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Medizin

FDA sieht leicht erhöhte vaskuläre Risiken von Asthmamedikament Omalizumab

Dienstag, 30. September 2014

dpa

Rockville – Der Hersteller des Asthmamedikaments Omalizumab hat eine von der US-Arznei­behörde geforderte fünfjährige Beobachtungsstudie abgeschlossen. Das Krebsrisiko, das die Untersuchung ausgelöst hatte, wurde nicht bestätigt. Dafür wurde eine leicht erhöhte Rate von kardialen und zerebrovaskulären Ereignissen festgestellt, auf die jetzt in den Fachinformationen hingewiesen werden soll.

Die FDA hatte Omalizumab 2003 als Xolair zur Behandlung eines schweren persis­tierenden allergischen Asthma zugelassen. In Deutschland wurde das Medikament 2005 eingeführt. Omalizumab bindet und neutralisiert die für allergische Reaktionen verant­wort­lichen Antikörper vom IgE-Typ. Es ist heute auch zur Behandlung der chronischen spontanen Urtikaria zugelassen, deren Beschwerden Omalizumab ebenfalls lindert.

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In den Zulassungsstudien war es unter der Behandlung mit Omalizumab zu einer vermehrten Rate von Krebserkrankungen gekommen. Ein Zusammenhang war aufgrund der kurzen Behandlungszeit zwar unwahrscheinlich. Die FDA legte dem Hersteller dennoch die Durchführung einer Nachbeobachtungsstudie auf: „Epidemiologic Study of Xolair (omalizumab): Evaluating Clinical Effectiveness and Long-Term Safety in Patients with Moderate to Severe Asthma“ oder EXCELS hat über 5 Jahre die Daten von 5.007 Patienten, die mit Omalizumab behandelt wurden und 2.829 Kontrollen verglichen.

Eine vermehrte Rate von Krebserkrankungen wurde nicht beobachtet. Auf 1.000 Patienten und Jahr kamen unter Omalizumab 12,3 und in der Kontrollgruppe 13,0 Krebsdiagnosen. Ein vermehrtes Krebsrisiko lässt sich daraus nicht ablesen, auch wenn sich die FDA aus methodischen Gründen in diesem Punkt nicht festlegen möchte.

Wichtiger ist ein anderes Sicherheitssignal. In der EXCELS-Studie kam es über­raschenderweise zu einem Anstieg der kardiovaskulären und zerebrovaskulären Ereignisse. Die Inzidenz betrug unter Omalizumab 13,4 pro 1.000 Patientenjahre gegenüber 8,1 pro 1.000 Patientenjahre in der Vergleichsgruppe. Es kam häufiger zu Herzinfarkten, instabiler Angina, transitorisch ischämischen Attacken, zu Lungen­embolie/Venenthrombose und pulmonaler Hypertonie. Die Zahl der Schlaganfälle und der kardiovaskulären Todesfälle war dagegen nicht signifikant erhöht. Auch hier wurde eine klare Einstufung des Risikos durch methodische Schwächen der Studien verhindert.

Die FDA führte daraufhin eine zusammenfassende Analyse aus 25 randomisierten klinischen Studien mit 3.342 Omalizumab-behandelten und 2.895 Placebo-behandelten Patienten durch. Hier war kein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko erkennbar, was aber aufgrund des niedrigen Alters der Patienten nicht zu erwarten war.

Die FDA lässt deshalb Informationen über die Befunde eines leicht erhöhten Risikos von kardiovaskulären und zerebrovaskulären Ereignissen in die Fachinformationen aufneh­men. Dort findet sich auch ein Hinweis auf ein ungeklärtes Krebsrisiko. Den Ärzten wird geraten, die Notwendigkeit der Therapie regelmäßig zu überprüfen.

© rme/aerzteblatt.de

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