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Medizin

Typ 2-Diabetes: Wöchentliche Spritze senkt Blutzucker

Freitag, 19. September 2014

dpa

Rockville – Typ 2-Diabetiker können künftig, sofern sie das Standardmedikament Metformin nicht vertragen, ihren Blutzucker auch durch eine einmalige Injektion mit einen langwirkenden GLP-1-Agonisten senken. Die US-Arzneibehörde FDA hat mit Dulaglutid den zweiten Vertreter dieser (fast) neuen Wirkstoffklasse zugelassen. Der erste Wirkstoff Albiglutid wird demnächst auch in Europa eingeführt.

Albiglutid und Dulaglutid ahmen die Wirkung des Hormons Glucagon-like Peptide 1 (GLP-1) nach, das nach der Nahrungsaufnahme die Ausschüttung von Insulin aus den Beta-Zellen fördert (und die Sekretion von Glukagon hemmt) und ein Sättigungsgefühl erzeugt. Beides, die Absenkung des Blutzuckers und eine anorektische Wirkung, sind bei Menschen mit Typ 2-Diabetes erwünscht.

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Doch die Notwendigkeit, die GLP-1-Agonisten einmal oder zweimal täglich injizieren zu müssen, hat die Popularität von Exenatid (Byetta von Bristol-Myers-Squibb und Astra-Zeneca) und Liraglutid (Victoza von Novo Nordisk), den beiden ersten Wirkstoffen aus dieser Gruppe, gebremst. Ein dritter Wirkstoff Lixisenatid (Lyxumia von Sanofi-Aventis) wurde im letzten Jahr sogar wieder vom Markt genommen.

Bei Albiglutid und Dulaglutid konnte die Halbwertzeit durch zwei Modifikationen im Wirkstoffmolekül deutlich verlängert werden. Zum einen wurde durch Austausch von einzelnen Aminosäuren in den Peptiden ein vorzeitiger Abbau durch die Dipeptidylpeptidase 4 im Blut verhindert. Zum anderen wurden die Wirkstoffe mit
Makromolekülen (Albumin bei Albiglutid und Fc-Fragment des IgG4-Antikörpers bei Dulaglutid) fusioniert, so dass sie nicht über die Nieren ausgeschieden werden. Beide Wirkstoffe müssen nur einmal pro Woche gespritzt werden. Eine einmal wöchentliche Injektion ist auch mit Depot-Präparat Bydureon des Herstellers AstraZeneca
mög­lich, bei dem der kurz wirksame Wirkstoff Exenatide in sogenannten Micropheres verkapselt verkapselt vorliegt und nur langsam freigesetzt wird.

Albiglutid von Glaxo-Smith-Kline wurde bereits im ersten Halbjahr in den USA (als Tanzeum) und in Europa (als Eperzan) zugelassen. Mit Dulaglutid von Eli Lilly folgt jetzt in den USA (als Trulicity) der zweite langwirkende GLP-1-Agonist. Die beiden Wirkstoffe wurden in teilnehmerstarken Phase III-Studien („Harmony“-Studien für Albiglutid an mehr als 5.000 Patienten, „AWARD“-Studien für Dulaglutid mit mehr als 3.300 Patienten) untersucht.

Beide Wirkstoffe senkten in den Studien sowohl in der Kombination mit anderen oralen Antidiabetika als auch in der Monotherapie den Langzeit-Blutzuckerwert (HbA1c-Wert). Die Arzneimittelagenturen FDA und EMA ließen sich von der Wirksamkeit und der Sicherheit der beiden Wirkstoffe überzeugen (wobei der Antrag zu Dulaglutid bei der EMA noch anhängig ist). Tanzeum wurde in den USA eingeführt, Eperzan soll noch in diesem Jahr folgen.

Wie bei den kurzwirkenden GLP-1-Agonisten gibt es noch ungeklärte Sicherheits­bedenken. Sie beruhen auf tierexperimentellen Studien, in denen GLP-1-Agonisten die Bildung von C-Zell-Tumoren in der Schilddrüse stimuliert haben. Trulicity und Tanzeum wurden von der FDA deshalb mit umrahmten Warnhinweisen versehen. Bei Patienten mit medullären Schilddrüsenkarzinomen in der Eigen- oder Familienanamnese sollten die Medikamente deshalb nicht eingesetzt werden. Eine weitere Kontraindikation sind sogenannte MEN-2-Syndrome, bei denen es zu medullären Schilddrüsenkarzinomen kommen kann. © rme/aerzteblatt.de

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