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Medizin

Antidepressiva wirken schon nach wenigen Stunden im Gehirn

Dienstag, 23. September 2014

Leipzig – Die klinische Wirkung von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) setzt auch bei Patienten mit schwerer Major-Depression oft erst nach zwei bis drei Wochen ein. Eine „Netzwerke-Analyse“ an gesunden Probanden in einer Studie in Current Biology (2014; doi: 10.1016/j.cub.2014.08.024) belegt jedoch, dass erste Effekte auf die Hirnzellen bereits nach einer Viertelstunde erkennbar sind.

Die Einnahme von 20 mg Escitalopram oder Placebo lag gerade 15 Minuten zurück, als die gesunden Probanden am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissen­schaften in Leipzig einem Hirnscan unterzogen wurden. Gemessen wurde der Sauer­stoffgehalt des Blutes, der ein indirektes Maß für die Aktivität von Hirnregionen ist. Im Vergleich zu konventionellen Untersuchungen mittels funktionaler Magnetresonanz­tomographie, bei denen die Probanden eine geistige Aufgabe lösen müssen, um die Änderung der Hirnaktivität zu registrieren, sollten die Probanden bei der Untersuchung ihren Gedanken freien Lauf lassen.

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Dennoch war auf den dreidimensionalen Bildern eine Wirkung des SSRI erkennbar. Das Team um Julia Sacher registrierte eine Abnahme der funktionellen Ruhenetzwerk-Verbindungen in den meisten Hirnregionen. Gleichzeitig nahm die Aktivität von Ruhenetzwerken im Kleinhirn und im Thalamus zu.

Was genau dies für die Wirkung der SSRI bedeutet, ist unklar. Als nächstes wollen die Forscher die Auswirkung der Therapie auf die Ruhenetzwerkarchitektur von Patienten mit Depressionen untersuchen. Besonders interessant könnte der Vergleich von Patienten sein, die auf die Medikamente ansprechen oder nicht.

Falls es hier Unterschiede gibt, könnte der Scan benutzt werden, um die Wirksamkeit der einzelnen Wirkstoffe vorherzusagen. Bisher sind die Psychiater hier auf einen klinischen Versuch angewiesen, der sich aufgrund des verzögerten Wirkungseintritts über viele Monate hinziehen kann. © rme/aerzteblatt.de

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