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Medizin

Lebendgeburt aus transplantiertem Uterus

Montag, 6. Oktober 2014

Göteborg – In Schweden hat weltweit erstmals eine Frau ein Kind mit einem transplantierten Uterus erfolgreich ausgetragen. Der Säugling, der in der 31. Gestationswoche per Kaiserschnitt entbunden wurde, ist nach Angaben der Ärzte im Lancet (2014; doi: org/10.1016/ S0140-6736(14)61728-1) gesund.

Die 36-jährige Mutter war ohne Uterus geboren worden. Die Ärzte hatten eine Variante des Rokitansky-Syndroms diagnostiziert, der eine Agenesie der Müllerschen Gänge zugrunde liegt. Die Frau war ohne Uterus, Vagina und nur mit einer Niere geboren worden. Im letzten Jahr hatte ein Gynäkologenteam um Mats Brännström von der Universität Göteborg ihr den Uterus einer seit 7 Jahren postmenopausalen 61-jährigen Spenderin implantiert und mit einer Neovagina verbunden.

Die Uterus-Transplantation gilt aufgrund der Gefäßverbindungen als sehr kompliziert. Das schwedische Team hat in einer mehr als zehnjährigen Forschung ein Verfahren entwickelt, das bisher bei sieben von neun Frauen erfolgreich war. Zwei Versuche an anderen Kliniken sind laut Brännström gescheitert oder endeten mit einer Fehlgeburt in der sechsten Gestationswoche.

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Die Transplantation des Uterus war im vergangen Jahr durchgeführt worden. Die Operation hatte bei der Spenderin mehr als zehn Stunden und bei der Empfängerin fast fünf Stunden gedauert. Die Empfängerin wurde seither mit Immunsuppressiva behandelt, um eine Abstoßung des Uterus zu verhindern. Es kam in der Folge zu zwei Abstoßungskrisen, die erfolgreich behandelt werden konnten.

Bereits 43 Tage nach der Transplantation kam es zur ersten spontanen Menstruation, die danach regelmäßig auftrat. Die Ärzte implantierten ihr einen Embryo, der aus einer In-vitro-Fertilisation stammte. Während der Schwangerschaft wurde die Immun­suppression mit Tacrolimus, Azathioprin und Kortikosteroiden fortgesetzt. Es kam erneut zu einer Abstoßungskrise, die mit Kortikosteroiden behandelt wurde.

Das Kind hat sich dennoch normal entwickelt. Das fetale Wachstum war normal und der Blutfluss in den uterinen Arterien und in der Nabelschnur waren normal, als die Schwangere Ende der 31. Gestationswoche mit einer Prä-Eklampsie in die Klinik aufgenommen wurde. Nachdem die Kardiotokographie eine abnorme fetale Herzfrequenz anzeigte, entschieden sich die Gynäkologen für eine Sectio caesaria. Das Kind, ein Junge, hatte ein das Gestationsalter normales Geburtsgewicht von 1775 Gramm und wurde bei Apgarwerten von 9, 9 und 10 als gesund eingestuft. Das Kind wurde für 16 Tage auf der Neugeborenenstation beobachtet und ist inzwischen zur Mutter entlassen worden.

Die Mutter steht jetzt vor der Frage, ob sie ein weiteres Kind austragen möchte. Andernfalls würden die Ärzte ihr zur Explantation des Uterus raten, um ihr die weitere immunsuppressive Behandlung zu ersparen. © rme/aerzteblatt.de

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