NewsPolitikEthikrat: Offene Fragen in der Stammzellforschung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Ethikrat: Offene Fragen in der Stammzellforschung

Montag, 15. September 2014

Berlin – Der Deutsche Ethikrat sieht Klärungsbedarf hinsichtlich künstlich erzeugter Keimzellen und Embryonen. Die jüngsten Entwicklungen der Forschung hätten weit­reichende ethische und rechtliche Fragen insbesondere im Zusammenhang mit zwei möglichen Anwendungsbereichen neuer Stammzelltechniken ergeben, so der Rat.

Der erste Bereich betrifft das Klonen von Menschen mittels Zellkerntransfer oder unter Verwendung von induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen). Dem Ethikrat zufolge erhöht sich in Anbetracht aktueller Forschungsergebnisse die Wahr­schein­lichkeit, dass auch das Klonen von Menschen zu Fortpflanzungszwecken künftig zumin­dest technisch möglich wird. Der zweite Bereich betrifft die Verwendung von Keimzellen, die aus iPS-Zellen gewonnen wurden.

Dem Ethikrat zufolge ist es nicht auszuschließen, dass künftig versucht wird, diese Technik auch beim Menschen zu Fortpflanzungszwecken einzusetzen, und zwar auch in Konstellationen, bei denen auf natürlichem Wege keine Fortpflanzung möglich ist. So könnten gleichgeschlechtliche Paare versuchen, mit beiden Elternteilen genetisch verwandte Kinder zu erzeugen. Denkbar wäre sogar die Vereinigung künstlich herge­stellter männlicher und weiblicher Keimzellen von ein und demselben Individuum.

Anzeige

Der Ethikrat fordert in diesem Zusammenhang zunächst präzisere und vereinheitlichte Legaldefinitionen für die einschlägigen Gesetze, insbesondere für die Begriffe Embryo und Totipotenz. Er empfiehlt des Weiteren, die aus den neuen technischen Möglichkeiten zur Keimzellgewinnung resultierenden ethischen Fragen zu erörtern.

Der Ethikrat hegt nicht nur Bedenken bezüglich der medizinischen Sicherheit und mög­licher Auswirkungen auf die Nachkommen, sondern fordert eine öffentliche Diskussion zum Verhältnis der Generationen zueinander sowie zur Bedeutung von Natürlichkeit und Künstlichkeit am Anfang des menschlichen Lebens. Dabei sei auch zu klären, was es bedeutet, wenn im Rahmen der Fortpflanzung sowohl der Modus der Verschie­den­geschlechtlichkeit als auch die Abstammung von zwei Personen aufgegeben würde.

Zugleich hat der Deutsche Ethikrat die Bedeutung des Verbots des reproduktiven Klonens von Menschen bekräftigt und empfohlen, dass Deutschland auf ein interna­tionales Verbot des Klonens zu Fortpflanzungszwecken hinwirkt. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

30. Oktober 2018
Bethesda/Maryland – Das US-amerikanische National Heart, Lung, and Blood Institute hat eine zentrale Studie zur Stammzelltherapie der ischämischen Kardiomyopathie vorübergehend gestoppt. Hintergrund
Stammzellstudie zur Behandlung der ischämischen Kardiomyopathie gestoppt
28. September 2018
New York – Eine autologe Stuhltransplantation kann die schwere Störung der Darmflora, zu der es nach einer hämatopoetischen Stammzelltherapie infolge der notwendigen Antibiotikabehandlung kommt, rasch
Autologe Stuhltransplantation beschleunigt Erholung der Darmflora nach Stammzelltherapie
21. September 2018
Cincinnati/Ohio – US-Forschern ist es gelungen, das Gewebe einer Speiseröhre im Labor zu züchten. Das Ziel ist allerdings nicht die Bereitstellung von Transplantaten. Die in Cell Stem Cell
Speiseröhre im Labor gezüchtet
17. September 2018
St. Louis – Ob eine allogene Stammzelltransplantation ein myelodysplastisches Syndrom (MDS) zur Ausheilung gebracht hat, könnte durch die Sequenzierung bestimmter Gene in Knochenmarkzellen frühzeitig
Myelodysplastisches Syndrom: Genetischer Fingerabdruck sagt Rezidiv nach Stammzelltherapie voraus
10. September 2018
Düsseldorf – Das Kompetenznetzwerk Stammzellforschung Nordrhein Westfalen (NRW) soll ab 2019 eine dauerhafte Landesförderung erhalten – vorbehaltlich der Entscheidung des Landtags über den Haushalt.
Kompetenznetzwerk Stammzellforschung soll dauerhaft gefördert werden
31. Juli 2018
Mannheim – Am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim hat das Hector Institute for Translational Brain Research (HITBR) seine Arbeit aufgenommen. Wissenschaftler wollen dort über die
Institut für Stammzellforschung in der Psychiatrie nimmt Arbeit auf
18. Juli 2018
Köln – Ob Patienten mit einem aggressiven B-Zell- oder T-Zell-Lymphom von der allogenen Stammzelltransplantation profitieren, ist unklar. Das geht aus einem jetzt veröffentlichten Vorbericht des
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

Anzeige
NEWSLETTER