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Ausland

US-Behörden suchen im Großraum Dallas nach weiteren Ebola-Kranken

Donnerstag, 2. Oktober 2014

dpa

Dallas – Nach der ersten Ebola-Diagnose in den USA sind die Behörden im Großraum Dallas auf der Suche nach möglichen weiteren Infektionen. Fünf Schüler, die mit einem aus Liberia eingereisten Kranken in Kontakt gekommen waren, standen nach Regierungs­angaben vom Mittwoch unter medizinischer Überwachung. Weitere Verdachtsfälle wurden geprüft. Derweil nahm die neue Ebola-Mission der UNO (Unmeer) für Westafrika am Donnerstag ihre Arbeit auf.

Es ist der erste Fall seit Beginn der aktuellen Epidemie, dass ein Mensch sich in Afrika mit Ebola infizierte und dann außerhalb des Kontinents erkrankte. Der Mann war vor etwa zehn Tagen aus dem westafrikanischen Liberia in die USA geflogen. Das Virus sei in einem Labor zweifelsfrei nachgewiesen worden, sagte der Leiter der US-Gesund­heitsbehörde CDC, Thomas Frieden. Insgesamt seien 18 Menschen bekannt, die mit dem Patienten in Berührung gekommen sein könnten.

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Kritik am Krankenhaus in Dallas
Unterdessen mehrt sich in den USA Kritik am Vorgehen des Texas Health Presbyterian Krankenhauses in Dallas, wo der schwer erkrankte Patient behandelt wird. Er hatte sich erstmals am 26. September mit Symptomen dorthin begeben, war aber zunächst nicht auf Ebola hin untersucht und mit Medikamenten wieder nach Hause geschickt worden. Erst zwei Tage später kam er erneut ins Krankenhaus und wurde dann positiv auf Ebola getestet.

Im Flugzeug ist von dem Patienten nach Einschätzung des Hamburger Virusexperten Jonas Schmidt-Chanasit noch keine Ansteckungsgefahr ausgegangen. „Der Mann war nicht erkrankt, als er im Flieger war. Da ist das Risiko null“, sagte der Leiter der Virus­diagnostik des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin. Mitreisende könnten sich nur bei erkrankten Personen infizieren, die Fieber haben oder andere Beschwerden zeigten. Durch den internationalen Flugverkehr sei es möglich, „dass mal so ein Fall nach Deutschland importiert wird“. „Es wird aber niemals bei uns zu so einem Ausbruch kommen wie in Westafrika. Unser Gesundheitssystem und unsere kulturellen Voraussetzungen sind ganz andere.“

Liberias Regierung äußerte ihr „Bedauern“ darüber, dass trotz strikter Sicherheitsvor­kehrungen in Monrovia nun auch in den USA ein Ebola-Fall aufgetaucht sei. Der Vorfall dokumentiere „die klare internationale Dimension dieser Ebola-Krise“, erklärte das liberianische Informationsministerium am Donnerstag. Auf Liberia entfallen fast zwei Drittel der mehr als 3.300 in Westafrika registrierten Ebola-Toten. Die anderen beiden Krisenzentren sind Guinea und Sierra Leone.

Liberia: Stabilisierung in der Erkrankungsstatistik
Inzwischen weist die Seuchenstatistik laut Liberias Staatsführung allerdings „eine Stabilisierung“ der Infektionsrate aus: Die Zahl der Menschen, die mit Gesundheits­beschwerden in Behandlungszentren vorsprächen, steige nicht mehr so schnell wie bisher, sagte Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf. Es bestehe also die Hoffnung, „dass wir endlich auf dem Lösungsweg sind“.

Die UN-Mission zur Eindämmung der Epidemie lief am Donnerstag offiziell an. Der Unmeer-Sonderbeauftragte Anthony Banbury verschaffte sich in Monrovia ein Bild von der Lage und sollte anschließend nach Guinea und Sierra Leone weiterreisen.

Wegen der heiklen Sicherheitslage in den Seuchengebieten forderte die SPD-Gesund­heitsexpertin Hilde Mattheis einen generellen Verzicht auf Abschiebungen in die betroffenen Länder. „Bund und Länder sollten dem Beispiel von Rheinland-Pfalz, Hamburg und Niedersachsen folgen und einen Abschiebungsstopp von Flüchtlingen in die von Ebola betroffenen Gebiete erlassen“, erklärte Mattheis. Die sich täglich verschärfende Lage in Westafrika gebe Anlass genug dafür.  

WHO: 1500 Dosen Ebola-Impfstoff warten auf Einsatz
Unterdessen teilte die Welt­gesund­heits­organi­sation mit, Anfang 2015 testweise mindestens 1.500 Dosen eines experimentellen Ebola-Impfstoffes in Westafrika eingesetzen zu wollen. Kanada hat der Genfer UN-Behörde die Substanz gespendet, die erstmals in den kommenden Tagen in den USA an gesunden Probanden getestet werden soll. Tests mit einem zweiten erfolgversprechenden Impfstoff laufen bereits seit September in den USA und Großbritannien.

Erkenntnisse zu Sicherheit, Wirkung und Dosierung sollen nach dem Plan der WHO bis Jahresende vorliegen. Im Januar oder Februar sollen dann breitere Tests in den betroffenen westafrikanischen Ländern beginnen. Gleichzeitig könnte dann auch schon medizinisches Personal geimpft werden, sagte die WHO am Ende von mehrtägigen Beratungen mit Impfexperten. Sie warnten, dass die Skepsis gegenüber westlicher Medizin und die Kühlung der Impfstoffe Probleme bereiten könnten. © afp/aerzteblatt.de

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Bernett
am Samstag, 4. Oktober 2014, 16:12

Stechmücken als mögliche Überträger von Ebola

Der Stechrüssel von Insekten kann bei hochfiebernden Ebola- Kranken als Virus-Überträger fungieren, weil die Viren am und im Stechrüssel dann zahlreich genug sind, um bei Gesunden beim Stechen eine Ebola- Infektion zu bewirken.
Deshalb sollten unbedingt Fliegengitter und Moskitonetze entsprechend verwendet werden!
LNS

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