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Medizin

40 Prozent aller vorzeitigen Todesfälle weltweit vermeidbar

Freitag, 19. September 2014

Bergen – Abgesehen von den von der HIV-Epidemie oder Kriegen heimgesuchten Ländern ist die Zahl der vorzeitigen Todesfälle seit 1970 weltweit gesunken. Dies zeigt eine Analyse von Gesundheitsforschern im Lancet (2014; doi:10.1016/S0140-6736(14)61591-9), deren Autoren allen derzeitigen Konflikten zum Trotz eine weitere deutliche Reduktion für möglich halten.

Im Jahr 2000 hatten die Vereinten Nationen acht Millennium-Entwicklungsziele (MDG) ausgegeben, von denen drei die Gesundheit der Bevölkerung betrafen. Eines, die Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und anderen schweren Krankheiten (MDG 6) war allgemein formuliert, die beiden anderen machten klare Vorgaben: Bis 2015 sollte die Kindersterblichkeit um zwei Drittel (MDG 4) und die Müttersterblichkeit um drei Viertel (MDG 5) gesenkt werden.

Beide Ziele werden verfehlt, haben sich nach Ansicht von Ole Norheim von der Universität Bergen in Norwegen jedoch dennoch als hilfreich erwiesen. Auch wenn MDG 4 und MDG 5 nicht erfüllt wurden, so sei doch die Kinder- und Müttersterblichkeit gesenkt worden und bei HIV/AIDS, Malaria und einigen anderen Erkrankungen könnte ein Wendepunkt erreicht worden sein.

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Im nächsten Jahr wollen die Vereinten Nationen 17 neue sogenannte nachhaltige Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, SDG) bis zum Jahr 2030 definieren, von denen eines vermutlich die „Sicherung eines gesunden Lebens und die Förderung des Wohlergehens in allen Altersgruppen“ (SDG 3) lauten wird. In drei Unterpunkten von SDG 3 soll es numerisch fassbare Ziele geben. Die Kindersterblichkeit soll um zwei Drittel auf wenigstens 2 Prozent und die Müttersterblichkeit um drei Viertel auf wenigstens 40 Todesfälle pro 100.000 Lebendgeburten gesenkt werden. Außerdem soll die Zahl der Todesfälle von unter 70-Jährigen an nicht-übertragbaren Erkrankungen um 30 Prozent gesenkt werden.

Norheim schlägt jetzt als weiteres Ziel vor, die Zahl aller vorzeitigen Todesfälle, das heißt aller Todesfälle von unter 70-Jährigen, um 40 Prozent zu senken. Norheim und Mitarbeitern erscheint dieses Ziel durchaus realistisch, sofern sich ein seit 1970 dokumentierbarer Trend fortsetzt.

Zwischen 1970 und 2010 ist es der Analyse zufolge zu einer Reduktion der Kinder­sterblichkeit um zwei Drittel von 14 auf 5 Prozent gekommen (das MDG 4 hatte für den Zeitraum 1991 bis 2015 eine Reduktion von 10,6 auf 3,5 Prozent gefordert). Auch der Anteil der Menschen, die vor dem 50. Lebensjahr gestorben sind, hat sich seit 1970 von 28 auf 15 Prozent nahezu halbiert. Und der Anteil der Menschen, die vor dem 70. Lebensjahr gestorben sind, ist um ein Drittel von 54 auf 36 Prozent zurückgegangen.

Diese günstigen Trends trafen in den letzten Jahren auf die meisten, aber nicht auf alle Regionen zu. Die Kindersterblichkeit beispielsweise nahm bis 1975 in Bangladesh, China, Demokratische Republik Kongo, Äthiopien, Nigeria, Südafrika und Vietnam aufgrund von politischen Krisen zu. In den letzten beiden Jahrzehnten stieg sie dann nur noch in Südafrika (wegen Aids) und im Kongo (wegen Krieg).

Bei den Erwachsenen gab es zwischenzeitlich einen Anstieg der Sterblichkeit in Süd­afrika (Aids), in Russland (politische Wende und Alkohol), Iran (Krieg mit dem Irak) oder Thailand (Aids). In den meisten Ländern ging der Trend jedoch in allen Alters­gruppen nach unten. Wenn die derzeitige Entwicklung anhält, dann würde nach den vorgelegten Berechnungen die globale Mortalitätsrate bis 2030 um 35 Prozent sinken. Für Norheim ist deshalb eine Reduktion um 40 Prozent ein realistisches Ziel. © rme/aerzteblatt.de

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