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Medizin

Darmflora beeinflusst Wirkung der Grippeimpfung

Freitag, 12. September 2014

dpa

Atlanta – Eine gute Wirkung der Grippeimpfung setzt möglicherweise eine gesunde Darmflora voraus. Darauf deuten tierexperimentelle Studien in Immunity (2014; doi: 10.1016/j.immuni.2014.08.009) hin. Das Ziel einer Impfung ist die Bildung von Antikörpern, die den Impfling bei einem späteren Kontakt mit dem Erreger vor einer Erkrankung schützen sollen.

Antikörper gehören zum erworbenen Immunsystem, das allerdings nicht isoliert agiert. Es besteht eine Zusammenarbeit mit dem angeborenen Immunsystem, das Krankheits­erreger unter anderem über Toll-ähnliche Rezeptoren (TLR) erkennt. Das Immunsystem verfügt über ein Arsenal verschiedener TLR, die als „Pattern-Recognition Receptor“ jeweils bestimmte Bestandteile von Bakterien erkennen. Der TLR 5 beispielsweise ist auf Flagellin spezialisiert, aus dem die Geißeln bestimmter Bakterien bestehen.

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Das Team um Bali Pulendran von der Emory University in Atlanta hat nun herausge­funden, dass Mäuse, denen das Gen für TLR 5 fehlt, nicht nur eine Immunschwäche gegenüber begeißelten Bakterien haben. Sie zeigten in den Experimenten auch eine verminderte Antikörperantwort auf eine Grippeimpfung.

Mehr noch: Der Erfolg der Grippe-Impfung könnte davon abhängen, dass das ange­borene Immunsystem das TLR 5 nicht nur besitzt, sondern auch anwendet. Dies ist nur der Fall, wenn es regelmäßig auf begeißelte Bakterien trifft, zu denen unter anderem Escherichia coli gehört, bekanntlich ein Bestandteil der Darmflora von Säugetieren wie Maus oder Mensch.

Bei Mäusen, die keimfrei aufgezogen wurden oder bei denen die Darmbakterien durch Antibiotika beseitigt wurden, zeigten nach einer Grippe-Impfung eine verminderte Wirkung. Die Wirkung konnte wieder hergestellt werden, wenn der Darm der Mäuse mit begeißelten Coli-Bakterien besiedelt wurde. Die Wiederbesiedlung mit nicht begeißelten Bakterien stellte die Empfänglichkeit für eine Impfung dagegen nicht wieder her.

Wie immer bei tierexperimentellen Studien lassen sich die Ergebnisse nicht eins zu eins auf den Menschen übertragen. Es könnte aber sein, dass eine Behandlung mit bestimmten Antibiotika einen Impferfolg infrage stellt. Dies dürfte jetzt Gegenstand weiterer Studien sein. © rme/aerzteblatt.de

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