NewsÄrzteschaftPsychiater fordern bessere berufliche Chancen für psychisch Kranke
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Psychiater fordern bessere berufliche Chancen für psychisch Kranke

Donnerstag, 9. Oktober 2014

Berlin – Mehr als die Hälfte der Menschen mit chronischen psychischen Erkrankungen ist arbeitslos oder frühberentet. Das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit, die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) sowie der Verein „Gesundheitsstadt Berlin“ fordern daher im Vorfeld des morgigen Welttages für seelische Gesundheit, die beruflichen Chancen für Betroffene zu verbessern.

„In Deutschland droht Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen der Ausschluss vom Arbeitsmarkt“, kritisieren die Verbände. Hinzu kämen Vorurteile in der Bevölkerung: Laut einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage 2011 möchte fast ein Drittel der Befragten nicht mit einem an Schizophrenie erkrankten Kollegen zusammenarbeiten. „Dies verdeutlicht, dass die Integration psychisch Kranker in den ersten Arbeitsmarkt mit den gegenwärtigen Förderinstrumenten nicht gelingt. Im Gegenteil: Die Arbeitswelt passt sich immer weniger den Bedürfnissen der Menschen an“, sagte Iris Hauth, President Elect der DGPPN.

„Nachdem wir in der Psychiatrie in den vergangenen Jahren erfolgreich die Enthospitalisierung vorangetrieben haben, kommt es jetzt darauf an, dem Thema Arbeit für psychisch erkrankte Menschen die Bedeutung in der Versorgung zu geben, die ihm gebührt“, sagte Ulf Fink, ehemaliger Berliner Senator für Gesundheit und Soziales und Vorstandsvorsitzender von Gesundheitsstadt Berlin eV. Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Politik seien hier gleichermaßen aufgefordert, aktiv zu werden.

Anzeige

Auch für die Familien psychisch kranker Menschen hat das Thema Arbeit eine große Bedeutung, betonte Beate Lisofsky vom Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker: „Neben dem Verlust an Sinn und Struktur spielt für die Angehörigen auch die finanzielle Situation eine nicht zu unterschätzende Rolle“, sagte sie.

Die Ge­sund­heits­mi­nis­terin des Landes Baden-Württemberg, Katrin Altpeter (SPD) hat anlässlich des Welttages für seelische Gesundheit dazu aufgerufen, Schizophrenie Erkrankte gesellschaftlich nicht auszugrenzen. Es sei besorgniserregend, dass erkrankte Menschen aufgrund des gesellschaftlichen Stigmas, das Schizophrenie auch heute noch anhafte, oftmals zögerten, bis sie sich jemandem anvertrauten und dadurch erst relativ spät Hilfe erhielten, so die Ministerin.

Die seelische Gesundheit ihrer Mitarbeiter im Auge zu behalten, hat die Krankenkasse Barmer Gek von den Arbeitsgebern gefordert. „Arbeitsunfähigkeiten aufgrund psychischer Erkrankungen dauern häufig deutlich länger als bei anderen Krankheiten. Im Durchschnitt fallen betroffene Arbeitnehmer aufgrund dieser Diagnose 45 Tage im Jahr aus“, erklärte Andrea Jakob-Pannier, Psychologin bei der Krankenkasse. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

8. Oktober 2020
Mainz – Der rheinland-pfälzische Landtag hat gestern einstimmig ein Gesetz verabschiedet, das den Umgang mit psychisch Erkrankten neu regelt und die Hilfen für sie verbessern soll. Dadurch sollen
Gesetz für psychisch Kranke in Rheinland-Pfalz beschlossen
8. Oktober 2020
Berlin – Auf die gesundheitlichen und humanitären Folgen der Abschiebepraxis von Geflüchteten haben die Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW)
IPPNW: Abschiebepraxis geflüchteter Menschen humanisieren
6. Oktober 2020
Genf – Die Coronakrise stellt viele Menschen auch vor schwere psychische Probleme, doch wird dieser Aspekt nach Angaben der WHO im weltweiten Kampf gegen das Virus häufig übersehen. Zwar hätten in
WHO erinnert an psychische Auswirkungen der Pandemie
5. Oktober 2020
Berlin – Drei Bundesministerien und rund 50 Behörden und Organisationen wollen gemeinsam das Thema psychische Erkrankungen aus der Tabuzone holen und die Präventionslandschaft in Deutschland besser
Breites Bündnis will psychische Erkrankungen aus der Tabuzone holen
2. Oktober 2020
Berlin – Fast 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland erkranken innerhalb eines Jahres an einer psychischen Störung. Das geht aus dem „Faktenblatt Psychische Erkrankungen bei Kindern und
Psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen häufig unbehandelt
29. September 2020
Berlin – Versicherte in Deutschland gehen immer häufiger wegen psychischer Erkrankungen in die Rehabilitation. Der Anteil der Rehabilitationsleistungen in diesem Bereich stieg von 15,3 Prozent im Jahr
Immer mehr Menschen wegen psychischer Erkrankungen in Reha
28. September 2020
Berlin – Soziale Isolation und Armut aufgrund der wirtschaftlichen Folgen der Coronapandemie können einen Einfluss auf die psychische Gesundheit haben, verbunden mit einem Anstieg von Depression und
LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER