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Politik

Deutschlands größte Gesundheitsstudie startet bundesweit

Dienstag, 30. September 2014

Berlin – Deutschlands größte Gesundheitsstudie, die Nationale Kohorte, geht am 1. Oktober nun bundesweit an den Start. Leitgedanke der derzeit größten deutschen Bevölkerungsstudie ist „Gemeinsam forschen für eine gesündere Zukunft“. In den kommenden 20 bis 30 Jahren sollen 200.000 zufällig ausgewählte Männer und Frauen im Alter von 20 bis 69 Jahren insgesamt 18 bundesweiten Studienzentren mehrfach untersucht werden.

Die Nationale Kohorte (NatKo) ist ein gemeinsames interdisziplinäres Vorhaben von Wissenschaftlern aus der Helmholtz-Gemeinschaft, den Universitäten und anderen Forschungsinstituten in Deutschland. Ihr Ziel ist es, die Entstehung der wichtigsten chronischen Krankheiten (Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems und der Lunge, Diabetes, Krebs, neurodegenerative/-psychiatrische und Infektionskrankheiten) sowie ihrer subklinischen Vorstufen und funktionellen Veränderungen zu untersuchen. Die Ergebnisse dieser Studie sollen neue Möglichkeiten zur Prävention, Vorhersage und Früherkennung der wichtigsten Volkskrankheiten aufzeigen.

Finanziert wird die groß angelegte Gesellschaftsstudie durch den Bund, die beteiligten Länder und die Helmholtz-Gemeinschaft mit insgesamt 210 Millionen Euro. Das Robert Koch-Institut in Berlin übernimmt die zentrale externe Qualitätssicherung für die Kohorte. Dazu gehören Dokumentenprüfungen, Site Visits in den Studienzentren, Datenzentren und eine zentrale Biobank in München.

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Schwerpunkt in Berlin: Menschen mit Migrationshintergrund
In Berlin öffnen ab 1. Oktober drei Studienzentren. Eines davon ist das Studienzentrum Berlin-Mitte. Hier sollen 10.000 Berliner medizinisch untersucht und nach ihren Lebens­umständen befragt werden. Einer der Schwerpunkte des Studienzentrums Berlin-Mitte ist es, den Gesundheitszustand von Berlinerinnen und Berlinern mit Migrationshintergrund zu untersuchen.

„Ein Migrationshintergrund kann die Chance beeinträchtigen, eine adäquate medizinische Behandlung zu erhalten; beispielsweise wenn Probleme mit der deutschen Sprache bestehen“, erläuterte Knut Nevermann, Staatssekretär für Bildung, Jugend und Wissenschaft in Berlin. Insbesondere Frauen seien oft Mehrfachbeanspruchungen ausgesetzt, etwa durch ungünstige Arbeitsbedingungen, Anforderungen durch die Familie und Anpassung an eine fremde Kultur.

Auch das Land Berlin unterstützt das Projekt in den nächsten zehn Jahren mit bis zu fünf Millionen Euro. „Risikofaktoren von Volkskrankheiten zu identifizieren, Wege einer wirksamen Prävention aufzuzeigen und Möglichkeiten der Früherkennung zu entwickeln, gehören zu den größten Herausforderungen in der Medizin. Daher sind die Zuwen­dungen im Sinne von Vorsorge und Therapie bestens angelegtes Steuergeld“, sagte Cornelia Yzer, Berliner Senatorin für Wirtschaft, Technologie und Forschung, anlässlich der bevorstehenden Eröffnung in Berlin.

Untersuchung der Probanden dauert drei bis sechs Stunden
Das Untersuchungsprogramm dauert zwischen drei bis sechs Stunden und beinhaltet neben den Befragungen zur Lebensweise und zu Vorerkrankungen auch medizinische Untersuchungen. So werden zum Beispiel Größe, Gewicht, Körperzusammensetzung, Handgreifkraft, körperliche Aktivität, Zuckerstoffwechsel, Blutdruck und Lungenfunktion gemessen. Im Labor werden Cholesterin- und andere Blutwerte ermittelt.

Einige der Teilnehmer erhalten zusätzlich eine 3D-Ultraschalluntersuchung des Herzens und eine Ganzkörper-Kernspintomographie. Alle Untersuchungen sind freiwillig. Die Teilnehmer, die es wünschen, werden über die Untersuchungsergebnisse informiert. Nach fünf Jahren erfolgt die nächste Untersuchung mit identischem Programm. Zusätzlich werden Abgleiche mit epidemiologischen Registern sowie mit Quellen für Sekundärdaten durchgeführt.

„Der Erfolg der Studie steht und fällt mit dem Engagement der Bevölkerung. Jeder einzelne Teilnehmer trägt mit dazu bei, die Erforschung der Volkskrankheiten voran zu bringen. So haben wir - vielleicht nicht hier und heute, aber doch langfristig - eine bessere Gesundheitssituation in Deutschland“, betonte Karl Max Einhäupl, Vorstandsvorsitzender der Charité – Universitätsmedizin Berlin. © ER/aerzteblatt.de

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