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Medizin

Geruchssinn und Lebenserwartung

Donnerstag, 2. Oktober 2014

dpa

Chicago – Wer gut riechen kann, lebt länger. Zu diesem Ergebnis kommt eine Beobachtungsstudie in PLOS ONE (2014; doi 10.1371/journal.pone.0107541). Die Forscher vergleichen dort den Geruchssinn mit der früheren Warnfunktion des Kanarienvogels im Bergwerk.

Die Bedeutung des Geruchssinns für den Menschen wird meistens unterschätzt, meint Jayant Pinto von der Universität Chicago. Der Mensch sei zwar in der heutigen Welt weniger auf eine feine Nase angewiesen als andere Säugetiere. Gerüche hätten jedoch nach wie vor eine Warnfunktion, mit denen Feuergefahr oder verdorbene Speisen rechtzeitig erkannt werden können.

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Gerüche sind eng mit dem Gedächtnis verbunden, sie steuern Gefühle und bestimmen soziale Beziehungen. Die Leistung des menschlichen Riechorgans sollte nicht unter­schätzt werden, findet Pinto. Es gehöre neuroanatomisch zu den ältesten Regionen des Gehirns und sei mit wichtigen Zentren des Nervensystems verbunden. Die Geruchs­wahrnehmung ist laut Pinto zudem biologisch sehr anspruchsvoll. Die Zellen des Riech­epithels und die Zellen des Hippocampus, wo Geruchswahrnehmungen gespeichert werden, müssen regelmäßig erneuert werden. Sie gehören zu den Zentren mit der größtem Plastizität im Gehirn.

Dies macht das Riechsystem anfällig für Alterungsvorgänge. Wenn im Alter die Rege­nerationsfähigkeit verloren geht, macht sich dies unter Umständen zuerst in einer verminderten Geruchswahrnehmung bemerkbar. Bekannt ist auch, dass Menschen mit Morbus Alzheimer häufig Riechstörungen als erstes Symptom angeben.

Pinto hat hierzu die Daten der National Social Life, Health and Aging Project (NSHAP) ausgewertet. Die 3.005 Teilnehmer im Alter zwischen 57 und 85 Jahren hatten 2005-06 auch einen Riechtest zu bestehen. Sie sollten dort zwischen fünf Gerüchen (Pfefferminz, Fisch, Orange, Rose und Leder) unterscheiden. Bei einer zweiten Untersuchung fünf Jahre später waren 430 Teilnehmer (12,5 Prozent) der Kohorte gestorben.

Darunter waren auffällig viele, die in dem ersten Riechtest gepatzt hatten. In der kleinen Gruppe, die vier bis fünf Gerüche nicht erkannt hatte, waren 39 Prozent der Teilnehmer gestorben. In der Gruppe mit mittleren Ergebnissen betrug die Sterberate 19 Prozent, und von denen, die höchstens einen Geruch nicht erkannt hatten, waren nur 10 Prozent gestorben.

Die Ergebnisse waren signifikant, und sie konnten in einer adjustierten Analyse nicht auf andere Ursachen zurückgeführt werden. Dies bedeutet natürlich nicht, dass die Menschen an den Folgen ihrer verminderten Riechfähigkeit gestorben waren. Der Geruchssinn könnte aber durchaus ein allgemeiner Marker für die Gesundheit sein und sein Ausfall ist für Pinto ein ähnliches Warnzeichen wie früher der ausbleibende Gesang des Kanarienvogels, der die Bergleute vor tödlichen Giftgasen warnte. © rme/aerzteblatt.de

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