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Medizin

Studie: Ebola-Ausbruch folgt den epidemiologischen Gesetzmäßigkeiten

Dienstag, 23. September 2014

dpa

London – Das ungewöhnliche Ausmaß der derzeitigen Ebola-Epidemie in Westafrika ist nicht auf eine veränderte Infektiosität oder Pathogenität des Erregers zurückzuführen. Eine Analyse des WHO Ebola Response Teams im New England Journal of Medicine (2014; doi: 10.1056/NEJMoa1411100) zeigt, dass die Epidemie den Gesetzmäßigkeiten früherer Ausbrüche folgt. Die notwendigen Gegenmaßnahmen wurden und werden jedoch versäumt.

Das Ebola-Virus gehört zwar zu den gefährlichsten Krankheitserregern, aus epidemio­logischer Sicht ist der Erreger jedoch weniger furchterregend. Eine Übertragung erfolgt nur über Körperflüssigkeiten durch den direkten Kontakt mit symptomatischen Patienten, und ein Ausbruch kann durch Umgebungsuntersuchung (Contact Tracing), Patienten­isolierung, Infektionskontrolle und bei Ebola durch sichere Bestattungen eingedämmt werden.

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Dies ist laut dem Bericht des WHO-Teams um Christopher Dye auch bei der derzeitigen Epidemie nicht anders. Es gibt keine Hinweise, dass die Viren über die Luft übertragen werden. Auch die Basisreproduktionszahl R0, eine wesentliche Kennzahl für Epidemien, ist relativ gering. R0 gibt an, wie viele Personen eine infektiöse Person im Mittel ansteckt. Sie beträgt derzeit in Guinea 1,71 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,44-2,01) in Liberia 1,83 (1,72-1,94) und in Sierra Leone 2,02 (1,79-2,26).

Im Durchschnitt gibt ein Infizierter das Virus an weniger als zwei Personen weiter. Für Masern wird ein R0-Wert von 12 bis 18 angegeben. Vor Einführung der Impfung fegten deshalb regelmäßig Masern-Epidemien über den Globus. Für Ebola steht dies nicht zu befürchten. Unter den Voraussetzungen eines funktionierenden Gesundheitswesens sollte sich eine solche Epidemie verhindern lassen.

Der R0-Wert von Ebola ist laut Dye in der derzeitigen Epidemie nicht höher als bei früheren Ausbrüchen. Die Epidemie hat deshalb keine außergewöhnliche Dynamik. Sie ist jedoch in die Phase eines exponentiellen Wachstums eingetreten. Die Verdopp­lungszahl beträgt in Guinea 15,7 Tage (12,9-20,3), in Liberia 23,6 Tage und in Sierra Leone 30,2 Tage. Ohne Gegenmaßnahmen dürfte die kumulative Zahl der bestätigten Erkrankungen und der Verdachtsfälle bis Anfang November in Guinea auf 5.740, in Liberia auf 9.890 und in Sierra Leone auf 5.000 steigen, was in der Summe eine Zahl von 20.000 Erkrankten bedeutet.

Eine weitere wichtige epidemiologische Kennzahl ist das Serialnummernintervall (Serial Intervall), der zeitliche Abstand zwischen zwei Erkrankungen in einer Infektionskette. Es beträgt bei Ebola 15,3 Tage. In dieser Zeit könnten – sofern die gesellschaftlichen Voraussetzungen stimmen – Kontaktpersonen identifiziert und beobachtet werden. Die Inkubationszeit beträgt 11,4 Tage. Sofern die derzeitigen Beobachtungen zutreffen, ist das Übertragungsrisiko in dieser Zeit minimal. Auch dies dürfte ein Grund für den niedrigen R0-Wert sein.

Laut Dye gibt es derzeit keine Hinweise, dass sich die Biologie des Ebola-Virus verändert hat. Neben der Infektiosität ist die Pathogenität gleich geblieben. Dye gibt die Letalität (Fatality rate) mit 70,8 Prozent (69 bis 73) an. Sie steigt mit dem Alter. Infizierte über 45 Jahre haben laut der Studie ein 2,47-fach erhöhtes Sterberisiko. Hinweise auf eine ungüns­tige Prognose waren eine Diarrhoe, eine Konjunktivitis, Atem- oder Schluck­störungen, Verwirrtheit, Desorientierung und ein Koma. © rme/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #690938
Bernett
am Samstag, 4. Oktober 2014, 16:53

Nebenübertragungsweg von Ebola- Viren

In Ebola- Gebieten sollten auch Fliegengitter und Moskito- Netze als vorbeugende Maßnahme gegen die Virus- Übertragung über den Stechrüssel der Stechmücken verwendet werden!
Avatar #685404
Reinhard Großer
am Dienstag, 23. September 2014, 16:47

Ebola

Danke für die klare Informaton !
Reinhard Großer, Dohna
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