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Medizin

Prostatakrebs: Früher Haarverlust zeigt Risiko an

Dienstag, 16. September 2014

dpa

Bethesda – Tiefe Geheimratsecken und lichte Stellen am oberen Hinterkopf, typische Zeichen der androgenetischen Alopezie, gehen mit einer erhöhte Rate von aggressiven Prostatakarzinomen einher, wenn sie vor dem 45. Lebensjahr auftreten. Dies geht aus einer Untersuchung des National Cancer Institute im Journal of Clinical Oncology (2014; doi: 10.1200/JCO.2014.55.4279) hervor.

Die androgenetische Alopezie ist häufig Folge einer vermehrten Produktion von Testosteron. Das Hormon ist gleichzeitig ein bekannter Wachstumsfaktor für das Prostatakarzinom. Der Epidemiologe Michael Cook vom US-National Cancer Institute in Bethesda hat deshalb untersucht, ob der Rückgang des Haaransatzes ein Marker für das Prostatakarzinom ist.

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Dazu wertet er die Daten der Prostate, Lung, Colorectal and Ovarian Cancer Screening Trial oder PLCO-Studie aus. An der prospektiven Studie zur Krebsfrüherkennung hatten 39.070 Männer teilgenommen, die zu Beginn der Studie in einem Fragebogen Angaben zu ihrem Haarausfall gemacht hatten. Während einer Nachbeobachtungszeit von 2,78 Jahren waren durch das Screening 1138 Prostatakrebserkrankungen diagnostiziert worden. Aufgrund der Biopsie wurden 572 als aggressiv eingestuft (Gleason-Score 7 oder höher, Stadium III oder höher und/oder Todesfälle).

Für die Gesamtzahl der Prostatakarzinome fand Cook keine Assoziation mit der andro­genetischen Alopezie. Männer mit einem Haarverlust im Frontalbereich und am Vertex erkrankten jedoch zu 39 Prozent häufiger an einem aggressiven Prostatakrebs. Cook ermittelte eine Hazard Ratio von 1,39, die bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,07 bis 1,80 statistisch signifikant ausfiel.

Die Ergebnisse passen gut zu den pathophysiologischen Konzepten, die in einem hohen Testosteronspiegel nicht unbedingt eine Ursache des Prostatakarzinoms sehen, wohl aber einen Faktor, der das Wachstum beschleunigen kann. Der Androgen-Entzug ist seit langem Bestandteil der Therapie beim fortgeschrittenen Prostatakarzinom.

Die Forscher führen derzeit zwei weitere Studien durch, die den Zusammenhang zwischen androgenetischer Alopezie und dem Erkrankungsrisiko näher untersuchen sollen. In einer Studie werden die Teilnehmer vor Beginn der Untersuchung dermatologisch untersucht, was verlässlichere Diagnosen ergibt als eine Selbsteinschätzung in einem Fragebogen. © rme/aerzteblatt.de

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