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Medizin

Vogelgrippe: Impfstoffe wirken nur mit Adjuvans

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Atlanta - Ein erster Impfstoff gegen die aviäre Influenza A/H7N9, die im letzten Jahr in China zu zahlreichen Todesfällen geführt hat, erzielte in einer randomisierten Dosis­findungsstudie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2014; 312: 1409-1419) bei mehr als der Hälfte der Teilnehmer eine Immunität - allerdings nur, wenn der Impfstoff mit einem Adjuvans versehen war. In einer weiteren Studie (JAMA 2014; 312: 1420-1428) erzielte ein Impfstoff gegen die andere aviäre Influenza A/H5N1 eine gewisse Kreuz­immunität.  

Angesichts der derzeitigen Ebola-Epidemie ist fast in Vergessenheit geraten, dass die Öffentlichkeit im letzten Jahr eine ganz andere Gefahr beschäftigte. Seit Ende März war es in China vereinzelt zu Erkrankungen von Menschen mit dem aviären Influenzavirus A/H7N9 gekommen. Dieser Virustyp ist bei Vögeln weit verbreitet. Die Tiere erkranken nicht, im Unterschied zum Menschen. Zwei Drittel der Patienten wurden hospitalisiert, ein Drittel starb an den Folgen dieser neuen Variante der „Vogelgrippe“. Glücklicherweise war die Übertragbarbeit gering und die Epidemie hielt sich in Grenzen. Bis Juni 2014 wurden insgesamt nur 450 labormedizinisch bestätigte Erkrankungen bekannt.

Damals wurde mit der Entwicklung mehrerer Impfstoffe begonnen. Eine Vakzine der Firma Sanofi in Swiftwater/Pennsylvania wurde kürzlich in einer Phase II-Studie vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases an vier US-Kliniken getestet. Insgesamt 700 Probanden erhielten im Abstand von 21 Tagen zwei Injektionen mit dem Impfstoff in vier unterschiedlichen Dosierungen. Teilweise war der Impfstoff mit dem Adjuvans MF59 versehen, einer Öl/Wasser-Emulsion verschiedener Chemikalien, die die Impfantwort verstärken soll.

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Wie Mark Mulligan von der Emory University School of Medicine in  Atlanta und Mitarbeiter jetzt berichten, war das Adjuvans erforderlich, um eine ausreichende Antikörperantwort zu erzielen. Schon in der niedrigsten Dosis entwickelten 59 Prozent der Impflinge Antikörpertiter, die einen Schutz vor einer Ansteckung erwarten lassen. Die Verträglichkeit war gut. Das Adjuvans verstärkte zwar die Lokalreaktion auf die intramuskuläre Injektion. Schwere Komplikationen blieben jedoch aus – wobei die Frage der Sicherheit in einer Phase II-Studie natürlich nicht abschließend geklärt wurde.

Ob der Impfstoff jemals benötigt wird, ist unklar. Bislang zeigte die aviäre Influenza H7N9 keine Tendenz, eine globale Pandemie beim Menschen auszulösen. Die meisten Erkrankungen traten sporadisch auf und waren die Folge einer direkten Übertragung durch infiziertes Geflügel. Eine Impfung käme allenfalls für die Geflügelhalter infrage.

In der anderen Studie gingen Robert Belshe von der Saint Louis University School of Medicine und Mitarbeiter der Frage nach, ob eine Impfung gegen eine aviäre Influenza H5N1 einen Schutz gegen spätere Epidemien mit dem gleichen Erreger, aber in einer etwas veränderten Antigen-Struktur gewährt. In der Studie wurde die Wirksamkeit eines Impfstoffs gegen das aviäre Influenzavirus A/Anhui/01/2005(H5N1) an 637 Freiwilligen untersucht.

Davon waren 72 Probanden bereits ein Jahr zuvor gegen das aviäre Influenzavirus A/Vietnam/1203/2004(H5N1) geimpft worden. Tatsächlich verstärkte die Impfung gegen die alte Variante die Wirkung der späteren Impfung gegen die neue Variante. Die vorgeimpften Personen benötigten nur eine statt zwei Injektionen, um sich gegen die Vogelgrippe zu schützen. Auch in dieser Studie verstärkte das Adjuvans MF59 die Wirkung des Impfstoffs.

Die Ergebnisse der Studie könnten die Impfstrategien im Fall einer globalen Pandemie mit dem aviären Influenza-Virus beeinflussen, die allerdings bisher ausgeblieben ist. Auch am H5N1-Virus sind bisher nur wenige Menschen erkrankt. Das Virus ist zwar hoch pathogen, zeigt aber nur eine sehr begrenzte Übertragbarkeit – ein wesentlicher Unterschied zum Ebolavirus, das hoch pathogen und leicht übertragbar ist.

© rme/aerzteblatt.de

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