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Medizin

Zervix­karzinom-Screening: Urintest statt Abstrich?

Mittwoch, 17. September 2014

HPV-Viren dpa

Madrid – Die humanen Papillomaviren (HPV), die Verursacher des Zervixkarzinoms sind, werden bei einer chronischen Infektion auch über die Nieren ausgeschieden. Ein Nachweistest im Urin könnte nach den Ergebnissen einer Meta-Analyse im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2014; 349: g5264) eine Alternative zur Abstrich-Untersuchung sein.

Die Entnahme eines Abstrichs zur zytologischen Untersuchung nach Papanicolaou oder zum Nachweis von HPV ist zwar harmlos. Die notwendige gynäkologische Untersuchung ist für viele jüngere Frauen jedoch ein Grund, dem Screening fern zu bleiben. In Großbri­tannien ist die Teilnahmerate in der Altersgruppe der 25- bis 30-jährigen auf unter 80 Prozent abgefallen.

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Die Abgabe einer Urinprobe würden viele Frauen möglicherweise eher akzeptieren, argumentiert ein Team um Javier Zamora vom Forschungsinstitut CIBERESP in Madrid, das die bisherigen Studien zum Vergleich der Zytologie mit einem Nachweis von HPV im Urin untersucht hat.

Da eine aktive HPV-Infektion mit der Ausscheidung der Viren im Urin einhergeht, können deren Gene dort mit der Polymerase-Kettenreaktion aufgespürt werden. Nach der Meta-Analyse von 14 Studien mit 1.443 sexuell aktiven Frauen erreicht der Harntest eine Sensitivität von 87 Prozent (95-Prozent-Konfidenzintervall 78 bis 92 Prozent) und eine Spezifität von 94 Prozent.

Die Hoch-Risiko-Varianten wurden mit einer Sensitivität von 77 Prozent (68-84 Prozent) und einer Spezifität von 88 Prozent (58-97 Prozent) nachgewiesen. Für die beiden von der Impfung erfassten HPV-Typen 16 und 18 betrug die Sensitivität 73 Prozent (56-86 Prozent) und die Spezifität 98 Prozent (91-100 Prozent).

Diese Zahlen geben allerdings nur ein ungefähres Bild von der Zuverlässigkeit des Screenings, da die Qualität der Studien sehr stark schwankte, wie Zamora eingesteht. Außerdem fehlt der Nachweis, dass der Urintest (und die im Fall eines positiven Ergeb­nisses durchgeführten Therapien) tatsächlich die Rate der Krebserkrankungen oder seiner Vorstufen (CIN) vorbeugen könnte.

Zamora vertritt allerdings die Ansicht, dass eine Verkürzung der Screening-Intervalle die Häufigkeit von falsch-negativen Ergebnissen – bei denen eine Infektion übersehen und ein Krebs möglicherweise zu spät diagnostiziert würde – senken könnte. Das Screening könnte zudem mit der Früherkennung von Chlamydia trachomatis und Neisseria gonorrhoea kombiniert werden.

Für diese beiden sexuell übertragbaren Erkrankungen stehen bereits Urintests zur Verfügung. Für den Editorialisten Henry Kitchener vom St. Mary’s Hospital in Manchester ist der Urintest auf HPV eine vielversprechende Option, die allerdings vor einer Empfehlung noch in weiteren Studien evaluiert werden solle. © rme/aerzteblatt.de

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