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Ärzteschaft

Allgemeinmediziner werben für ein „cooles“ Fach

Donnerstag, 18. September 2014

Hamburg – Nur wenn genügend junge Ärztinnen und Ärzte motiviert werden, die haus­ärztliche Versorgung der Bevölkerung zu übernehmen, können die Herausfor­derungen des demografischen Wandels gemeistert werden. Deshalb widmet sich der 48. Kongress für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, der heute in Hamburg begonnen hat, unter anderem dem Image des eigenen Fachs: Bis Samstag wollen Veranstalter und Besucher ausloten, was die Allgemeinmedizin für junge Ärztinnen und Ärzte zu einem „coolen“ Fach macht und welche Attraktivität vom Berufsbild „Spezialist für den ganzen Menschen“ ausgehen kann.

„Unser ärztlicher Nachwuchs nimmt sehr aufmerksam die Entwicklung zu mehr Subspe­zia­lisierung und auch die daraus zum Teil entstehende Problematik, etwa im oft unerfreulichen Klinikalltag wahr“, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) zu Kongressbeginn. Das Interesse am Fach Allgemeinmedizin entwickle sich positiv, befand Ferdinand Gerlach: „Die Wert­schätzung von Generalisten, den Zehnkämpfern in der Medizin, steigt.“

Er verwies auf Umfrageergebnisse von Medizinstudierenden, die die Kassenärztliche Bundesvereinigung unlängst vorgestellt hat. Danach ist die Allgemeinmedizin zwar nur für zehn Prozent der Befragten das bevorzugte Fach für die Weiterbildung. Doch rund 80 Prozent würden diese Option andererseits für sich nicht ausschließen wollen.

„Das ist eine relevante Position, die wir ausbauen müssen“, urteilte der DEGAM-Präsident. Er forderte erneut, ein Pflichtquartal für Medizinstudierende im Praktischen Jahr einzuführen. Würde man die Anstrengungen im Bereich der Aus- und Weiterbildung Allgemeinmedizin forcieren, könnte man seiner Meinung nach bereits in fünf Jahren Verbesserungen im Hinblick auf die Nachwuchssituation verzeichnen. Es gelte, so Gerlach, was er bereits früher klargestellt habe: „Abwarten ist keine Option.“

Man hat Kontakt zu allen Fachrichtungen
Was die Allgemeinmedizin für sie persönlich zu einem „coolen“ Fach macht, beschrieb Rebekka Deißer, die demnächst eine Weiterbildung zur Hausärztin beginnen wird. Dass eine Tätigkeit als Allgemeinmedizinerin ein sehr komplexes Wissen voraussetze und man Kontakt zu allen Fachrichtungen haben könne, „macht es für mich sehr anspruchsvoll“, sagte Deißer.

Ihr gefällt die Aussicht, später die unterschiedlichsten Patienten zu behandeln, aber auch, innerhalb des gewählten Fachs noch eigene Schwerpunkte setzen zu können. Dass der Nachwuchsmangel eine große Auswahl bei der Berufsausübungsform ermöglicht und man sich sowohl für eine Einzelpraxis wie für eine Kooperation mit Kollegen oder eine Anstellung im Medizinischen Versorgungszentrum entscheiden kann, ist für Deißer ebenfalls ein Plus. „Und auch die gute Vergütung“ sei ein Argument, ergänzte sie.

„Geld verdienen kann man als Hausarzt genug“
Diesen Punkt griff Antje Bergmann auf, Sprecherin der Sektion Studium und Hochschule der DEGAM. Die Medizinstudierenden unterschätzen ihrer Erfahrung nach regelmäßig die Verdienstmöglichkeiten eines Hausarztes. „Geld verdienen kann man als Hausarzt genug“, befand Bergmann, die in einer hausärztlichen Gemeinschaftspraxis in Dresden praktiziert und dort auch auf einen Lehrstuhl berufen wurde. Hausärztin zu sein, sei für sie erfüllend, weil sie ihren Wunschberuf, eine akademische Karriere und eine Familie mit drei Kindern verbinden könne, sagte Bergmann. Dies sei so nicht in allen Fachrichtungen möglich.

Kongresspräsident Martin Scherer zeigte sich erfreut über das große Interesse an der Veranstaltung. Mehr als 700 Besucher haben sich angemeldet, darunter rund 100 Medizinstudierende. Es sei wichtig, die Allgemeinmedizin als Fach auf dem Campus sichtbar zu machen, betonte Scherer, und der Ausstrahlung der anderen Fächer etwas entgegenzusetzen. Diese hätten eben „tolle Instrumente, tolle Maschinen, tolle Operationen“ zu bieten. „Es ging mir ja als Student erst einmal nicht anders, als dass man von der High-tech-Medizin angefixt wird“, erinnerte sich der Hamburger Lehrstuhlinhaber. Der Reiz der Allgemeinmedizin liegt für ihn in der Abwechslung, in der Problemlösung mit oft einfachen Mitteln, aber auch darin, dass sich Modernität und Innovation im Intellektuellen zeigen.

Auf die Fortschritte im Hinblick auf die Sichtbarkeit des Fachs wies auch DEGAM-Präsident Gerlach hin: 25 von 36 Medizinischen Fakultäten verfügen mittlerweile über Lehrstühle für Allgemeinmedizin, an den anderen laufen Ausschreibungen und Besetzungen. © Rie/aerzteblatt.de

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