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Politik

Zweiter Ebola-Patient in Deutschland wird in der Uniklinik Frankfurt behandelt

Freitag, 3. Oktober 2014

Isolierstation der Frankfurter Universitätsklinik /dpa

Wiesbaden/Frankfurt/Main - Deutschland hat einen zweiten Ebola-Patienten aufge­nommen. Der infizierte Arzt kam Freitagmorgen mit einem Ambulanzflug in Frankfurt an, wo er nun auf der Isolierstation bei der Uniklinik behandelt wird. „Der Patient ist in sehr ernstem Zustand, aber zumindest bis jetzt in diesem Zustand stabil“, sagte Oberarzt Timo Wolf am Freitag in Frankfurt. Es bestehe die „durchaus berechtigte Hoffnung, dass der Patient diese Erkrankung gut überstehen kann“. Man müsse die nächsten Tage abwarten.

Der Mediziner aus Uganda habe für eine italienische Hilfsorganisation gearbeitet und sich in Sierra Leone mit dem gefährlichen Ebola-Virus angesteckt, sagte Hessens Gesundheits­minister Stefan Grüttner (CDU) in Wiesbaden.

Den Flug nach Frankfurt hatte der erkrankte Arzt in einem sogenannten Inkubationszelt verbracht. Der Infizierte sei zwar sehr angestrengt nach dem Flug, habe diesen aber den Umständen entsprechend gut überstanden, sagte der Leiter des Kompetenzzentrums Frankfurt, Professor René Gottschalk.

In Frankfurt wurde der Erkrankte unter strengen Sicherheitsmaßnahmen mit einem Spezialfahrzeug in die Klinik gebracht. Mehrere Helfer in Ganzkörper-Schutzanzügen begleiteten den Transport. Die Isolierstation des Frankfurter Klinikums verfügt unter anderem über eine eigene Luftversorgung.

Unterstützende Therapie ohne experimentelle Mittel

Der Erkrankte bekomme eine unterstützende Therapie, erläuterten die Ärzte. Experimentelle Arzneien würden derzeit nicht eingesetzt. Die Mediziner versorgen ihren Patienten mit Flüssigkeit und behandeln die Symptome. Zudem gehört zur Therapie die Unterstützung von beispielsweise Kreislauf oder Atmung. Für die nächsten Tage ist geplant, dass acht Ärzte im Schichtdienst und mehrere Pfleger im Einsatz sind.

Nach den ersten Stunden der Behandlung kann Oberarzt Timo Wolf sagen:

„Die Maßnahmen sind bislang reibungslose gelaufen.“ Der Zustand des Patienten sei derzeit stabil, aber sehr ernst. Die nächsten Tage werden entscheidend sein, sagt er. Details nennt er nicht - die Frankfurter Ärzte sind an die Schweigepflicht gebunden.

Der erkrankte Arzt ist der zweite Ebola-Patient, der in Deutschland behandelt wird. Ende August wurde ein Kranker an die Uniklinik Hamburg-Eppendorf gebracht. Man stehe mit den Kollegen in Kontakt und tausche sich aus, sagt Wolf, der in Frankfurt Oberarzt der Infektiologie ist.

Die Isolierstation liegt etwas abseits vom Hauptkomplex der Klinik. Ein Bauzaun umgibt das Gebäude, Wachleute sind im Einsatz. Die Frankfurter haben Erfahrung mit Schwerkranken: Hier wurden bereits

Sars- oder Lassafieberpatienten behandelt. Die Bevölkerung müsse sich keine Sorgen machen, sagt Kai Zacharowski, der stellvertretende ärztliche Direktor. Es gebe keine Gefahr für die Bürger.

Isolierstation luftdicht abgeschottet

Die Mediziner und Pfleger werden nicht nur durch Anzüge der höchsten Schutzstufe geschützt, sondern auch durch die Bauweise der Isolierstation. Die ist nach Angaben der Klinik luftdicht abgeschottet, die Abluft wird gefiltert und alle Gegenstände, die im Isolierzimmer waren, werden danach entweder vernichtet oder sorgfältig desinfiziert. Das alles sei schon sehr sicher, sagt Wolf.

Und: „Es gibt, was die Versorgung betrifft, auch Erkrankungen, die vielleicht sogar etwas problematischer sind als Ebola.“

Die italienische Hilfsorganisation sei mit der Bitte um Hilfe über die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) an das Auswärtige Amt herangetreten, erklärte Minister Grüttner die Aufnahme des Mannes in Deutschland. Die italienische Hilfsorganisation übernehme auch die Kosten für seine Versorgung. Der hessische Ge­sund­heits­mi­nis­ter zeigte Bereitschaft, weitere Ebola-Patienten aufzunehmen. Aktuell gebe es aber keine zusätzlichen Anfragen.

USA: Kontaktpersonen eines Erkrankten weiter gesucht

Im US-Bundesstaat Texas wird derzeit ein Mann behandelt, der sich in Afrika mit Ebola infiziert hatte. Er reiste in die USA, und dort brach die Krankheit aus. Die US-Gesundheitsbehörden versuchen mit allen Mitteln, die Gefahr einzudämmen. Hunderte Mediziner und Helfer sind unterwegs, um Kontaktpersonen des Mannes zu finden, zu untersuchen und wenn nötig zu isolieren.

Vier Menschen in den USA sind in Quarantäne, und die Gesundheitsbehörde CDC kann weitere Erkrankungen nicht ausschließen. „Es kann weitere Fälle geben, aber es wird keine Ausbreitung geben“, sagte CDC-Behördenchef Tom Frieden. Etwa 100 Menschen aus dem Umfeld des Kranken sollen untersucht werden.

Der Mann verschwieg Medien zufolge bewusst Kontakte mit erkrankten Personen. Auf einem Kontrollformular am Airport erklärte er nach Angaben der Regierung in Monrovia wider besseren Wissens, er sei in den zurückliegenden drei Wochen nicht mit Kranken in Berührung gekommen, berichtete die liberianische Zeitung Front Page Africa am Freitag. In Wirklichkeit habe der Mann unter anderem fünf Tage vor seinem Abflug am 19. September wissentlich einer an Ebola erkrankten schwangeren Frau geholfen. Sie sei wenig später gestorben.

Liberias Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf erklärte, sie sei „sehr verärgert“. Sie lasse Möglichkeiten einer strafrechtlichen Verfolgung wegen des Belügens von Regierungsbehörden durch die Falschangaben auf seinem Ausreise-Fragebogen prüfen, sagte sie dem kanadischen Sender CBC. Das Leugnen von Kontakten mit an Ebola erkrankten Menschen sei in Liberia weit verbreitet und mit ein Grund dafür, dass das Virus in dem Land so schwer zu bekämpfen sei, hieß es in der „Front Page Africa“.

Kameramann vom US-Sender NBC infiziert

Wie NBC News derweil mitteilte, erkrankte ein in Liberia für den US-Sender arbeitender Kameramann an Ebola. Der aus den USA stammende Freiberufler werde zur Behandlung in die Vereinigten Staaten gebracht, hieß es. NBC News zufolge war der Mann am Dienstag für Dreharbeiten in der Hauptstadt Monrovia engagiert worden. Die übrigen NBC-Mitarbeiter würden ebenfalls in die USA ausgeflogen und dort zunächst für drei Wochen unter Quarantäne gestellt, teilte die Chefin des Senders, Deborah Turness, mit.

Von der Ebola-Epidemie in Westafrika sind Guinea, Liberia und Sierra Leone am stärksten betroffen. Insgesamt sind in den drei Ländern nach Angaben der WHO bis zum 28. September 7157 Erkrankungen (bestätigte und Verdachtsfälle) und 3300 Todesfälle erfasst worden. © dpa/aerzteblatt.de

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