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Vermischtes

Lehmann sieht bei Suizidbeihilfe Dissens zwischen Kirchen

Donnerstag, 25. September 2014

Fulda – Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann bedauert, dass es zwischen der katho­lischen und der evangelischen Kirche in Deutschland derzeit keine gemeinsame Position zum Thema Suizidbeihilfe gibt. Vor Journalisten sagte der langjährige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Donnerstag in Fulda, schon 2012 sei es nicht leicht gewesen, eine gemeinsame Position zu finden. Die evangelische Seite zeige eine gewisse Offenheit gegenüber der Beihilfe zum Suizid durch Angehörige. Hilfe zur Selbsttötung werde aber von der katholischen Kirche im Einklang mit der Tradition als ethisch nicht erlaubt abgelehnt.

Lehmann äußerte sich differenziert, aber kritisch über die Interviewäußerungen des Ratsvositzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, zu einer möglichen Begleitung seiner krebskranken Ehefrau Anne bei einem entsprechenden Schritt. Die private Seite der Angelegenheit wolle er nicht kommen­tieren, da er Schneider und seine Frau seit langem kenne und sie schätze.

Sterbehilfe: „Schmerzfreiheit ist immer möglich“

Äußerungen des EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider haben die Debatte über organisierte Sterbehilfe neu entfacht. Politiker und Ärzte beziehen Stellung. Anne Schneider und ihr Mann Nikolaus sind sich alles andere als einig. „Ich hoffe, wenn ich selbst an den Punkt kommen sollte, sterben zu wollen, dass mein Mann mich dann in die Schweiz begleitet.

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Zugleich betonte der Kardinal, dass Schneider wegen seines Rangs als EKD-Ratsvor­sitzender mit einer solchen öffentlichen Äußerung immer auch als Amtsperson wahrgenommen werde. Insofern mache die Äußerung die Findung einer gemeinsamen Position zwischen beiden Kirchen „nicht leichter“, erklärte Lehmann. © kna/aerzteblatt.de

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Avatar #87252
advokatus diaboli
am Freitag, 26. September 2014, 15:40

Kein „Konsens“ notwendig!

Nun – auch Kardinal Lehmann wird sich im säkularen Staat daran erinnern müssen, dass es eben kein spezifisch „christliches Menschbild“ gibt, sondern durchaus mehrere „Menschenbilder“.

Sofern also aus den Zentraldogmen der katholischen Kirchen Maßstäbe für das „selbstbestimmte Sterben“ folgen sollen, kann hierüber kein Konsens gefunden werden. Allein die (Rechts-)Ethik des Grundgesetzes bietet einen geeigneten Orientierungsrahmen, in dem sich dann verschiedene „Moralen“, „Ethiken“ und einiges mehr widerspiegeln können, ohne dass hierdurch sowohl das Selbstbestimmungsrecht der Individuen als auch die Gewissensfreiheit über Gebühr strapaziert werden.

Es ist jedem anheimgestellt, nach seinen (Glaubens-)Vorstellungen frei verantwortlich zu sterben, ohne hierbei sich der Gefahr auszusetzen, dass ihm durch seinen Freitod der Lohn der Sünde droht! Der parlamentarische Gesetzgeber ist gut beraten, sich vor der Verabschiedung einer Regelung über die verfassungsrechtlichen Vorgaben aufklären zu lassen, da nicht unbedingt davon ausgegangen werden kann, dass die Parlamentarier über entsprechendes Fachwissen verfügen, so wie es (leider) auch bei manchen Ärztefunktionären festgestellt werden kann.

Äußerungen ins Blaue hinein helfen wahrlich nicht weiter und es stände unserer Gesellschaft gut, endlich sich vorbehaltlos zu dem hohen Rang des Selbstbestimmungsrechts zu bekennen, auch wenn die Kirchen (oder Ärztefunktionäre) ihrem Selbstverständnis nach hiermit erhebliche Probleme haben.
LNS
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