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Medizin

Ebola: US-Notfalleinsatz von Brincidofovir

Mittwoch, 8. Oktober 2014

dpa

Durham – Die US-Arzneibehörde FDA hat eine „vorläufige Notfallzulassung“ (EIND) für den Wirkstoff Brincidofovir zur Behandlung der Ebola-Infektion erteilt. Das „Breit­band“-Virustatikum wird dem Vernehmen nach bereits bei zwei US-Patienten eingesetzt. Die Evidenz beruht lediglich auf In-vitro-Experimenten.

Brincidofovir ist ein Prodrug des Virustatikums Cidofovir, das (in Deutschland seit 1997) zur Behandlung der Cytomegalie-Retinitis bei Aids-Patienten zugelassen ist. Es handelt sich bei den beiden Wirkstoffen um azyklische Nukleotidanaloga, die die DNA-Polyme­rase hemmen.

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Im Prinzip sind sie deshalb bei allen DNA-Viren wirksam, die dieses Enzym für ihre Repli­kation benötigen. Brincidofovir wurde Anfang des Jahrhunderts mit staatlicher Unterstützung in den USA als Mittel gegen die Pocken entwickelt. Es ist oral verfügbar und wird erst innerhalb der Zellen zu Cidofovir metabolisiert. Damit entfällt weitgehend die toxische Wirkung von Cidofovir, die der wesentliche Grund für den zurückhaltenden Einsatz von Cidofovir ist. Brincidofovir soll 400-fach stärker wirksam sein als Cidofovir.

In einer im letzten Jahr veröffentlichten Dosis-Findungsstudie wurde Brincidofovir erfolgreich an Patienten getestet, die nach einer hämatopoetischen Stammzelltrans­plantation vor einer CMV-Infektion geschützt werden sollten. Die dosis-limitierende Nebenwirkung war damals eine Diarrhö. Eine Nephrotoxizität wurde nicht beobachtet (NEJM 2013; 369: 1227-36).

Der Hersteller hofft auf eine baldige Zulassung in dieser Indikation, die jedoch von den Ergebnissen einer laufenden Phase-III-Studie (SUPPRESS) abhängen wird. Der Her­steller lässt den Wirkstoff auch bei Infektionen mit Adenoviren und anderen DNA-Viren testen. Inzwischen sollen 900 Patienten in klinischen Studien mit Brincidofovir behandelt worden sein, darunter allerdings kein einziger mit einer Ebola-Infektion.

Bislang liegen auch keine tierexperimentellen Daten vor. Die Evidenz stützt sich allein auf eine kürzlich in Antimicrobial Agents and Chemotherapy (2014; 58: 5570-5571) veröffent­lichte Studie. Der Wirkstoff wurde dort gegen alle fünf Typen des Ebolavirus getestet. Die halbmaximale effektive Dosis (EC50) lag  bei 0,11 µM und damit 100 Mal höher als bei Cidofovir.

Eine klinische Wirkung lässt sich daraus nicht ableiten. Mangels therapeutischer Alterna­tiven (die Vorräte an ZMapp sind verbraucht und TKM-Ebola soll zu toxisch sein) wird Brincidofovir derzeit bei den beiden in den USA behandelten Patienten eingesetzt. Neben dem Patienten in Dallas befindet sich ein Kameramann des Senders NBC in Nebraska in Behandlung. Nachschubprobleme dürfte es nicht geben. © rme/aerzteblatt.de

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