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Medizin

Bisphenol A: Pränatale Exposition schwächt Lungenfunktion

Dienstag, 7. Oktober 2014

dpa

Baltimore – Der aus Plastikfolien und Epoxidharzbeschichtungen in Lebensmittel gelangende Weichmacher Bisphenol A (BPA) könnte die intrauterine Entwicklung der Lungen behindern. In einer Studie in JAMA Pediatrics (2014; doi: 10.1001/jamapediatrics.2014.1397) war eine hohe BPA-Exposition in der Schwangerschaft mit asthmaartigen Symptomen und einer Störung der Lungenfunktion verbunden.

Aufgrund der allgegenwärtigen Verbreitung von Plastik und Kunststoffbeschichtungen bei der Verpackung von Lebensmitteln ist BPA bei fast allen Menschen im Urin nach­weisbar. Zu den diskutierten gesundheitlichen Auswirkungen gehören Asthmaerkran­kungen bei Kindern, deren Prävalenz in den letzten Jahrzehnten (parallel mit der Verbreitung von Plastikverpackungen) stark zugenommen hat.

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Ein möglicher Zusammenhang wurde zuerst bei Mäusen entdeckt, die nach einer pränatalen Exposition häufiger an Asthma erkrankten. Um mögliche Auswirkungen beim Menschen zu untersuchen, haben Adam Spanier von der University of Maryland School of Medicine in Baltimore und Mitarbeiter die BPA-Konzentration im Urin von 398 Schwan­geren in der 16. und in der 26. Gestationswoche mit Lungenfunktion und Atemwegs­symptomen ihrer Kinder in den ersten Lebensjahren in Beziehung gesetzt.

Die BPA-Ausscheidung der Mütter schwankte von 0,53 bis 293,55 µg/g Kreatinin. In einer Multivariat-Analyse war jeder zehnfache Anstieg der mütterlichen BPA-Konzentration mit einer Verschlechterung der Einsekundenkapazität (FEV1) um 14,2 Prozent bei den Kindern im Alter von vier Jahren assoziiert. Bei der Untersuchung im Alter von fünf Jahren war keine Verschlechterung bei erhöhter intrauteriner Exposition mehr nachweisbar.

Ein Abfall der FEV1 in der Lungenfunktion ist ein Hinweis auf eine obstruktive Atemwegs­erkrankung, die sich im Kindesalter zuerst als pfeifendes Atemgeräusch während der Ausatmung („wheezing“) bemerkbar macht. Tatsächlich kann Spanier zeigen, dass jeder 10-fache Anstieg der BPA-Konzentration im Urin der Mutter mit einem Anstieg des „wheezings“ um 54,8 Prozent einherging.

Besonders deutlich war die Assoziation mit einem „persistierenden“ Phänotyp, also einer über die Jahre andauernden Atemstörung, die auf den Beginn einer Asthmaerkrankung hinweist. Diese Störung wurde pro 10-fachem Anstieg der BPA-Konzentration im Urin der Mutter 4,27-fach häufiger beim Kind beobachtet.

Versuche an Makaken haben Spanier zufolge jedoch gezeigt, dass eine BPA-Exposition die Bildung von sekretorischen Zellen in den proximalen Atemwegen erhöht. Dennoch kann die Studie für sich genommen eine Kausalität nicht belegen. Die hohe Bandbreite in den Urinkonzentrationen bei den Müttern zeigt jedoch, dass sich eine BPA-Exposition während der Schwangerschaft durchaus vermeiden lässt. © rme/aerzteblatt.de

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