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Medizin

Mammakarzinom: Duale Antikörpertherapie verlängert Lebenszeit

Montag, 29. September 2014

dpa

Washington – Der doppelte Angriff auf den Rezeptor des Wachstumsfaktors HER2 kann die Überlebenszeiten von Patientinnen mit metastasiertem Mammakarzinom deutlich verlängern. Dies zeigen die jetzt auf der Jahrestagung der European Society for Medical Oncology in Madrid vorgestellten Abschlussergebnisse einer randomisierten Studie.

Mit Trastuzumab war im Jahr 2000 der erste monoklonale Antikörper zur Therapie des fortgeschrittenen Mammakarzinoms eingeführt worden. Trastuzumab blockiert den humanen epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor 2 (HER2), den die Krebszellen bei etwa einem Fünftel der Mammakarzinome ausbilden.

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Im letzten Jahr kam Pertuzumab (als Perjeta) vom gleichen Hersteller auf den Markt. Pertuzumab bindet ebenfalls an HER2, hat dort jedoch eine etwas andere Wirkung, weshalb der Wirkstoff nicht als Alternative zu Trastuzumab angeboten wird, sondern als Kombinationspartner. Die maßgebliche Studie war die CLEOPATRA-Studie (CLinical Evaluation Of Pertuzumab And TRAstuzumab), deren erste Ergebnisse 2012 auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium (SABCS) vorgestellt und im New England Journal of Medicine (2012; 366: 109-119) publiziert wurden.

Die Studie hatte 808 Patientinnen mit HER2-positivem metastasiertem Mammakarzinom auf eine Behandlung mit Placebo plus Trastuzumab oder auf Pertuzumab plus Trastuzumab randomisiert, wobei alle Patientinnen zusätzlich eine Chemotherapie mit Docetaxel erhielten. Schon 2012 zeichnete sich ab, dass die Teilnehmerinnen im nicht mehr heilbaren Stadium ihrer Krebserkrankung ungewöhnlich lange Überlebenszeiten hatten.

Nach 19,2 Monaten waren erst 163 von 808 Patienten gestorben. Das war ein deutlicher Fortschritt zur Zulassungsstudie von Herceptin, in der Trastuzumab (damals noch in Kombination mit Paclitaxel) die Überlebenszeit gegenüber einer alleinigen Chemo­therapie von 17 auf fast 25 Monate verlängerte.

Im Jahr 2012 war ein Einfluss von Pertuzumab auf das Gesamtüberleben noch nicht erkennbar. Die Zulassungsbehörden ließen sich damals jedoch von der Verlängerung des progressionsfreien Überlebens von 12,4 auf 18,5 Monate überzeugen. Perjeta wurde in den USA 2012 und bald darauf in Europa zugelassen. In Deutschland wurde das Medikament im April 2013 eingeführt. Jetzt liefert der Hersteller die Ergebnisse zum Gesamtüberleben nach: Pertuzumab verlängerte die mittlere Überlebenszeit von 40,8 auf 56,5 Monate. Dies ergibt einen Unterschied von 15,7 Monaten. Dies ist ein ungewöhnlich deutlicher Vorteil. In der Onkologie wird eine Zunahme um ein bis zwei Monate oft schon als Durchbruch gewertet.

Aufgrund der Studienergebnisse können Frauen mit einem fortgeschrittenen Mamma­karzinom heute auf eine Überlebenszeit von durchschnittlich fünf Jahren hoffen. Sie müssen dafür allerdings eine Reihe von Nebenwirkungen ertragen. In der Studie waren dies Durchfall, Hautausschlag, Schleimhautentzündung, Kopfschmerzen, Infektion der oberen Atemwege, Juckreiz, Leukopenie mit Fieber, trockene Haut und Muskelkrämpfe. Die häufigsten schweren Toxizitäten vom Grad 3 bis 4 (bei mehr als 10 Prozent der Patientinnen) waren Leukopenie, Fieber und eine Neutropenie.

Der Hersteller strebt eine Ausweitung der Indikation an. In der NeoSphere-Studie konnte die duale Antikörpertherapie den Anteil der Patientinnen erhöhen, bei denen eine neoadjuvante Therapie eine komplette Remission zum Zeitpunkt der Operation erzielt (Lancet Oncology 2012; 13: 25-32). In der APHINITY-Studie wird derzeit untersucht, ob die Kombination in der adjuvanten Chemotherapie beim Frühkarzinom die Überlebens­chancen verbessert.

© rme/aerzteblatt.de

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