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Politik

Bahr: Gesundheitssystem der USA steht unter Druck

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Daniel Bahr dpa

München – Der ehemalige Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr hat eindringlich daran appelliert, die Möglichkeiten von E-Health-Anwendungen möglichst rasch umzusetzen. Nutze Deutschland die Chancen nicht selbst, würden diese Anwendungen eben aus anderen Ländern kommen, warnte er auf dem Europäischen Gesundheits­kongress in München: „Ob sie dann unseren Wünschen und vor allem den deutschen Datenschutzstandards entsprechen, bezweifle ich“.

Milliarden für den E-Health-Bereich
Nach seinen Angaben wird E-Health beispielsweise in den USA als ein „Riesen-Wachstumsmarkt“ gesehen, in den die US-Regierung aktuell mehrere Milliarden Dollar investiere. Bahr verwies darauf, dass die Sensibilität gegenüber dem Datenschutz, der gerade bei Gesundheitsdaten sehr wichtig sei, in den USA sich aber erheblich von den deutschen Standards unterscheide. „Es wäre nicht klug, zu warten, bis Anbieter, die ein anderes Verständnis vom Datenschutz haben, mit ihren Anwendungen in den deutschen Markt drängen und sich hier durchsetzen, weil es nicht Vergleichbares gibt“, mahnte er.

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Bahr ist seit Februar 2014 für den amerikanischen Thinktank „Center for American Progress“ tätig, der auch die US-Regierung bei der Umsetzung der Gesundheitsreform Affordable Care Act, besser bekannt als Obamacare, berät. Trotz Startschwierigkeiten ist aus Sicht des ehemaligen Bundesgesundheitsministers mit der Reform ein „historischer Schritt“ vollzogen worden.

USA: Teures, aber ineffektives Gesundheitssystem
Allerdings entstehe auch in den USA nun ein stärkerer Druck zur Kostenreduktion im Gesundheitswesen. Denn die Vereinigten Staaten leisteten sich das teuerste Gesund­heits­wesen weltweit. 18 Prozent des Bruttoinlandsprodukts geben die USA für die Gesundheitsversorgung aus. „In der Politik ist man in weiten Teilen sogar durchaus stolz darauf, dass man so viel ausgibt“, berichtete Bahr.

Dennoch würden damit im Vergleich zu europäischen Gesundheitssystemen keine besseren Ergebnisse erzielt. So sei beispielsweise die Lebenserwartung in den USA geringer als in Deutschland. „Auch die USA werden sich dieses hohe Ausgabenniveau für Gesundheit perspektivisch nicht leisten können“, sagte er. Denn das Geld fehle dann an anderen Stellen, wie zum Beispiel bei der Entwicklung für Infrastruktur und in der Bildung.

Arzneimittelversorgung in den USA braucht Kostenregelung
Immense Kosten verursachen dabei laut Bahr die Arzneimittel. „Auf Dauer und ange­sichts der steigenden Prämien für die Krankenversicherung wird man es nicht erklären können, dass in den USA deutlich höhere Preise gezahlt werden als in anderen Ländern“, so Bahr. Bereits jetzt würden, obwohl verboten, Reimporte aus Kanada oder Mexiko bezogen. Selbst in den grenzfernen Staaten gebe es Organisationen, die sie vertreiben.

Können Sie sich das Medikament leisten?

In den USA wird offen über Geld gesprochen, oft hierüber nachgedacht und viele junge Menschen geben als großen Lebenstraum an, nicht unbedingt glücklich, sondern eben reich sein zu wollen. Klar, es ist auch eine materialistischere Gesellschaft als man sie aus Deutschland kennt.

„Es ist Druck im System, der dazu führen wird, dass auch in den USA vielleicht keine AMNOG-Kopie, aber ein Prozess eingeführt wird, der den Zusatznutzen bestimmt und an den sich Preisverhandlung anschließen“. Zunächst aber wurde Bahr nach eigenen Angaben bei der Vorstellung des deutschen Modells und in den Diskussionen um die Arzneimittelkosten als Sozialist bezeichnet. Dennoch zeigte er sich überzeugt, dass das AMNOG auch für ein wettbewerbsorientierteres Land wie die USA ein Vorbild sein kann.

Ab November wechselt Bahr als Manager zur Allianz Private Krankenversicherung (APKV). Dort soll er die Bereiche Leistungsmanagement und zentrale Vertriebs­koordination übernehmen. Nach einer Einarbeitungszeit soll er vorbehaltlich der Zustimmung der Finanzaufsicht BaFin in den Vorstand berufen werden. © ank/aerzteblatt.de

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