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Medizin

USA: Mehr Gesundheits­beschwerden in Fracking-Gegenden

Montag, 15. September 2014

Fracking in Pennsylvania /dpa

New Haven – Die Wohnortnähe zu Anlagen, in denen Erdgas mittels Fracking gefördert wird, war in einer US-Umfrage in Environmental Health Perspectives (2014; doi: 10.1289/ehp.1307732) mit einer erhöhten Rate von Hautproblemen und Atemwegssymptomen verbunden.

Beim „hydraulic fracturing“ wird unter hohem Druck Wasser in ein System von vertikalen und horizontalen Bohrlöchern gepumpt. Das Ziel besteht darin, Risse im Gestein zu erzeugen, aus denen dann das Erdgas zur Förderung entweicht. Damit das Fracking funktioniert, müssen dem Bohrwasser eine Reihe von Chemikalien zugesetzt werden.

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Ein Teil gelangt mit dem Rückfluss des Wassers wieder an die Oberfläche, das dann auch gelöste Substanzen aus dem Erdreich enthält, die unter Umständen toxisch sind oder radioaktive Stoffe enthalten. Andere Chemikalien bleiben im Erdreich oder gelangen, so jedenfalls die Befürchtung der Umweltschützer, ins Grundwasser oder in Bodennähe. Dies gilt auch für Teile des Erdgases, das Trinkwasser zu einer entflamm­baren Flüssigkeit machen kann.

Im Washington County in Pennsylvania wird derzeit an 624 Orten aktiv Erdgas gefördert, in 95 Prozent der Bohrstellen wird derzeit Fracking eingesetzt. Um erste Hinweise auf mögliche gesundheitliche Folgen für die Bevölkerung zu ermitteln, hat ein Team um Meredith Stowe von der Yale School of Public Health in New Haven/Connecticut Fragebögen an 255 Haushalte geschickt, von denen 180 beantwortet wurden. Sie enthalten Angaben zu den Gesundheitsbeschwerden von 492 Personen, die laut Stowe nicht wussten, aus welchem Anlass sie befragt wurden.

Ergebnis: Einwohner, die weniger als einen Kilometer von der nächsten aktiven Bohrstelle entfernt wohnten, gaben häufiger Hautprobleme an als entfernter lebende Einwohner (13 versus 3 Prozent). Auch obere Atemwegsbeschwerden waren mit 39 versus 18 Prozent häufiger. Stowe ermittelt eine adjustierte Odds Ratio von 4,13 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,38-12,3) für Hautprobleme und von 3,10 (1,45-6,65) für obere Atemwegsbeschwerden. Gastrointestinale, kardiovaskuläre oder neurologische Beschwerden traten in der Nähe der aktiven Bohrungen (noch?) nicht vermehrt auf.

Stowe betont zwar, dass das Ziel der Umfrage die Entwicklung von Arbeitshypothesen gewesen sei, eine Kausalität lasse sich aus der Untersuchung aus methodischen Gründen nicht ableiten. Die Zunahme der Beschwerden ausgerechnet auf der Haut und in den oberen Atemwegen bewertet die Forscherin als einen ernsthaften Hinweis für einen Zusammenhang, dem in weiteren Studien nachgegangen werden sollte.

© rme/aerzteblatt.de

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