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Medizin

Frühstgeborene: Muttermilch kann tödliche Zytomegalie-Viren übertragen

Mittwoch, 24. September 2014

Atlanta – Die Ernährung von sehr unreifen Frühgeborenen mit Muttermilch, die derzeit aus ernährungsphysiologischen Gründen empfohlen wird, hat in einer US-Studie in JAMA Pediatrics (2014; doi:10.1001/jamapediatrics.2014.1360) eine Reihe von Zytomegalievirusinfektionen ausgelöst, von denen einige tödlich endeten.

In Deutschland ist etwa die Hälfte der Bevölkerung mit dem humanen Zytomegalievirus (CMV) infiziert. Die Infektion ist lebenslang und bei den meisten stillenden Frauen ist das Virus in der Muttermilch nachweisbar. Für gesunde Neugeborene stellt dies nach gegen­wärtigem Kenntnisstand keine Gefahr dar. Anders ist die Situation bei sehr kleinen, unreifen Frühgeborenen.

Bei ihnen kann eine Infektion zu einem Sepsis-ähnlichen Krankheitsbild mit Hepato­pathie, Thrombozytopenie, Neutropenie und Pneumonie führen. Das Risiko wurde bisher als sehr gering eingestuft und die meisten Experten stuften die günstigen Wirkungen des Stillens für die Frühstgeborenen höher ein als das potenzielle Erkrankungsrisiko.

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Sowohl die American Academy of Pediatrics, als auch die Nationale Stillkommission, ein dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) angegliedertes Gremium, raten auch CMV-positiv getesteten Müttern nicht vom Stillen ihrer Säuglinge ab. Die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin empfiehlt dagegen die Muttermilch für Frühgeborene (Geburtsgewicht unter 1.500 g und/oder Gestationsalter unter 32 Wochen) bis zur vollendeten 34. Gestationswoche zu pasteurisieren, wenn die Mütter seropositiv sind. Dies hat zur Folge, dass die Mütter ihre Frühgeborenen nicht stillen können, sondern die Muttermilch mit der Flasche gegeben werden muss.

Pathologen der Emory Universität in Atlanta haben jetzt das Infektions- und Erkrankungs­risiko erstmals in einer prospektiven Studie untersucht. An drei Kinderkliniken wurden 539 Frühstgeborene (Geburtsgewicht unter 1500 Gramm) untersucht. Die Kinder wurden nach der Geburt mit Gensonden (NAT) auf CMV im Serum und im Urin getestet, um eine konnatale CMV-Infektion auszuschließen. Ausgeschlossen wurden später alle Kinder, die Bluttransfusionen erhalten hatten, die als eine mögliche Infektionsquelle gelten (die in einem Nebenbefund der Studie nach einer Leukoreduktion und dem Ausschluss von CMV-positiven Spendern jedoch als Quelle ausgeschlossen werden konnten).

Von den 539 Frühstgeborenen infizierten sich in den ersten 12 Wochen nach der Geburt 28 mit CMV. Bei 27 dieser Mütter wurden CMV-Gene in der Muttermilch nachgewiesen. Alle hatten ihre Frühstgeborenen gestillt. Die Forscher haben zwar keine Gensequen­zierungen durchgeführt, mit der die Übertragung sicher erkannt werden kann, Cassandra Josephson und Mitarbeiter sind sich aber ziemlich sicher, dass die Säuglinge die Viren mit der Muttermilch aufgesogen haben, zumal die Viruslast in der Muttermilch und die Zahl der Stillmahlzeiten mit dem Risiko einer Infektion korrelierten.

Insgesamt fünf der 28 Säuglinge erkrankten. Eines starb an einer Pneumonie, nachdem vorher eine nekrotisierende Enterocolitis (NEC) diagnostiziert worden war. Bei diesem Säugling wurde eine Viruslast bis zu 13 000 IU/ml gefunden. Zwei weitere Säuglinge starben an einer NEC mit einer Viruslast mit 8.000 und 4.000 IU/ml. Die beiden anderen Säuglinge überlebten ihre CMV-Erkrankung – bei einem wurden punktuelle Densitäten in den Basalganglien gefunden, der andere hatte Sepsis-ähnliche Symptome. Diese beiden Kinder waren die einzigen, die mit Ganciclovir und/oder Valganciclovir behandelt worden waren.

Die Autoren drücken die Besorgnis aus, dass CMV-Infektionen durch die Muttermilch die Gesundheit von Frühstgeborenen gefährden und deren Entwicklung gefährden könnten. Sie erwähnen die Empfehlung der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin  als mögliche Präventivmaßnahme und regen Studien zum Nutzen der antiviralen Therapie bei dem Nachweis einer CMV-Infektion an. © rme/aerzteblatt.de

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