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Medizin

Pankreaskarzinom: Kachexie beginnt schon vor Diagnose

Montag, 29. September 2014

Boston – Bei einigen Patienten mit duktalem Adenokarzinom des Pankreas kommt es bereits Jahre vor der Diagnose zu einem Anstieg der verzweigtkettigen Aminosäuren im Plasma, was in einer Studie in Nature Medicine (2014; doi: 10.1038/nm.3686) als subtiler Hinweis auf eine präklinische Tumorkachexie gewertet wird.

Das Pankreaskarzinom wird meist erst in einem Stadium diagnostiziert, in dem eine Heilung durch Operation nicht mehr möglich ist. In den letzten Jahren wurde bereits entdeckt, dass einige Patienten vor der Diagnose einen Diabetes oder eine Pankreatitis entwickeln, wobei sich die Experten nicht sicher sind, ob es sich um Risikofaktoren oder um erste Manifestationen der Erkrankung handelt.

Die Untersuchungsergebnisse, die ein Team um Brian Wolpin vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston jetzt vorstellt, deuten darauf hin, dass der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnose bereits weitgehende Auswirkungen auf den Stoffwechsel haben könnte. Die Forscher bestimmten die Konzentration von mehr als hundert Stoffwechselprodukten in Blutproben von 1.500 Personen, die im Rahmen von vier prospektiven Beobachtungs­studien archiviert worden waren.

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Bei den Personen, die in den Folgejahren am Pankreaskarzinom erkrankten, wurden häufig erhöhte Plasmakonzentrationen der drei Aminosäuren Valin, Leucin und Isoleucin gefunden. Wolpin ermittelte eine Odds Ratio von 2,13 (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,43-3,15) auf ein Pankreaskarzinom für Teilnehmer im obersten Fünftel der Plasma­konzentrationen. Die Werte waren bereits Jahre vor der Diagnose des Pankreas­karzinoms erhöht. Die stärkste Assoziation trat 2 bis 5 Jahre vor der Diagnose auf.

Valin, Leucin und Isoleucin sind verzweigtkettige essenzielle Aminosäuren, die vor allem in den Proteinen des Muskelgewebes „verbaut“ werden. Ihr Anstieg im Plasma wird ein Marker für eine Tumorkachexie gedeutet, die mit einem vermehrten Abbau von Muskelgewebe einhergeht. In der Regel tritt die Kachexie erst im Spätstadium der Krebserkrankung auf. Dass diese Veränderungen beim Pankreaskarzinom noch vor der Diagnose beobachtet werden, war für Wolpin ein überraschender Befund.

Die Forscher konnten den Anstieg auch bei einem Mäusemodell der Erkrankung nachweisen. Mäuse, die infolge einer Kras-Mutation am Pankreaskarzinom erkrankten, hatten ebenfalls erhöhte Konzentrationen der verzweigtkettigen Aminosäuren im Plasma. Bei Krebserkrankungen in anderen Organen wurden diese kachektische Wirkung nicht beobachtet. Was die Kachexie auslöst, ist unklar. Eine vermittelnde Wirkung einer Pankreatitis konnten die Forscher in ihren Tierversuchen ausschließen. Als klinischer Marker in einem Screening-Test sind erhöhte Werte der drei verzweigtkettigen Aminosäuren nach Aussage der Autoren nicht geeignet. © rme/aerzteblatt.de

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