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Medizin

Ebola: Behandlungsquote von 70 Prozent könnte Epidemie rasch stoppen

Mittwoch, 24. September 2014

Medizinisches Personal wird für die Behandlung von Ebola-Patienten in Freetown, Sierra Leone geschult /dpa

Atlanta – Die derzeitige Ebola-Epidemie in Westafrika könnte bis Mitte Januar 2015 vorüber sein, es könnte zu diesem Zeitpunkt aber auch 1,5 Millionen Erkrankungen geben. Entscheidend ist es nach einer Projektion in Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR 2014; 63: 1-14), ob es gelingt, die Übertragungsorte zu kontrollieren und den Anteil der behandelten Patienten auf 70 Prozent zu steigern. Modellberechnungen des Robert Koch-Instituts (RKI) sagen voraus, dass die ersten Virusimporte in Paris, der Hauptstadt der ehemaligen Kolonialmacht, zu erwarten sind.

Nach dem Situationsbericht der Welt­gesund­heits­organi­sation vom 22. September sind in Guinea, Liberia und Sierra Leone bislang 5.843 Ebola-Erkrankungen aufgetreten, wobei neben bestätigten auch wahrscheinliche Erkrankungen und Verdachtsfälle einge­schlossen sind.

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Hinzu kommen noch einmal 20 Fälle aus Nigeria und eine aus dem Senegal. In Nigeria haben 696 Kontakte ihre 21-tägige Beobachtungszeit beendet: in Lagos stehen noch drei weitere Personen unter Beobachtung, in Port Harcourt konnten 165 von 174 in Beobachtung stehende Kontakten am 20. September untersucht werden. Im Senegal haben alle Kontakte ihre 21-tägige Beobachtungsphase beendet, ohne dass es zu einer weiteren Erkrankung gekommen ist. In beiden Ländern könnte der Ausbruch der Epidemie vorerst verhindert worden sein.

In Guinea, Liberia und Sierra Leone breitet sich die Epidemie dagegen (beinahe) unge­bremst aus. In Liberia und Sierra Leone könnten sich die Fallzahlen bis Ende September verdoppeln. Das Team um Martin Meltzer von den US-Centers for Disease Control and  in Atlanta geht davon aus, dass die tatsächliche Zahl um den Faktor 2,5 höher ist, da nur ein Teil der Betroffenen gezählt wird. Dann währen es 21.000 Erkrankungen bis Ende September.

Aufgrund des exponentiellen Wachstums – die Verdopplungszahl beträgt derzeit 15 bis 20 Tage in Liberia und 30 bis 40 Tage in Sierra Leone – könnten die Zahlen bis Mitte Januar auf 550.000 bekannte Erkrankungen und 1,4 Millionen Erkrankungen steigen. Dies ergeben die Berechnungen mit dem „Generic EbolaResponse“-Algorithmus, den die CDC entwickelt hat.

Der entscheidende Faktor für den raschen Anstieg der Erkrankungszahlen ist die derzeit ungenügende Zahl von stationären Behandlungsplätzen. Dies können spezielle „Ebola treatment units“ sein, aber auch andere Einrichtungen, vorausgesetzt die Patienten sind dort von anderen Menschen abgeschirmt (und es werden Vorkehrungen für sichere Begräbnisse getroffen).

Die Behandlungsquote liegt derzeit Schätzungen zufolge in Liberia bei 18 Prozent und in Sierra Leone bei 40 Prozent. Um die Epidemie aufzuhalten, musst die Zahl laut Meltzer auf 70 Prozent gesteigert werden. Dann könnte die Epidemie ebenso schnell abebben, wie sie begonnen habe. Sollte das Ziel bis Ende Dezember erreicht werden, könnte die Epidemie bereits am 20. Januar im wesentlichen beendet sein, sagt das Team voraus.

Die Zahl der benötigten Betten hängt davon ab, wie schnell die Hilfe eintrifft. Wäre dies heute der Fall, dann könnten zum Gipfel der Epidemie 1.335 Neuerkrankungen pro Tag auftreten, bei einer Verzögerung um einen Monat bis zum 23. Oktober würde es zu einer Spitze von 4.178 Neuerkrankungen pro Tag kommen. Würde die Eindämmung erst am 22. November beginnen, wären es 10.184 Neuerkrankungen pro Tag, und entsprechend viele Behandlungsplätze müssten dann vorgehalten werden.

Je später die internationale Hilfe eintrifft, desto größer wird die Gefahr, dass es zu Importen in die Nachbarländer sowie nach Europa oder Amerika kommt. Nach dem Interactive-Rapid-Risk-Assessment (I2RA) Modell des Robert Koch-Instituts sind (in dieser Reihenfolge) die Flughäfen München, Frankfurt, Düsseldorf, Berlin-Tegel, Hamburg, Stuttgart und Hannover die wahrscheinlichsten Ankunftsorte. Zuvor dürften allerdings erste Erkrankungen in Frankreich auftreten.

Das relative Importrisiko (mit Ausgangspunkt Guinea) nach Deutschland beträgt nach den jüngsten Zahlen des I2RA etwa 1,1 Prozent, nach Frankreich sind es etwa 8 Prozent. Zwar  besitzt Deutschland mit Frankfurt und München sehr stark vernetzte Drehkreuze. Doch die Flughäfen in Conakry und Freetown haben wesentlich bessere Verbindungen nach Paris. Das RKI spricht auch von einem „colonial fingerprint“. Bevor die Viren in Paris ankommen, könnte es weitere Importe in andere westafrikanische Länder geben. I2RA schätzt die relative Importwahrscheinlichkeit in den Senegal auf 23 Prozent und in die Elfenbeinküste auf 18 Prozent. © rme/aerzteblatt.de

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