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Ausland

Ärzte ohne Grenzen: Ebola-Hilfe der Bundesregierung unzureichend

Donnerstag, 18. September 2014

Berlin – Die Bundesregierung tut nach Ansicht der Organisation Ärzte ohne Grenzen nicht genug zur Bekämpfung der Ebola-Seuche in Westafrika. „Ich bin mir nicht sicher, dass man sich hier in Berlin des Ausmaßes dieser Krise wirklich bewusstgeworden ist“, sagte Geschäftsführer Florian Westphal heute im Deutschlandradio Kultur. Bundes­kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte gestern zusätzliche Ebola-Hilfe in Form von Lufttransporten versprochen.

Inwieweit die Bundeswehr eingesetzt wird, ist bislang offen. Im betroffenen Sierra Leone gilt von Freitag bis Sonntag die bereits angekündigte landesweite Ausgangssperre. Das Auswärtige Amt (AA) stockte heute zumindest finanziell auf: Es stellte weitere fünf Millionen Euro zur Bekämpfung der Ebola-Epidemie bereit - die Finanzhilfen der Bundesregierung steigen damit auf 17 Millionen Euro. Es sei die Verantwortung Deutschlands, gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft umfassende Hilfe zu leisten, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Berlin.

Angehörige der Hilfsorganisationen mit ihren Kräften am Ende
Ärzte ohne Grenzen kritisiert aber gerade die bislang ausbleibende Hilfe direkt in Westafrika. „Die Verzweiflung nimmt jeden Tag zu. Wir schaffen das nicht mehr allein“, sagte Vorstandsvorsitzender Tankred Stöbe dem Radiosender Bayern 2. Die Hilfskräfte, die vor allem in den Ebola-Krisenländern Guinea, Liberia und Sierra Leone eingesetzt werden, seien mit ihren Kräften am Ende. Der Einsatz von militärischen Anti-Seuchen-Einheiten würde helfen.

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Auch das EU-Parlament forderte heute dazu auf, den internationalen Kampf gegen das Virus mit Luftbrücken und militärischen Mitteln zu verstärken. Der UN-Sicherheitsrat solle mit den USA einen Einsatz prüfen. Die USA hatten bereits angekündigt, rund 3.000 Soldaten in das Krisengebiet zu schicken.

Zeitung: Bundeswehreinsatz in der Diskussion
Morgen wollen die Staatssekretäre der befassten Bundesressorts im Auswärtigen Amt zusammenkommen, um alle weiteren Schritte der Bundesregierung im Kampf gegen Ebola abzustimmen. Neben dem AA sind auch das Gesundheits-, Verteidigungs- und Entwicklungsministerium in die Planungen einbezogen. Die Bild-Zeitung vom Freitag berichtete, dabei solle auch überlegt werden, wie die Bundeswehr eingesetzt werden könne.

Die Zahl der Patienten und Toten steigt weiter. Nach neuen Daten der Weltgesund­heitsorganisation (WHO) waren bis 14. September in Liberia, Sierra Leone, Guinea, Nigeria und dem Senegal 5.357 Patienten registriert, 2.630 davon sind gestorben. Unter den Erkrankten sind auch 318 Ärzte und andere Helfer - 151 von ihnen starben.

Ausgangssperre in Sierra Leone
Während der Ausgangssperre in Sierra Leone sollen Gesundheitsarbeiter des Landes von Haus zu Haus gehen, die Bevölkerung über das Virus aufklären und mögliche Ebola-Kranke ausfindig machen. Die Aktion ist aber umstritten: Experten monieren, dass es viel Erfahrung brauche, um bei einem solchen Tür-zu-Tür-Screening Menschen mit Sympto­men auszumachen. Darüber hinaus stünden nicht genug Ebola-Zentren für neue Patienten zur Verfügung.

Der Chef der Notfallbehörde (EOC) Sierra Leones, Steven Gaojia, erklärte, dass es noch Zeit brauche, um die Seuche zu besiegen. „Die Situation wird sich wahrscheinlich noch verschlechtern, bevor sie besser wird. Die dreitägige Ausgangssperre ist deshalb als rein psychologische und erzieherische Maßnahme gedacht.“

Zudem droht dem Land Experten zufolge nun auch noch eine Hungersnot. Eine Studie der Welthungerhilfe zeige, dass sich die Folgen der Ebola-Epidemie in Sierra Leone weit dramatischer auswirken könnten als die Krankheit selbst. „Ab März rechnen wir hier mit gravierendem Hunger“, warnte Landeskoordinator Jochen Moninger. Grund für die prekäre humanitäre Lage sei unter anderem ein rasanter Anstieg der Lebensmittelpreise im ländlichen Raum, auch weil Transporte nur noch tagsüber zu bestimmten Zeiten erlaubt seien.

© dpa/aerzteblatt.de

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