von 7 Prozent oder weniger (relatives Risiko 1,92 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,43-2,56), ohne dass dies mit einem Anstieg der Hypoglykämie-Ereignisse verbunden war (relatives Risiko 0,99; 0,76-1,29). Außerdem wogen die Patienten unter der Kombination am Ende 3,2 kg (4,90-1,54 kg) weniger als unter anderen Medikamenten.

Die blutzuckersenkende Wirkung war mit der einer Basis-Bolus-Therapie vergleichbar (HbA1c -0,1 Prozent; -0,17 bis -0,02), wobei es auch hier unter der Kombination aus Basisinsulin und GLP-1-Agonisten zu 33 Prozent seltener zu Hypoglykämien kam (relatives Risiko 0,67; 0,56-0,80). Der Gewichtsunterschied zur „Insulinmast“ betrug 5,66 kg (9,8 bis 1,51 kg).

Die potenziellen Vorteile der Kombination sind auch den Herstellern bekannt. NovoNordisk testet derzeit eine fixe Kombination aus dem ultralang wirksamen Insulinanalogon Insulin degludec und Liraglutid. Die kürzlich vorgestellten Ergebnisse der DUAL 1-Studie (Lancet Diabetes & Endocrinology 2014
doi: 10.1016/S2213-8587(14)70174-3) und der DUAL 2-Studie (Diabetes Care (2014; doi: 10.2337/dc14-0785) haben die Fachwelt durch eine deutliche blutzuckersenkende Wirkung bei verminderter Hypoglykämie-Neigung beeindruckt.

Der Hersteller hat bereits bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur die Zulassung beantragt. Allerdings ist ein weiterer Kostenschub zu erwarten. Die beiden Komponenten gehören als Monopräparate zu den teuersten Diabetesmedikamenten, und dass die Kombination beider Wirkstoffe in einer Spritze Kosten spart, ist nicht unbedingt zu erwarten. Die Patienten dürften die Vereinfachung der Therapie mit weniger Injektionen jedoch begrüßen. © rme/aerzteblatt.de

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