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Chlamydien-Infek­tionen bei MSM möglicherweise häufiger

Montag, 22. September 2014

Chlamydia trachomatis dpa

Berlin – Im Schatten des Chlamydien-Screenings für Frauen werden zunehmend auch Männer auf eine Infektion mit Chlamydia trachomatis untersucht. In einem Sentinel des Robert Koch-Instituts (RKI) lag der Anteil der positiven Befunde bei 10 Prozent. Die im Epidemiologischen Bulletin (2014; 38: 373-380) vorgestellten Ergebnisse lassen vermuten, dass die Erkrankung bei Männern, die Sex mit Männern (MSM) haben, verbreitet ist.

Da es in Deutschland (außer in Sachsen) weder eine Meldepflicht für Infektionen mit Chlamydia trachomatis gibt, noch ein Screening junger Frauen (wie etwa in Großbri­tannien) durchgeführt wird, ist die Zahl der Infektionen nicht bekannt. Die Zahlen aus anderen Ländern lassen vermuten, dass Infektionen mit Chlamydien vor allem bei jungen Erwachsenen sehr häufig sind. Anders als vielfach angenommen, verläuft die Infektion auch bei Männern häufig asymptomatisch. Aufgrund der veränderten Sexualge­wohnheiten ist nicht nur die Urethra betroffen.

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Eine Reihe von Laboratorien meldet im Rahmen eines Sentinels seit 2008 regelmäßig die Zahl der durchgeführten Untersuchungen und deren Ergebnisse. Aus 23 Laboren wurden bis März 2014 insgesamt 184.771 Untersuchungen gemeldet. Eine Analyse auf der Basis von 93.444 Tests aus fünf Bundesländern (Nordrhein-Westfalen, Berlin, Sachsen, Niedersachsen und Thüringen) zeigt, dass die Tests vor allem bei jüngeren Männern (Durchschnittsalter 35 Jahre) durchgeführt werden. Bei insgesamt 10 Prozent der Fälle wurde eine Infektion nachgewiesen.

Da der Anteil der Urinuntersuchungen (21 Prozent) und der Urethralabstriche (3 Prozent) relativ gering ist, vermuten die Autoren, dass viele Untersuchungen bei MSM durchge­führt wurden, bei denen es häufiger zu Infektionen des Rektums kommt. Der Anteil der Rektalabstriche betrug zwar nur 3 Prozent. Bei 28 Prozent wurde die Herkunft des Untersuchungsmaterials jedoch nicht genannt. Da diese vor allem aus Berlin und Nordrhein-Westfalen, und hier vor allem Köln, wo viele MSM leben, stammen, dürfte es sich häufig um Rektaltupfer handeln.

Aus den Zentren, in denen viele MSM leben, wurde eine erhöhte Rate von positiven Befunden gemeldet. Die insgesamt schlechte Datenlage lässt Raum für Spekulationen. Eine betrifft Infektionen mit den Serotypen L1 bis L3. Sie können ein Lymphogranuloma venereum (LGV) auslösen, das eine eigenständige Erkrankung ist und unbehandelt durch den Befall von Lymphknoten und Nekrosen mit schwerwiegenden Komplikationen einhergeht.

Zu den Folgen gehören Abszedierung, Fistelbildung und teilweise rektale Ulzerationen. Bis vor kurzem galt das Lymphogranuloma venerum als Tropenkrankheit, das in Europa sehr selten war. Seit etwa zehn Jahren häufen sich jedoch die Erkrankungen. Sie wurden anfänglich in den Niederlanden, später auch in anderen Ländern vor allem bei MSM gefunden. Wie häufig das LGV in Deutschland ist, lässt sich aus den Daten des Labor­sentinels nicht ableiten. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #66429
smartinus
am Mittwoch, 24. September 2014, 16:24

MSM nicht gleich homosexuell oder schwul

MSM ist kein Synonym zu homosexuell oder schwul, sondern ist ein umfassenderer Fachterminus. In der Epidemiologie, gerade der Infektionsepidemiologie, ist er weit verbreitet zur Definition von Männern, die Sex mit Männern haben, seien diese nun homo-, bi- oder heterosexuell.
Welchen Begriff würden Sie denn alternativ vorschlagen?
Avatar #625311
L.A.
am Dienstag, 23. September 2014, 10:01

"MSM" ? Warum nicht "Homosexuelle" oder "Schwule" ?

Das ist Politische Korrektheit: Wenn es um gesundheitliche Risiken oder negative Botschaften geht, dann werden die Begriffe "homosexuell" oder "schwul" strikt vermieden. Es soll kein Schatten auf diese so wunderbare Lebensform fallen...
LNS

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