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Medizin

US-Neurologen fordern Einschränkung von Opiat-Analgetika

Dienstag, 30. September 2014

Seattle – Angesichts einer Epidemie von Opiat-bedingten Todesfällen in den USA mahnt die American Academy of Neurology (AAN) einen zurückhaltenden Einsatz der Schmerzmittel bei nicht an Krebs erkrankten Patienten an. Die Risiken sind laut dem Positionspapier in Neurology (2014; 83: 1277-1284) weitaus höher als ein vielfach unbewiesener Nutzen.

Bis Mitte der 90er Jahre war in den USA der Einsatz von Opiat-Analgetika (außer in der Anästhesie) auf die Behandlung von Krebspatienten beschränkt. Ärzte, die die Betäu­bungsmittel außerhalb der Indikationsgrenzen einsetzten, machten sich strafbar und mussten mit einer Verurteilung rechnen. Ende des Jahrzehnts wurden jedoch auf Initiative des medizinischen Fachverbands Federation of State Medical Boards (FSMB) die Regeln gelockert.

Die Folge war nicht nur ein erwünschter Anstieg der Opiat-Verordnungen zur Schmerz­therapie von nicht onkologischen Patienten. Es kam auch zu einem aus Sicht der AAN dramatischen Anstieg der durch Opioide ausgelösten Todesfälle bei Patienten oder anderen Menschen, die in den Besitz der starken Betäubungsmittel gelangt waren.

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Im Jahr 2010 wurden in den USA 16.651 Todesfälle durch Opiat-Überdosierungen registriert. Bis heute seien mehr als 100.000 Menschen durch Opiate ums Leben gekommen, schreibt eine Gruppe um AAN-Mitglied Gary Franklin von der University of Washington School of Public Health in Seattle. Das seien mehr Opfer als im gesamten Vietnam-Krieg (58.000).

Das Abhängigkeitspotenzial von Opiat-Analgetika werde von der Öffentlichkeit, aber auch von Ärzten unterschätzt, heißt es in dem Positionspapier. Studien würden zeigen, dass 50 Prozent aller Patienten, die länger als drei Monate mit Opiat-Analgetika behandelt werden, diese auch nach fünf Jahren noch benötigen – und zwar weniger zur Behandlung der Schmerzen, als zur Bedienung einer Abhängigkeit. Denn obwohl Opiat-Analgetika starke Schmerzen kurzfristig lindern, gibt es aus Sicht der AAN keine substan­ziellen Belege dafür, dass die Mittel eine anhaltende Schmerzlinderung erzielen würden oder die Funktionsfähigkeit der Patienten verbessern.

Die AAN fordert zwar nicht ausdrücklich ein Verbot von Opiat-Analgetika zur Behandlung von nicht an Krebs leidenden Patienten, sie raten den Ärzten jedoch dringend, die Behandlung zu delegieren, wenn die Opiatdosis 80 bis 120 Morphinäquivalente überschreitet. Die AAN rät den Ärzten, mit ihren Patienten einen Behandlungsvertrag abzuschließen, der die Verwendung der Schmerzmittel festlegt (bisher werden die Mittel häufig an andere Personen weitergegeben).

Sie sollten die Patienten auf einen derzeitigen oder früheren Drogenmissbrauch und auf Depressionen screenen und Urinproben in unregelmäßigen Abständen kontrollieren. Die Opiate sollten nicht in Kombination mit Sedativa-Hypnotika verschrieben werden und die Notwendigkeit der Schmerztherapie sollte regelmäßig kontrolliert werden. Die Ärzte sollten die Patienten auch die täglich benötigte Menge protokollieren lassen. © rme/aerzteblatt.de

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