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Qualitätsorientierte Vergütung: Die Diskussion geht weiter

Mittwoch, 24. September 2014

dpa

Berlin – Die Krankenhausplanung und -vergütung soll sich künftig stärker an Quali­tätsaspekten ausrichten. Darüber bestehe in der Bund-Länder-Arbeitsgruppe eine große Einigkeit, sagte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Hermann Gröhe (CDU) zur Eröffnung der 6. Qualitätssicherungskonferenz des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) in Berlin. Um die Qualität der Krankenhäuser beurteilen zu können, brauche man aber verlässliche Kriterien, betonte er. Solche Indikatoren mit gebotener Aussagekraft zu entwickeln, werde künftig eine wichtige Aufgabe des G-BA sein.

Ob Prozess- oder Ergebnisindikatoren jedoch Basis einer qualitätsorientierten Vergütung sein sollen und welche Daten als Grundlage für die Qualitätsmessung dienen sollen, wurde von den anwesenden Experten kontrovers diskutiert.

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Die derzeitigen Qualitätsindikatoren nach § 137 SGB V seien für die neuen Anwen­dungszwecke, wie die qualitätsorientierte Vergütung, vielfach ungeeignet, da sie über­wiegend zu detail- und prozessorientiert seien, kritisierte Thomas Mansky von der Technischen Universität Berlin. Für Patienten sei aber der Erfolg einer Behandlung entscheidend.

Auswertung von Routinedaten „einzig realisierbare Möglichkeit“
So sei beispielsweise die Sterblichkeit ein wesentlicher Endpunkt bei einem Herzinfarkt, die sich sehr gut aus den Routinedaten der Krankenkassen ablesen lasse. Nach seiner Auffassung stellt die Nutzung von Routinedaten in der Langzeitmessung unter Aufwand-Nutzen-Gesichtspunkten die „einzig realisierbare Möglichkeit“ dar. Allerdings seien die politischen Widerstände gegen diese Messungen erheblich, gab Mansky zu bedenken.

Er betonte die „hohe Zuverlässigkeit“ solcher „harten“ Kennzahlen und anderer administrativer Daten. Im Gegensatz dazu seien die Daten aus der klassischen stationären Qualitätssicherung, die aus historischen Gründen ausschließlich auf gesondert dokumentierten Qualitätsdaten basiere, manipulationsanfällig. „Eine flächendeckende Kontrolle, ob Komplikationen eventuell verschwiegen wurden, ist in der Praxis kaum möglich“, sagte Mansky. Abgerechnete DRG-Daten gingen jedoch automatisch auch in die Qualitätsmessung ein.

Auch Matthias Schrappe von der Universität Köln hält die derzeit verwendeten Indika­toren als Basis für eine qualitätsorientierte Versorgungsplanung und -vergütung im Gesundheitswesen für ungeeignet, allerdings aus gänzlich anderen Gründen als Mansky. Die aktuelle Qualitätssicherung in Deutschland richte sich in erster Linie an Prozeduren und operativ zu behandelnden Akut- statt chronischen und Mehrfach­erkrankungen aus, kritisierte er. Genau diese würden aber das Gesundheitswesen in Zukunft prägen.

Das deutsche Gesundheitssystem ist zu sehr mengenorientiert
„Wir müssen eine Gesundheitsversorgung entwickeln, die ältere chronische und mehrfacherkrankte Patienten im Blick hat, die Prävention, Integration und Koordination, Qualitäts- statt Mengenorientierung sowie Patienten- statt Anbieterbezug in den Vordergrund stellt. Dafür müssen wir Qualitätssicherung vornehmen“, lautete sein Appell. Das deutsche Gesundheitssystem sei dagegen derzeit sehr mengenorientiert, stark sektoral gegliedert und habe keinen Prävention- und Patientenbezug.

Er forderte daher, die Qualitätsindikatoren künftig an diesen übergeordneten Zielen in der strukturellen Weiterentwicklung des deutschen Gesundheitssystems auszurichten. „Bei der Qualitätsmessung sind daher Prozessindikatoren zu bevorzugen, wie es im Übrigen in den großen internationalen Referenzprojekten in den USA oder Großbri­tannien der Fall ist. Diese Projekte verwenden praktisch ausschließlich Prozessin­dikatoren“, sagte er.

Prozessindikatoren benötigen keiner Risikoadjustierung
Auch wenn Patienten an Ergebnissen, wie beispielsweise der Mortalität, interessiert seien, hätten diese eine retrospektive Betrachtungsweise auf die Versorgung. „Da ist das Kind schon in den Brunnen gefallen“, erläuterte er. Dagegen würden Prozessindikatoren eine prospektive und damit auch präventive Perspektive einnehmen. Zudem bedürften Prozessindikatoren keiner Risikoadjustierung.

Ergebnisindikatoren auf Basis von Routinedaten hätten ein Sensitivitätsproblem. Setzte man nun durch „Pay for Performance“-Modell, das sich an Ergebnisindikatoren orientiert, dem Mengenanreiz des derzeitigen Vergütungssystems einen Qualitätsanreiz entgegen, bestehe sogar die Gefahr einer verstärkten Mengenausweitung. Das gelte vor allem bei dafür anfälligen Leistungen wie beispielsweise bei der Endoprothetik, sagte Schrappe. Außerdem könnten Kliniken eine aktive Risikoselektion betreiben und mit den resultierenden guten Qualitätsdaten eine Mengenausweitung begründen. © ank/aerzteblatt.de

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