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Medizin

Hepatitis A durch Granatapfelsamen

Mittwoch, 1. Oktober 2014

dpa

Atlanta – Durch den globalen Handel mit Nahrungsmitteln können auch Krankheits­erreger über große Entfernungen verbreitet werden. Im letzten Jahr kam es in den USA in mehreren Staaten zu auffälligen Hepatitis A-Erkrankungen, die jetzt in einer Studie in Lancet Infectious Diseases (2014; 14: 976-981) auf Granatapfelsamen aus der Türkei zurückgeführt werden konnten.

Da die Hepatitis A nicht chronisch verläuft, wird sie häufig als relativ harmlose Infektion („Leberschnupfen“) eingestuft. Tatsächlich verläuft die Hepatitis A in Ländern, in denen nicht geimpft wird, meistens glimpflich. Für die meisten Menschen dort ist es eine „Kinder­­krankheit“. Im höheren Lebensalter kann die Erkrankung jedoch einen schweren, lebensgefährlichen Verlauf nehmen. So erkrankten im letzten Jahr in zehn US-Staaten 163 Menschen an einer schweren Hepatitis A: 69 mussten hospitalisiert werden, bei zwei Patienten kam es zu einem fulminanten Verlauf. Todesfälle waren allerdings nicht zu beklagen.

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Die meisten Patienten waren zwischen 40 und 64 Jahre alt und gehörten damit zu Jahrgängen, die nicht gegen Hepatitis A geimpft worden waren. Auch alle elf Kinder, die erkrankten, waren nicht geimpft. Den Gesundheitsbehörden gelang es relativ schnell, den Ausbruch auf ein Produkt der Firma Townsend Farms zurückzuführen. Es hatte eine Mischung aus gefrorenen Beeren als „Organic Antioxidant Blend“ verkauft, offenbar als Gesundheitsnahrungsmittel, das die Abwehrkräfte steigern sollte. Doch das Produkt enthielt nicht nur Antioxidanzien, sondern offenbar auch Hepatitis-Viren.

Die Viren konnten in dem Nahrungsmittel selbst zwar nicht nachgewiesen werden. Die epidemiologischen Hinweise waren jedoch zwingend. In den Faeces der Infizierten wurden Viren des Hepatitis A-Virus vom Genotyp 1B nachgewiesen. Dieser Genotyp ist in den USA nicht verbreitet, wohl aber im Nahen Osten. Aus der Türkei hatte der Hersteller Granatapfelsamen importiert, die neben Kirschen aus den USA und Erdbeeren aus Argentinien Bestandteile der antioxidativen Mischung waren.

Als Lieferant wurde die Firma Göknur identifiziert. Sie wurde zwischenzeitig von der FDA mit einem Import-Stopp belegt. Durch die rasche Aufklärung konnte möglicherweise eine größere Epidemie verhindert werden, glauben Melissa Collier und Mitarbeiter von den CDC. Die FDA hatte frühzeitig einen Warnhinweis veröffentlicht und der Händler hatte sich bereit erklärt, mehr als 250.000 Kunden durch automatische Telefonanrufe zu alarmieren. Die Handelskette organisierte außerdem eine Impfaktion in seinen Läden, an der mehr als 10.000 Personen teilgenommen haben sollen. © rme/aerzteblatt.de

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