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Berufliche Wiedereingliederung nach ZNS-Erkrankungen besonders schwierig

Dienstag, 30. September 2014

Erlangen/Berlin – Auf die besonderen Probleme von Patienten mit neurologischen und psychiatrischen Krankheiten beim Wiedereinstieg in den Beruf hat der Spitzenverband ZNS (SPiZ) hingewiesen. Ein Grund für die Probleme sei, dass manche Krankheitsfolgen unauffällig seien, sich erst im Laufe der Wiedereingliederung zeigten und oft übersehen oder fehlgedeutet würden, erläuterte Paul Reuther vom SPiZ auf der 50. wissenschaft­lichen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP) Ende September in Erlangen.

„Gerade geringere und unterschwellige Funktionsdefizite können die Belastbarkeit im Alltag und im Beruf deutlich vermindern und zum Scheitern einer beruflichen Einglie­derung führen“, erläuterte Reuther gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Reuther ist Vorstandsmitglied des Berufsverbandes Deutscher Nervenärzte (BVDN) und Leiter eines ambulanten neurologischen Rehabilitationszentrums. „Das betrifft allein im neurolo­gischen Bereich jedes Jahr zwischen 70.000 und 100.000 Menschen in Deutschland“, machte der Reha-Experte die Dimension deutlich.

Leicht- und mittelgradige Defizite zeigen sich oft erst unter beruflicher Belastung
Problematisch sind laut Reuther zunächst kaum messbare sogenannte neuropsycho­logische Defizite, die sich aber unter beruflicher oder sonstiger Belastung wieder zeigten. Der Betroffene erledige Tätigkeiten zunächst gut, werde dann beispielsweise langsamer als gewohnt, habe Schwierigkeiten, sich länger zu konzentrieren und ermüde schneller.

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Diese Defizite können unter anderem nach Schlaganfall, Schädelhirntrauma, multipler Sklerose oder nach einer diffusen Minderversorgung des Gehirns nach längerer künstlicher Beatmung oder Herzoperationen auftreten. Insbesondere bei den leicht- oder mittelgradigen dieser Fälle kommt es häufig zu Schwierigkeiten bei der Wiedereinglie­derung in den Beruf.

Betroffene und Familie verkennen oft Belastbarkeit
Grund dafür ist, dass der Betroffene selbst, seine Familie und seine Arbeitswelt die verminderte Belastbarkeit häufig verkennen. „Sie sehen eine vordergründig sehr erfolgreiche Gesundung der Gehirnerkrankung, erinnern sich an die gute Leistungsfähigkeit vor der Erkrankung und sind verwundert, warum sich unter der zunehmenden Arbeitsbelastung nun doch wieder Defizite zeigen“, erläuterte Reuther.

Die neuropsychologischen Symptome seien aber behandelbar. „Wichtig ist, dass gerade Patienten mit leichteren oder mittleren Beeinträchtigungen ihre Arbeitsperspektive möglichst noch in der medizinischen Reha wieder ins Auge fassen und früh in die berufliche Wiedereingliederung einsteigen. Dabei müssen sie individuell und fachkundig betreut werden“, so Reuther.

Patient, Arbeitgeber und Arzt sollten gemeinsam am Arbeitsplatz herausfinden, wie belastbar der Patient zum jeweiligen Zeitpunkt ist, und welche Hilfen er noch benötigt. Der SPiZ fordert deshalb, der Gemeinsame Bundes­aus­schuss sollte in der Arbeitsun­fähigkeits-Richtlinie der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) die stufenweise Wiedereingliederung in den Beruf für neurologische und psychiatrische Patienten verbessern.

"Hamburger Modell" sollte um therapeutische Begleitleistung ergänzt werden
Die auch „Hamburger Modell“ genannte stufenweise Wiedereingliederung sollte im GKV-Bereich um eine therapeutische Begleitleistung ergänzt werden. Solche Begleitleistungen könnten Beratung, Koordination, Supervision oder Coaching umfassen. Diese Betreuung sollte flexibel erfolgen können, unter anderem am Arbeitsplatz selbst, weil dort die Probleme auftreten. „Eine neurokundige Begleitung der Belastungserprobung am eigenen Arbeitsplatz ist bisher im nachsorgenden Leistungsangebot der GKV nicht und bei der Gesetzlichen Rentenversicherung nur in geringem Umfang, zu kurz und oft sehr spät erst verfügbar“, so Reuther.

Außerdem sollten Kostenträger und Medizinischer Dienst der Krankenkassen während der stufenweisen Wiedereingliederung weniger Zeit- und Erfolgsdruck auf den neurolo­gischen oder psychiatrischen Patienten ausüben. Erfolgreiche Anpassungsarbeit bei neuropsychiatrischen Gesundheitsstörungen benötige Zeit.

Nur der beteiligte Neurologe, Psychiater oder Neuropsychologe sollten die stufenweise Steigerung der Arbeitszeit oder der Arbeitsinhalte vorgeben und sich dabei eng mit Arbeitgeber, Arbeitsmediziner oder Job-Coach abstimmen können. Diese Versorgungsleistungen müssen laut dem SPiZ klar definiert werden und über die Gebührenordnungen der jeweiligen Beteiligten sicher finanziert sein. © hil/aerzteblatt.de

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