Politik

Experten und Verbände mahnen Umdenken im Umgang mit Alzheimer an

Freitag, 19. September 2014

Berlin/Düsseldorf – Anlässlich des Welt-Alzheimertages am 21.September haben zahlreiche Fachgesellschaften und Experten auf den dringenden Handlungsbedarf im Umgang mit der Krankheit hingewiesen. Aufgrund des hohen und langen Pflege­aufwandes zählt die Demenzerkrankung zu den teuersten Krankheiten im Gesund­heitssystem.

Sollte in den kommenden Jahren kein Durchbruch in der Therapie gelingen, könnte sich die Zahl der Betroffenen von derzeit 1,5 Millionen auf drei Millionen verdoppeln, warnten Hirnliga, Deutsche Alzheimer Gesellschaft und Deutsche Gesellschaft für Geronto­psychiatrie und -psychotherapie in einer gemeinsamen Erklärung. Sie forderten mehr finanzielle Mittel für Forschung und Versorgung sowie eine zeitnahe Umsetzung der lange angekündigten grundlegenden Reform der Pflegeversicherung.

Anzeige

Solide Finanzierung muss gewährleistet sein
„Mehr als schöne Reden und Verständnis brauchen die Erkrankten ein entsprechend solide finanziertes System“, unterstrich der Präsident der deutschen Alterspsychiater Hans Gutzmann. Solange mit Kranken- und Pflegekassen unterschiedliche „Töpfe“ existierten, führe das zu Fehlanreizen. Die komplexen Leistungen  in Diagnostik und Therapie würden bei Hausärzten, niedergelassenen Fachärzten und in den Kliniken nicht adäquat honoriert. „Mit der Konsequenz, dass Demenzkranke, gemessen an internationalen Standards, in Deutschland nicht angemessen behandelt werden“, kritisierte Gutzmann. Er forderte, dass Demenzkranke als Mitglieder der Gesellschaft akzeptiert und ihre Bedürfnisse als verpflichtende Aufgaben wahrgenommen werden müssten.

Laumann: Ehrenamtlich Hilfe stärken
Der Patientenbeauftragte und Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Staats­sekretär Karl-Josef Laumann (CDU) plädierte in diesem Zusammenhang auch für eine Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements: „Ehrenamtliche Helfer können die Betroffenen und ihre Familien spürbar entlasten“, so Laumann. Dazu müssten sie jedoch zuvor über die Krankheit und den Umgang mit Demenzerkrankten geschult werden. „Und sie dürfen professionelle Kräfte nicht ersetzen", mahnte der Staatssekretär.

Laumann verwies diesbezüglich auf das auf das vielfältige Engagement der Bundes­regierung. „Erst in dieser Woche wurde die Agenda 'Gemeinsam für Menschen mit Demenz' unterzeichnet. Auch die anstehenden Pflegestärkungsgesetze werden für Demenzerkrankte zu wegweisenden Verbesserungen führen“, versprach der Patientenbeauftragte. So sollen bereits zum 1. Januar 2015 sollen etliche Leistungen der Pflegeversicherung um vier Prozente erhöht, und Anfang 2017 der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff eingeführt werden. „Dann werden Demenzerkrankte vollumfänglich in die Systematik der Pflegeversicherung aufgenommen“, erklärte Laumann.

Jährlich 200.000 Neuerkrankungen
Nach Angaben der Alzheimer Forschung Initiative (AFI) erkranken bundesweit jährlich mehr als  200.000 Menschen an Alzheimer. Einer repräsentativen AFI-Umfrage zufolge berichtet heute jeder Zweite, einen Alzheimer-Patienten persönlich zu kennen, jeder fünfte Deutsche  hat einen Alzheimer-Patienten in der Familie. Knapp ein Drittel der Befragten geben an, jemanden mit der Krankheit in ihrem Bekanntenkreis zu kennen. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Nachrichten zum Thema

21.02.17
Lausanne – Die Zusammensetzung der Darmflora könnte die Menge von Amyloidablagerungen im Gehirn beeinflussen und so auch das Risiko für eine Alzheimerkrankung erhöhen. Dies legen Tierstudien nahe, die......
16.02.17
Morbus Alzheimer: BACE-Inhibitor scheitert in Phase 3-Studie
Kenilworth – Der BACE-Inhibitor Verubecestat hat in einer Phase 3-Studie die kognitiven Leistungen von Patienten mit leichter bis mittelschwerer Alzheimer-Demenz nicht verbessern können. Nachdem eine......
10.02.17
Potsdam – Brandenburg beteiligt sich an einer bundesweiten Initiative für eine bessere Aufklärung über Demenz. In kostenlosen Kursen gibt es Tipps zum Umgang mit Betroffenen. „Man begegnet Demenz......
09.02.17
Philadelphia – Ein Glukosenmangel in neuronalen Zellen könnte für die toxische Bildung von Phosphotau mitverantwortlich sein. In Transalational Psychiatry berichten Forscher um Domenico Praticò von......
31.01.17
Kiel – Wegen der steigenden Zahl von Demenzkranken in Deutschland müssen immer mehr Menschen mit der Krankheit umgehen. Das hat die schleswig-holsteinische Gesundheits-Staatssekretärin Anette Langner......
27.01.17
Bonn – Das Universitätsklinikum Bonn bietet im Rahmen des Projekts „Familiale Pflege“ neben seinen bisherigen Pflegekursen nun auch Schulungen für die Betreuung demenzkranker Angehöriger an.......
27.01.17
Hamburg – Ebenso wie die Zahl älterer Menschen insgesamt steigt auch die Zahl derjenigen, die von einer Demenz betroffen sind. Vor dem Hintergrund präsentiert die Hamburger Gesundheitsbehörde seit......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige