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Politik

Modellprojekt: Versorgung auf die besonderen Bedürfnisse von Demenzkranken abstimmen

Montag, 22. September 2014

Mainz – „Viele ältere Menschen, die wegen körperlicher Beschwerden zur Behandlung in ein Krankenhaus kommen, sind auch an Demenz erkrankt. Krankenhäuser stehen damit immer mehr vor der Aufgabe, sich auf die speziellen Voraussetzungen und Bedürfnisse dieser Patientengruppe einzustellen“, so Matthias Krell, Geschäftsführer der Landes­zentrale für Gesund­heits­förder­ung in Rheinland-Pfalz (LZG) bei der Vorstellung des Modellprojekts „Demenzkompetenz im Krankenhaus“ in Mainz.

Das Modellprojekt wurde im Auftrag von Sozialminister Alexander Schweitzer mit dem Ziel durchgeführt, die Versorgungsqualität von Menschen mit Demenz im Krankenhaus zu verbessern, die Modalitäten ihrer Aufnahme und Entlassung bedarfsgerecht zu gestalten sowie das Personal im Umgang mit dieser Personengruppe gezielt zu unterstützen und zu qualifizieren.

„Mit dem Modellprojekt haben wir wertvolle Erfahrungen gesammelt, wie sich Krankenhäuser besser auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz einstellen können“, sagte Bernhard Scholten, Abteilungsleiter im rheinland-pfälzischen Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie (MSAGD). Acht Kliniken, ausgewählt aus 23 Bewerbungen, nahmen an dem Modellprojekt teil. „Die Rückmeldungen aus den teilnehmenden Häusern sind sehr positiv“, so Scholten. Deshalb werde es eine zweite Projektphase bis Februar 2015 geben. Die gewonnenen Erfahrungen und erprobten Instrumente sollen danach auch auf andere Kliniken übertragen werden.

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Stationäre Behandlung von Patienten mit der Ko-Diagnose Demenz möglichst vermeiden
Insgesamt, so ein Ergebnis des Projekts, kann ein Klinikaufenthalt bei Menschen mit Demenz zu einer Verschlechterung ihres Zustands und zu einem weiteren Verlust von kognitiven und alltagspraktischen Fähigkeiten führen. „Eine stationäre Behandlung von Patienten mit der Ko-Diagnose Demenz ist daher bestenfalls zu vermeiden“, erklärte Andreas Fellgiebel, Leitender Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universitätsmedizin Mainz. Paradoxerweise führten jedoch körperliche Erkrankungen bei Patienten mit Demenz, die im Grunde auch ambulant gut zu behandeln wären, signifikant häufiger zu stationären Aufnahmen als bei älteren Patienten ohne Demenz.

Hinzu käme, dass bei der Einweisung älterer Menschen trotz relevanter kognitiver Einschränkungen noch keine Demenz-Diagnose vorliegt oder sie nicht mitgeteilt werde. „Das führt dazu, dass der tatsächliche Unterstützungsbedarf zunächst nicht erkannt wird“, so Fellgiebel.

Demenz-Screeningverfahren getestet
Im Rahmen des Modellprojektes führte Fellgiebel eine Studie durch, die der Evaluierung eines Demenz-Screeningverfahrens diente. Bei Patientinnen und Patienten ab 70 Jahren wurde mit deren Einverständnis bei der Aufnahme ein kurzer Standardtest durchgeführt. „Wird bei diesem Screening mit dem 3-Wörter-Uhrentest eine kognitive Beeinträchtigung festgestellt, kann die medizinische und pflegerische Versorgung von Anfang an darauf abgestimmt werden“, so Fellgiebel.

Von 1.368 Personen, die an dem Screening teilnahmen, wiesen 72,4 Prozent leichte und 17,6 Prozent sogar deutlich ausgeprägte kognitive Störungen auf. Krankenhäuser sollten sich folglich bei der stationären Aufnahme auf die Identifikation der Gruppe älterer Patienten mit relevanten kognitiven Störungen stärker ausrichten, empfahl Fellgiebel.

Wichtiger Faktor Mitarbeiterfortbildung
Ein weiterer wichtiger Baustein des Projekts war, das Krankenhauspersonal zu schulen und für die besonderen Bedürfnisse von Menschen mit Demenz zu sensibilisieren. Eine Befragung hatte zeigte, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Modellkliniken vor Durchführung der Qualifizierungsmaßnahmen eher unsicher im Umgang mit demenziell erkrankten Menschen fühlten. Nach der vierteiligen Schulung äußerten vor allem Pflegekräfte, dass sie ein besseres Bild der Erkrankung, gestiegenes Einfühlungsvermögen und eine größere Handlungssicherheit gewonnen hätten.

Besondere Bedeutung für eine gute Versorgung vor, während und nach dem Kranken­haus­auf­enthalt kommt der Gestaltung der Kommunikationsprozesse im Aufnahme- und Entlassungsmanagement zu, so ein weiteres Fazit aus dem Projekt. Die Entwicklung dieses wichtigen Instrumentes umfasste auch die Vernetzung mit den Pflegestützpunkten, den Hausärztinnen und Hausärzten sowie den lokal ansässigen Demenznetzwerken./ps

© sp/aerzteblatt.de

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